Warum die Reisebranche mit dem CO2-Reporting anfangen sollte

04.01.2017  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Dr. Susanne Becken

Amadeus Blog: Emissionsberichte gehören nicht nur zur guten Unternehmensführung, sie bieten auch praktische Vorteile – erst recht, wenn es einheitliche Standards gibt. Ein Aufruf an die Branche, diese Standards festzuschreiben.

Es ist kein Geheimnis: Reisen bringt Nutzen – bedeutet aber erhebliche Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid. Sie entstehen an jedem Punkt des Reiseprozesses: zur Zeit der Buchung, während der Hinreise und des Aufenthalts im Zielgebiet, bei den Mahlzeiten und dem Souvenirkauf. Insgesamt trägt der Tourismus fünf Prozent zum weltweiten Treibhausgas-Ausstoß bei, Tendenz steigend.

Gleichzeitig gibt es den weltweiten Konsens, dass die Emissionen schnell und drastisch reduziert werden müssen. Das Netto-Ziel liegt bei null Emissionen nach dem Jahr 2050. Am 4. November 2016 trat dazu das Pariser Klima-Übereinkommen in Kraft. Fast 100 Nationen haben es ratifiziert.

Haupt-Herausforderung ist die Kohlenstoffbilanz. Wenn die weltweite Durchschnittstemperatur im Vergleich mit vorindustriellen Zeiten um nicht mehr als zwei Grad Celsius steigen soll, können wir nur 900 weitere Gigatonnen Kohlendioxid ausstoßen. Das gibt uns, gemessen an den derzeitigen Emissionen, noch 20 Jahre. Wer wie viel und zu welchen Zwecken ausstoßen darf, wird verhandelt. Eins aber ist sicher: Wenn wir nicht anfangen, Emissionen systematischer zu erfassen, werden wir wahrscheinlich nicht wissen, wo wir gerade stehen und wo Reduzierungen nötig und möglich sind.

Daher werden Emissionsberichte zu einem alltäglichen Instrument werden, genauso wie Kostenrechnung und Finanzergebnisse. Eine wachsende Zahl von Unternehmen veröffentlicht ihre Kohlendioxid-Emissionen bereits, und es gibt einige herausragende Beispiele aus der Reisebranche. Die Unternehmen haben nicht nur erkannt, dass das zur guten Unternehmensführung gehört, sondern auch praktische Vorteile bietet – für die Verbesserung der Betriebsabläufe, die Compliance, die Fürsorge für Mitarbeiter und Gesellschaft sowie für die Markenentwicklung.

Eine Reihe von Tools zur Berechnung von Kohlendioxid-Emissionen sowie Reporting- und Zertifizierungs-Systeme sind verfügbar, auch für Unternehmen der Reisebranche. Jeder kann mitmachen, kleine Unternehmen genauso wie große. Die Vielzahl der Möglichkeiten birgt aber auch ein Risiko, wenn nämlich Emissions-Berechnungen nicht vergleichbar sind und es an Transparenz fehlen lassen. Für die Branche ist es daher wichtig, als nächsten Schritt Mindestanforderungen für Messung und Veröffentlichung festzuschreiben. Das ist besonders dann von Bedeutung, wenn wir die Reisenden selbst involvieren wollen, die in zunehmendem Maß nachhaltige Lösungen nachfragen, aber oft genug verwirrenden Informationen gegenüberstehen.

Die Beförderung von A nach B, insbesondere in der Luft, macht den größten Anteil der mit Reisen verbundenen Kohlendioxid-Emissionen aus. Daher bietet sich hier die Chance, mit einer globalen Lösung zur Emissionsmessung zu starten und den Kunden verlässliche und miteinander vergleichbare Informationen zu liefern. Amadeus ist dafür perfekt positioniert. Stellen Sie sich vor, jeder Flug hätte, ganz unabhängig vom Buchungsweg, nicht nur ein Preis-, sondern auch ein Emissionsschild – und zwar sowohl bei einer Direktbuchung als auch bei der Buchung im Reisebüro. Stellen Sie sich ein einfaches System vor, das den Vergleich verschiedener Flüge auf der Grundlage der Kohlendioxid-Emissionen erlaubt. Und außerdem die Möglichkeit bietet, mit einem Knopfdruck persönliche jährliche Emissionsreports zu erstellen. Das wird die neue Welt sein, in der wir leben.

Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, wie die Reisebranche in Sachen Kohlendioxid-Reporting unterwegs ist, empfehle ich Ihnen die (englischsprachige) Studie Proving The Case: Carbon Reporting In Travel And Tourism, eine gemeinsame Veröffentlichung des Griffith Institute for Tourism und von Amadeus.

Über den Autor

Dr. Susanne Becken ist Direktorin des Griffith Institute for Tourism sowie Professorin für Nachhaltigen Tourismus an der Griffith University in Brisbane, Australien. Gemeinsam mit Lucas Bobes, Head of Sustainability der…
Mehr über den Autor

Schreiben Sie einen Kommentar