Zwei Wochen Urlaub – und alles anders?

28.07.2016  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Stefan Becker

Amadeus Blog: Warum eher das Kommende als das jüngste Geschehen Anlass zur Sorge bietet

Ich war zwei Wochen im Urlaub. Das ist an sich nicht der Rede Wert, aber nach meiner Rückkehr am Montag hatte ich das deutliche Gefühl: Die Welt ist nicht mehr dieselbe.

In der Türkei wurde ein Putschversuch verhindert und der Ausnahmezustand verhängt. An fünf Orten (Nizza, Würzburg, München, Reutlingen und Ansbach) sind Dutzende Tote und Verletzte durch Attentate und Amok zu beklagen. Einer der größten Online-Reisemittler in Deutschland hat mit mehreren Gesellschaften Insolvenz angemeldet, nachdem zwei seiner Gründer bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Ich stand da und schlackerte mit den Ohren. Geht’s noch?

Allerdings dreht sich die Diskussion in den Medien nicht um die Reisebranche, obwohl mit der Türkei, mit Nizza und München beliebte Reiseziele betroffen sind. Dazu passt, was Jakob Strobel y Serra am Wochenende in der „Frankfurter Allgemeinen“ zur aktuellen Lage veröffentlicht hat. „Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich die Zahl der Touristen verdoppelt“, schreibt er. „Die Touristen reagieren weder panisch noch hysterisch auf das Morden, sondern so angemessen, wie man es sich von ihnen als Wahlbürger manchmal wünschte – und so besonnen, wie es die Zahlen verlangen: 2015 ist noch nicht einmal einer von zehn Millionen Reisenden Opfer eines Terroranschlags geworden. Und in diesem Jahr wird es trotz des Grauens von Nizza nicht viel anders sein.“

Und selbst, wenn alle übers Reisen reden würden: Die Reisebranche hat nicht nur am 11. September 2001, sondern immer wieder Tiefschläge einstecken müssen. 2014 und 2015 brachten der Absturz und der Abschuss von zwei Flugzeugen der Malaysia Airlines sowie der bewusst herbeigeführte Absturz eines Germanwings-Fluges viele Fragen zur Flugsicherheit auf. 2015 und Anfang 2016 musste eine ganze Reihe kleinerer Veranstalter Insolvenz anmelden. Unglücke, Unfälle, Anschläge und Insolvenzen sind – so arrogant das klingen mag – Teil des Alltagsrisikos geworden, das sich aber insgesamt kaum verändert hat.

Insofern habe ich zwar das Gefühl, dass sich die Welt während meines Urlaubs hässlich geschminkt hat, die Branche aber stabil arbeitet. Viel mehr Sorgen bereitet mir, wie auf die Ereignisse reagiert wird.

Damit meine ich nicht, dass auf dem Oktoberfest Rucksäcke verboten werden sollen, obwohl das zweifellos eine Einschränkung darstellt. Ich meine die erneuten Forderungen nach mehr Überwachung, die erneute Welle pauschalisierender Aussagen zu Flüchtlingen und die genauso pauschalisierende Ankündigung des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, wegen der Terroranschläge Reisende aus Deutschland und Frankreich „extrem“ zu kontrollieren – als gäbe es in seinem Land keine Gewalt. Wie stark autoritär orientierte Politiker durchgreifen, zeigt tatsächlich gerade die Türkei: Da werden Medien verboten, Schulen geschlossen, ganze Berufsgruppen mit Ausreiseverbot belegt. Die verschiedenen Ausfälle und Ankündigungen von Donald Trump in den vergangenen Monaten gehen in dieselbe Richtung.

Was passiert in Deutschland, wenn dieser Politikstil sich aus Ungarn und der Türkei in die USA fortpflanzt und auch zu uns kommt? Dann könnte es sein, dass wir zwar unverändert gerne reisen – aber nicht mehr gerne nach Hause kommen.

Über den Autor

Stefan Becker ist gelernter Journalist und war bis zur ihrer Schließung Redakteur der Zeitschrift „Touristik Report“. Zurzeit arbeitet er in der externen Pressestelle von Amadeus bei XSP Marketing und Kommunikation.…
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