Von Lastwagen und Dialekten

24.05.2016  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Dr. Oliver Rengelshausen

Amadeus Blog: Die Metapher der „Datenautobahn“ ist ein Kind der 90er-Jahre und schon deshalb überholt, weil man niemandem mehr bildhaft erklären muss, was das Internet ist.

Dazu kommt: Die Analogie der Lastwagen, die gigantische Mengen von Datensätzen auf diesen Autobahnen transportieren, trifft nicht mehr zu. Im Mittelpunkt steht weniger die freie Fahrt für freie Daten als die intelligente Verkehrsvermeidung.

Denn auch die elektronischen Autobahnen können überlastet sein. Die Datenverantwortliche eines großen Reiseveranstalters hat vor kurzem vorgerechnet, dass sie noch vor wenigen Jahren pro Hotel mehr als 14 Din-A4-Seiten Datensätze an Traveltainment geliefert hat. Dann geht es für alle nur noch langsam voran. Der Irrsinn in Sachen Datenlieferungen hat eine Zahl: 50 Milliarden. So viele Angebote gibt es täglich im Traveltainment-System. Damit könnte man die Weltbevölkerung täglich viermal in den Urlaub schicken.

Deshalb ist es im Interesse der gesamten Reisebranche weltweit, dass sich die neuen Datenformate durchsetzen, die die Datensätze für den Transport komprimieren. Bei allem, was zum Beispiel im OTDS-Format ausgeliefert wird, erhält Traveltainment erst einmal nur Grunddaten – plus Regeln, die das Produkt erst bei einer Suchanfrage ausmultiplizieren und tatsächlich erschaffen. Das spart unglaublich viel Platz. So gesehen hat die Datenverantwortliche ihren Reiseveranstalter zum Flitzer gemacht, der die Lastwagen-Fahrer mehrmals am Tag überholt.

Noch immer folgen nicht alle Reiseanbieter diesem Beispiel, sondern dem Prinzip, jedes mögliche Produkt fertig ausformuliert bereit zu stellen. Natürlich ist das unternehmerisch legitim, aber für alle Beteiligten wirtschaftlich nicht sinnvoll. Es stellt auch die elektronischen B2B/B2C-Marktplätze in der Touristik vor große Herausforderungen. Sie müssen alle Formatsprachen erkennen, verarbeiten und eventuell nach eigenen Kriterien strukturieren können.

Bei Traveltainment sprechen wir in diesem Zusammenhang von den „data-agnostischen“ Fähigkeiten unserer Systeme. Nicht wir bestimmen, in welcher Form die Reiseanbieter ihre Produkte anliefern. Wir garantieren aber, dass wir sie lesen können.

Das ist eine enorme Leistung und gilt gleichermaßen auch für die zahlreichen Dialekte. Das Datenformat KATI zum Beispiel wurde über die Jahre in den diversen eigenen IT-Lösungen der Reiseveranstalter leicht unterschiedlich entwickelt – wie ein Dialekt. Wir übersetzen diese Varianten quasi wieder ins Hochdeutsche, damit die Daten gesucht, gefunden und verglichen werden können.

Diese Arbeit ist inzwischen schlicht unnötig. Traveltainment setzt sich deshalb für die Umstellung der Anlieferung auf das OTDS-Format ein. Alle Daten sind drin, aber komprimiert, und sie werden nur im Anfragefall zu Produkten ausmultipliziert.

Wer so anliefert, kann gerne noch weitere Milliarden Angebote erschaffen! Solange sie schlummern, wenn sie nicht gesucht werden, diskutieren wir auch nicht mit dem Anbieter darüber, ob sie sinnvoll sind. Versprochen.

Über den Autor

Dr. Oliver Rengelshausen ist seit Mai 2018 Sales Director Online und für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz im Bereich Travel Channels von Amadeus zuständig. In dieser Funktion verantwortet er…
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