Wie Kaffeetassen das Bewusstsein schärfen

05.09.2018  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Kaufen, öffnen, wegwerfen – bis vor Kurzem fand Sascha Nau das total normal. Verpackungs- und Plastikmüll? Klar gibt’s den zuhauf, aber um was soll man sich sonst noch alles kümmern? Erst die Müllwelle in der Dom Rep rüttelte ihn wach. Und plötzlich ist er umzingelt von Nachrichten, die er einfach nicht mehr ignorieren will. Ein Weckruf.

Der Franzose Ben Lecomte schwimmt seit Juni durch den Pazifik und hat eine Mission: Er will auf den großen Plastikmüllfleck im Nordpazifik aufmerksam machen, der rund 16-mal so groß ist wie Österreich. Im Juli fluten meterhohe Müllwellen die Traumstrände der Dominikanischen Republik. Die Bilder sind übermächtig. Die Behörden vor Ort zeigen nicht mit dem Finger auf die Touristen, die der Hauptwirtschaftsfaktor der Insel sind. Dennoch macht es nachdenklich.

Und was hört man aus der Reiseindustrie zum Thema Plastikmüll? So dies und das. Zum Beispiel kündigen viele Kreuzfahrtunternehmen in diesen Tagen an, Plastiktrinkhalme bis Ende 2018 von ihren Schiffen zu verbannen. Internationale Hotelgesellschaften sind in ähnlicher Weise unterwegs und streichen die Halme aus ihren Bars und Restaurants.

Auch ganze Länder outen sich als Müllvermeider: Ecuador erklärt die Galapagos-Inseln zur Plastikflaschen-freien Zone ab Februar 2019. Plastiktüten und Trinkhalme gibt es dort schon seit Anfang 2018 nicht mehr. Frankreich hat zwar nichts gegen Trinkhalme, verbietet aber ab 2019 Plastikgeschirr. Und die EU-Kommission hat beschlossen, dass Plastikgeschirr in ganz Europa verboten werden soll, wann, ist aber noch unklar.

Doch reicht das? Wohl kaum. Diese wohlgemeinten und sicher sinnvollen, PR-trächtigen Aktionen kommen mir tatsächlich vor wie Strohhalme im Pazifik.

Wenn ich zum Beispiel im Flugzeug sitze, habe ich das Gefühl, dass es eine Zeit Mitte der 1980er Jahre gab, da war das Bewusstsein für Umweltschutz sehr viel ausgeprägter bei den Fluggesellschaften. Schon damals verbannten sie Plastikgeschirr aus ihrem Catering, um es danach schleichend und wohl aus Kostengründen zurückzuholen. Oder spielen hier auch Gewichtsthemen eine Rolle? Verbrauchen 800 Bestecksets aus Metall auf einem Flug mehr Sprit? Eine interessante Frage. Sie zeigt das Dilemma, in dem der Umweltfreund und Müllvermeider heute steckt: Es gibt für alles ein Für und Wider.

Wussten Sie übrigens, dass wir Deutschen Europameister sind? 220,5 Kilo Verpackungsmüll produzieren wir pro Kopf im Jahr, mehr als jedes andere EU-Land. Die Hälfte davon geht auf Kosten privater Verbraucher – also Sie und mich. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums gehören Strohhalme und Flaschendeckel neben Zigarettenstummeln, Lebensmittelverpackungen und Plastikflaschen zu dem am häufigsten gefundenen Meeresmüll. „24 Stunden am Tag enden in jeder Sekunde rund 700 Kilogramm Plastik in der Meeresumwelt”, warnt EU-Kommissar Timmermans. „Es dauert fünf Sekunden, das zu produzieren, fünf Minuten, es zu nutzen und etwa 500 Jahre, es wieder abzubauen.”

All diese Meldungen und Bilder führten bei mir zunächst zu einem Ohnmachtsgefühl; bis mein Team bei Amadeus mich mit einer ganz banalen Diskussion da raus holte: Einweg-Kaffeebecher versus Keramiktassen – darum gings. Dieser konkrete Fall zwang mich zum Handeln, die Coffee-to-go-Becher kamen weg. Und seitdem bin ich mitten drin. Mit vereinten Kräften geht es nun an immer mehr Stellen dem Plastik- und Verpackungsmüll an den Kragen, denn alle haben Ideen, was man machen könnte, und die meisten machen mit.

Und das sind meine ganz konkreten Tipps für Sie: Fangen Sie mit bewusstem Handeln in ihrem Alltag an. Gehen Sie sehenden Auges für Müll durch die Welt. Nehmen Sie zum Beispiel den Einkaufskorb mit zum Shoppen, kaufen Sie unverpacktes Gemüse, genießen Sie den Kaffee aus der Tasse und schleppen Sie Batterien und Plastikabfall aus dem Urlaub wieder mit nach Hause, um diesen hier richtig zu entsorgen.

Danke.

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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