Von Wespen & Schmeissfliegen

07.09.2017  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Beate Zwermann

Amadeus Blog: Experten schätzen, dass schon im nächsten Jahr in Deutschland über 500.000 Drohnen fliegen werden, die überwiegende Mehrheit davon Kameradrohnen. Ab 1. Oktober 2017 verschärfen sich die Regeln zur Nutzung dieser „Flieg-Dinger“. Sind sie noch zu stoppen?

Früher waren mir Wespen einfach nur lästig. Heute sind sie mir suspekt. Auch Schmeißfliegen waren nie meine Lieblinge; seit ich aber das Buch Drohnenland von Tom Hillenbrand gelesen habe, packt mich beim Anblick dieser schwarzgelben Kreaturen der Horror. Dabei beruhigt mich nicht, dass Drohnen heute noch ziemlich groß sind und eher wie überdimensionale Kraken als wie Wespen oder Fliegen aussehen.

Für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es schon ahnen: Drohnen sind darin in Wespen und Fliegen eingebaut. Sie filmen unser ganzes Leben. Es wird in Giga-Clouds gespeichert. Und – das ist der Clou – es kann später manipuliert werden. Könnte mir aktuell jemand sagen, ob diese Art von Drohnen uns schon umsummen und uns überwachen? Wahrscheinlich nicht.

Deshalb bleibe ich heute noch relativ entspannt, wenn ich im Café Hauptwache sitze und eine sichtbare Drohne das Geschehen auf dem Platz filmt. Auch hätte ich nichts gegen Lieferdrohnen, die Pizza ausliefern, wie das neuerdings in Island der Fall ist; unsere Straßen sind eh schon viel zu verstopft.

Klare Regeln für den Betrieb von Drohnen

Klar, für diese Art der Dienstleistung braucht die Drohne eine gewisse Dimension. Und da wohl schon bald über 500.000 Drohnen in Deutschland den Himmel bevölkern, benötigen wir dafür Regeln, quasi einen Führerschein. Auch das gibt es ja schon. Zum 1. Oktober 2017 treten verschärfte Regeln in Kraft, die zum Beispiel einen Drohnenführerschein für alle Drohnen über zwei Kilo vorschreiben. Drohnen, schwerer als 250 Gramm, brauchen ein Namensschild. Aus voyeuristischer Sicht finde ich die Regulierungen ärgerlich. Letztlich könnte man jetzt fast alles sehen, ohne selbst gesehen zu werden.

In Schweden sind Kamera-Drohnen übrigens bereits gänzlich verboten. Vielleicht revidieren sie dieses Verbot aber bald wieder, wenn sie feststellen, dass die Touristenzahlen zurückgehen. Es könnte doch gut sein, dass wir alle bald auf Reisen neben Smartphone, Tablet & Kamera auch noch unsere Kameradrohne im Gepäck haben. Nur dann haben wir wirklich das perfekte Video unseres Urlaubs in der Tasche.

Ich sehe sie schon vor mir, die Drohne-Selfie-Fans, wie sie durch die Landschaften und über Plätze flanieren, sich immer der Tatsache bewusst, gefilmt zu werden. Ein ganz neues Erlebnisgefühl – finden Sie nicht? Vielleicht sollte man das Urlaubsziel in Zukunft von den Drohnengesetzen abhängig machen. Das trennt dann die Spreu vom Weizen. Eingefleischte Drohnenfans fahren nur noch in Länder und Gebiete, wo es keine Gesetze diesbezüglich gibt.

Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich finde Lieferdrohnen prinzipiell gut und Kameradrohnen haben vor allem für Reisen auch ihren Reiz. Überwachungsdrohnen im Gewand von Wespen und Schmeißfliegen allerdings gehen mir zu weit. Davor sicher ist man dann vielleicht künftig nur noch in Schweden. Oder auf den Galapagos-Inseln, wo man derzeit Wespen und Schmeißfliegen als eingeführte, schädliche Arten ausrottet.

Über den Autor

Beate Zwermann ist seit 2007 als externe Pressesprecherin für Amadeus Germany, die Amadeus IT Group Madrid und seit 2013 auch für Traveltainment unterwegs. Die gelernte Journalistin bringt es auf 25…
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