Wer designt in Zukunft die Reisen – der Kunde oder der Veranstalter?

02.07.2015  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Bernhard Steffens

Amadeus Blog: Wenn im Allgemeinen von kreativen Berufen gesprochen wird, dann sind wir schnell bei Modedesignern, Künstlern oder auch Köchen. Reiseveranstalter kommen in dieser Liste gar nicht erst vor.

Dabei ist „Reiseveranstaltung“ ein überaus kreativer und innovativer Prozess und das schon seit Thomas Cook & Co. Der Veranstalter designt die Reisen – er antizipiert quasi die Reisewünsche seiner Kunden und stellt das Produkt ins Verkaufsregal – online wie offline – im Fremd- oder Eigenvertrieb. Die Designkomponenten sind dabei immer nahezu die gleichen – Hotel, Flug, Transfers, Auto, Ausflüge, weitere Serviceleistungen – klingt nach Kochrezept, ist aber höchst anspruchsvoll.

Die Reiseveranstaltung im klassischen Sinne ist ein Risikogeschäft: Ist das Produkt fertig, beginnt das Zittern. Der Reisemarkt in Deutschland ist bis heute mehrheitlich ein „Anbieter-Markt“ – die Reiseveranstalter stellen ihre Produkte in die Schaufenster des Reisevertriebs und sagen den Kunden „Schau, was ich für dich habe!“. Was aber, wenn das Produkt, das man im November ins Regal gestellt hat, den Kunden im Juni nicht mehr anspricht? Falsches Design kann tödlich sein.

Gibt es Alternativen? In der Online-Welt schon. Der Online-Markt ist ein „Käufer-Markt“, auf dem der Kunde das Produkt nachfragt, was er sucht. „Verkaufe mir, was ich haben will“ lautet hier der Anspruch. Auf dem „Käufer-Markt“ sitzt der Kunde auf dem Fahrersitz und gibt die Richtung vor. Zur Entscheidungsfindung nutzt er nicht mehr die OTA-Webseite, er entscheidet auf anderen Portalen (Metasearch, Bewertungsplattformen, Blogs) in welche Region er möchte und welches Hotel er zu buchen beabsichtigt, bevor er zur Webseite des Reisebüros kommt. Er entscheidet auch, wann er einkauft (24/7), welches Endgerät er dafür nutzt (PC/Tablet, Smartphones) und wie er bucht (Webseiten, Apps, Telefon, E-Mail). Für das Online-Reiseportal ist entscheidend, dass es das Produkt im Regal hat, das der Kunde haben will. Oder aber, es kann ein komplett flexibles, individuelles Einkaufsvergnügen bieten, bei dem der Kunde seine Reise praktisch selbst designt – dynamisch und in Echtzeit. So wird ein OTA mit einem Dynamic-Packaging-Tool von TravelTainment schnell zum Digitalen Reiseveranstalter.

Dabei stehen drei Aspekte ganz oben: Die Auswahl, der Wert (Value) und der „Joy of Use“. Ein Digitaler Reiseveranstalter kann dem Kunden genau das Produkt designen, das er sich gerade erträumt (Auswahl). Er kann den richtigen Preis anbieten, den der Kunde sich leisten kann (Value), und er macht es besonders einfach für den Kunden, ihn immer und jederzeit über jeden Kommunikationskanal zu erreichen (Joy of Use). Ein Digitaler Reiseveranstalter bedient sich einerseits aus dem großen Angebot der Leistungsträger aus Bettenbanken, Flug-Caches etc. Anderseits ist er immer auch noch sein eigener Reisedesigner – mit exklusiven Angeboten, Preisen und Extras, die das Dynamic-Packaging-Tool dazu mischen kann. Ziel ist die maximale Personifizierung und das Gefühl des Kunden, seine Reise selbst kreiert zu haben – ganz individuell unterwegs zu sein. So werden auch die Kunden zu Designern ihrer eigenen Reise.

Ist das also die Zukunft? Wir bei TravelTainment sind sicher, den Digitalen Reiseveranstaltern gehört die Zukunft. Dabei nähern sich die Welten von Reiseveranstaltern und Online-Travel-Agencies immer mehr an und verschmelzen schließlich.

Über den Autor

Bernhard Steffens ist seit Mai 2018 Vice President Customer Solutions Tour Operator im Bereich Travel Channels innerhalb der Amadeus Group. In dieser Funktion verantwortet er für das Tour-Operator-Segment das globale…
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