Wie Aeroflots neuer Sparkurs zum Aufreger wurde

24.07.2015  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Beate Zwermann

Amadeus Blog: Jeder lebt in seiner eigenen Welt, heißt es so schön. Gilt das auch für die Medien? Unbedingt, würden die Medienwissenschaftler sagen, und tatsächlich sortieren Journalisten das, was um uns herum geschieht, nach ganz bestimmten Kriterien – den sogenannten Nachrichtenfaktoren.

Für sie ist ein Ereignis nicht per se eine Nachricht wert. Nur wenn es aktuell ist, bedeutend für viele, nah am Leser oder in aktuelle Entwicklungen passt etc., wird das Ereignis zur Nachricht. Warum ich so weit aushole, wenn ich doch über Aeroflot schreiben will?

Ganz einfach: Es gibt aktuell eine große Diskussion in der Reisebranche, die alles zu überstrahlen scheint. Da kann es schon mal passieren, dass ein davon absolut unabhängiger Vorgang – Aeroflot will sparen – in einen Zusammenhang gestellt wird, in den er einfach nicht gehört. So geschehen in dieser Woche mit einer Nachricht aus Russland.

Wie lautet also die eigentliche Nachricht? Sie lautet: Aeroflot will künftig die Kreditkartenkosten einsparen, und zwar immer dann, wenn die Buchung in einem russische Reisebüro erfolgt. Das heißt, die Kunden können in Russland zwar in ihrem Reisebüro auch weiterhin mit Kreditkarte zahlen, die Weiterleitung der Einnahmen vom Reisebüro an die Fluggesellschaft läuft aber über Rechnung. Das klingt nach dem Sack Reis in China? Genau. Denn uns hier in Deutschland betrifft das gar nicht. Hier kann ein Aeroflot-Ticket weiterhin mit Kreditkarte bezahlt werden – egal, wo man bucht. Warum kommt also so eine unbedeutende Nachricht in deutsche Medien und wird der meistgelesene Artikel auf FVW.de? Weil der Journalist einen Zusammenhang mit eben der oben genannten großen Diskussion gesehen hat. So wurde aus einer Sparmeldung eine neuerliche Welle gegen den indirekten Reisevertrieb, die sich schnell online in andere Medien verteilte.

Wie gut, dass im Zeitalter des Online-Journalismus solche Meldungen schnell richtig gestellt werden können. Wie gut auch, dass Journalisten für Berichtigungen offen sind. Das ist eine gute Nachricht in diesen schnellen Zeiten.

In Russland gibt es derzeit viele Veränderungen, die jede für sich auch die Reisebranche weltweit beeinflussen können. Datenflüsse, Zahlungswege, Speicherorte für Kundendaten – das alles ist im Gespräch. Die Inhalte sind sehr komplex und würden diesen Blogbeitrag mehr als sprengen. Die Welt in Russland ist eine ganz eigene – wie hier bei uns auch. Es ist wichtig, das sorgfältig zu trennen – auch medial.

Über den Autor

Beate Zwermann ist seit 2007 als externe Pressesprecherin für Amadeus Germany, die Amadeus IT Group Madrid und seit 2013 auch für Traveltainment unterwegs. Die gelernte Journalistin bringt es auf 25…
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