Was wäre wenn … Joussen irrt?

02.11.2017  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Beate Zwermann

Es tut sich viel auf dem Beherbergungsmarkt. Während in Deutschland einige Städte mit Airbnb noch einen Konsens suchen, ist der Siegeszug der Plattform weltweit schon heute kaum noch aufzuhalten. Eine Bestandsaufnahme.

Friedrich Joussen, TUI-Group CEO, sagte in einem Interview mit der Schweizer Zeitung 20 Minuten über Airbnb: „TUI ist Strand, Meer und Ferienorte. Das ist nicht Airbnb. Für den Bereich der Stadthotels, wo TUI kaum vertreten ist, muss man sich das genau anschauen. (…) Wir entwickeln und betreiben Hotels dort, wo es zu wenig Kapazitäten hat und 365 Tage im Jahr die Sonne scheint. Da gibt es keine Berührungspunkte mit Airbnb.“ (Nachzulesen hier.)

Kennen Sie diese Momente, wenn man das Gefühl hat, im falschen Film zu sein? So ging es mir, als ich diese Antwort von Friedrich Joussen las. Um das gleich vorweg zu nehmen: Airbnb ist bald überall, wo die TUI auch ist. Es gibt kaum einen Strand auf dieser Welt, an dem nicht schöne Feriendomizile von Privatleuten vermietet werden. Zu sehr akzeptablen Preise. Und außerdem: Es gibt viele Traumstrände auf dieser Welt, wo man sich jetzt dank Airbnb ein Feriendomizil mieten kann, an denen eben keine TUI-Hotels zu finden sind. Damit vervielfacht sich das Angebot. Und: Airbnb hat gerade angekündigt, eine Schnittstelle für große Ferienhaus-Broker zur Verfügung zu stellen, um diesen weltweiten Markt – geschätzt etwa 138 Milliarden US-Dollar – ins Angebot zu holen (nachzulesen hier).

Das faszinierende an Airbnb ist die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Gastgeber und Gast. Als Gastgeber muss ich nicht an jedermann vermieten, sondern kann mir die Gäste aussuchen. Das erklärt auch, warum immer mehr kleine Hotels in Airbnb zu finden sind. Sie wollen die Kontrolle über ihre Gästezielgruppe, die sie bei allen anderen Buchungskanälen nicht haben. Und es erklärt, warum auch viele gut betuchte Privatleute ihre Feriendomizile auf Airbnb anbieten, da das Risiko, sich die falschen Leute ins Haus zu holen, minimiert wird.

Interessant an dieser Stelle ist auch ein Aspekt, der gerade in der Trendstudie 2018 von Booking.com zu lesen ist: Reisende, so heißt es da, wollen ihren Gastgebern nicht auf dem Schoß sitzen. „Live like a local, not with a local“, heißt demnach der aktuelle Trend – mit dem die Flexibilität eingefordert wird, mit dem Gastgeber in Kontakt treten zu können, nicht aber zu müssen.

Wer aktiv auf Airbnb und anderen Übernachtungsplattformen unterwegs ist, stellt schnell fest, dass das Angebot fließend geworden ist. Vor allem kleine Hotels und Ferienwohnungsanbieter bieten einzelne Zimmer und Unterkünfte sowohl auf Booking.com als auch auf Airbnb an. Preislich macht es keinen Unterschied. Spricht man mit den Gastgebern, so wird schnell klar, dass Airbnb die Nase vorn hat. Jeder potentielle Gast hat auf Airbnb ein Profil mit umfangreichen persönlichen Daten. Die Einlogg-Funktion über Facebook öffnet gleich auch die private Welt. Und: Der Gast hat eine Historie, denn er wurde von seinen vorherigen Gastgebern bewertet.

Fragt sich, ob die Airbnb-Gastgeber-Idee bei diesen neuen Entwicklungen noch bestehen bleibt. Was passiert, wenn ein Gast das Zimmer „Sonnenaufgang“ gebucht hat, in der Annahme in einem Privathaus unterzukommen, und dann in einem Hotel landet? Was sagt die Familie, die glaubt, eine Ferienwohnung unter Einheimischen gebucht zu haben, wenn sie plötzlich in einer großen Ferienwohnanlage landet? All das passiert gerade schon. Man darf gespannt sein, wie die Gäste-Gemeinde darauf reagiert und vor allem, wie Airbnb damit umgeht.

Sicher ist, das Angebot sucht sich seinen Weg zum Gast. Und wer weiß, wie viele Hotels, die heute über TUI.com gebucht werden können, auch schon auf Airbnb um Gäste werben? Die Zielgruppe der smarten, liquiden, modernen Reisenden haben TUI und Airbnb gemeinsam. Was wäre wenn…Joussen irrt?

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Beate Zwermann ist seit 2007 als externe Pressesprecherin für Amadeus Germany, die Amadeus IT Group Madrid und seit 2013 auch für Traveltainment unterwegs. Die gelernte Journalistin bringt es auf 25…
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