Von hungrigen Rechenzentren, optimierten Flugbewegungen und Treibstoff-Algorithmen

28.10.2019  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Sven Fuhrmeister

Amadeus Blog: Ob Reduzierung von Stromverbrauch und Emissionen, Entwicklung nachhaltiger IT-Lösungen oder Investition in Partnerschaften – Sven Fuhrmeister berichtet über die nächsten Schritte, die Amadeus im Engagement gegen den Klimawandel geht. Ganz aktuell hat Amadeus sich dazu verpflichtet, das Rechenzentrum künftig zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben.

Wenn Reisebüros oder Reisende nach Angeboten suchen, sie vergleichen und schließlich buchen, geht ihre Anfrage an ein Rechenzentrum. Der Stromverbrauch in Rechenzentren ist eine globale Herausforderung. Stellen Sie sich zur Veranschaulichung eine Informationsfabrik vor, die größer ist als ein Fußballfeld, wo Tarifkombinationen für verschiedene Fluggesellschaften auf Tausenden von Festplatten gespeichert sind, die in Reihen auf Reihen gestapelt sind, umgeben von einem komplizierten Netz aus Rohren und Ventilatoren zur Kühlung.

Dasselbe passiert auch, wenn wir unsere Reisefotos in der Cloud speichern oder Hunderte von nicht gelöschten E-Mails in unserem Posteingang aufbewahren. All diese Daten „leben“ irgendwo und verbrauchen Energie.

Rechenzentren als immer hungriger werdende Energiefresser

Die Rechenzentren der Welt verbrauchen schätzungsweise rund 200 Terawattstunden (TWh) pro Jahr und werden zu einem der größten Energieverbraucher der Welt – sie übertreffen sogar den Energieverbrauch ganzer Länder. In einem Update einer Peer-Review-Studie aus dem Jahr 2016 stellte der schwedische Forscher Anders Andrae fest, dass die Industrie der Informations- und Kommunikationstechnologie ohne dramatische Effizienzsteigerungen bis 2025 bis zu 20,7 Prozent des gesamten Stroms verbrauchen könnte.

Der Energieverbrauch unseres Rechenzentrums ist das größte Element der Umweltbelastung von Amadeus und macht mehr als 50 Prozent unseres gesamten Energieverbrauchs und unserer CO2-Emissionen weltweit aus.

Arbeiten am ökologischen Fußabdruck

Im Jahr 2015 haben wir uns verpflichtet, die globalen CO2-Emissionen des Unternehmens auf dem Niveau von 2014 einzufrieren. Der erste Schritt bei der Bewältigung der ökologischen Nachhaltigkeit besteht darin, die Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit zu verstehen und eine Unternehmenskultur zu fördern, die unseren ökologischen Fußabdruck so weit wie möglich reduziert.

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, arbeiten wir in drei Bereichen:

  1. 100 Prozent erneuerbare Energie in unserem Rechenzentrum

Die erste Säule unserer Strategie ist die Verbesserung der Umweltleistung. Dazu werden wir künftig zu 100 Prozent Energien nutzen, die erneuerbar sind. Dies wird durch den Kauf von Herkunftsnachweisen erreicht. Außerdem werden wir die Freisetzung von Emissionen reduzieren. Bislang hat Amadeus den CO2-Ausgleich aus dem CDM-Programm (Clean Development Mechanism) der Vereinten Nationen als Hauptmaßnahme zur Emissionsreduzierung genutzt. CDM-Projekte umfassen beispielsweise ein ländliches Elektrifizierungsprojekt mit Solarmodulen oder die Installation energieeffizienterer Heizkessel. Seit 2015 hat Amadeus auf diese Weise mehr als 32.000 Tonnen CO2 kompensiert. Durch den Einsatz von Herkunftsnachweisen erwarten wir, dass wir unsere CO2-Emissionen unternehmensweit um rund 50 % reduzieren.

Doch Hand aufs Herz: Aufgrund unseres Unternehmenswachstums und des hohen Transaktionsvolumens der letzten Jahre haben unsere jüngsten Verbesserungen noch keine Gesamtreduktion von Energie oder Emissionen erreicht. In jedem Fall wir gehen in die richtige Richtung: 2010 wurde das Rechenzentrum Amadeus vom TÜV SÜD als energieeffizient zertifiziert. Diese Zertifizierung wurde erneuert und ist bis Dezember 2021 gültig.

Die Energieeffizienz in unserem Rechenzentrum hat für Amadeus höchste Priorität. Doch wir wissen, dass noch mehr getan werden muss.

  1. Unterstützung unserer Kunden durch nachhaltige IT-Lösungen

Der zweite Schritt unserer Strategie ist die Weiterentwicklung von IT-Lösungen, die unseren Kunden helfen, ihre Auswirkungen auf den Klimawandel zu reduzieren, indem sie ihre betriebliche und ökologische Effizienz verbessern.

Erstes Beispiel: Der Amadeus Airport Sequence Manager ermöglicht eine verbesserte Planung der Flugzeugbewegungen auf Start- und Landebahnen und hilft Flughäfen und Fluggesellschaften, ihre Umweltbelastung zu reduzieren. Die Zeit, die Flugzeuge auf der Start- und Landebahn verbringen, wird minimiert. Wenn solche Lösungen auf den großen Flughäfen der europäischen zivilen Luftfahrt umgesetzt werden, schätzt die Europäische Union die Einsparungen bei den Treibstoffkosten auf über 120 Millionen Euro und die Reduzierung der CO2-Emissionen auf mehr als 250.000 Tonnen.

Zweites Beispiel: Altéa Departure Control-Flight Management unterstützt Airlines dabei, den Treibstoffbedarf für einen bestimmten Flug anhand ausgefeilter Algorithmen und historischer Daten genau zu schätzen. Die genaue Schätzung des Gewichts des Flugzeugs vor dem Beladen mit Treibstoff ermöglicht erhebliche Einsparungen bei Emissionen und wirtschaftlichen Kosten.

In einer Studie, die Amadeus in Zusammenarbeit mit Finnair durchgeführt hat, wurden mehr als 40.000 Flüge analysiert. Das Ergebnis: Eine mittelständische Fluggesellschaft kann mindestens 100 Tonnen Treibstoff und mehr als 315 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr einsparen. Unter der Annahme, dass alle unsere Kunden, die diese Flugmanagementlösung einsetzen, ein ähnliches Einsparungsniveau erreichen, würde die Menge der reduzierten CO2-Emissionen die Gesamtemissionen im Zusammenhang mit dem Betrieb von Amadeus übersteigen.

  1. Zusammenarbeit in Partnerschaften mit Interessengruppen der Branche für langfristige Nachhaltigkeit

Letztendlich kann langfristige Nachhaltigkeit nur erreicht werden, wenn alle Beteiligten der Branche auf dieses gemeinsame Ziel hinarbeiten. Aus diesem Grund ist die dritte Säule unserer Strategie der ökologischen Nachhaltigkeit die Identifizierung und Beteiligung an gemeinsamen Industrieprojekten.

Wir arbeiten mit Institutionen wie dem World Travel and Tourism Council und akademischen Institutionen wie der Griffith University in Australien zusammen. Amadeus ist auch an der Produktion und Wartung des Global Sustainable Tourism Dashboard beteiligt, das in Zusammenarbeit mit der University of Surrey in Großbritannien und dem Griffith Institute for Tourism entwickelt wurde, zu dem Amadeus durch den Austausch aggregierter Reisedaten beigetragen hat. Das Global Sustainable Tourism Dashboard bietet einen umfassenden Einblick, wie der Reisesektor zu den wichtigsten Nachhaltigkeitszielen beiträgt. Darüber hinaus trat Amadeus dem Versprechen der Vereinten Nationen zur Klimaneutralität bei und verpflichtete sich, klimaneutral zu werden und unseren Beitrag zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens zu leisten.

Index für Nachhaltigkeit

Als Zeichen dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wurde Amadeus 2012 erstmals in den Dow Jones Sustainability Index (DJSI) aufgenommen. Der DJSI bewertet die Nachhaltigkeitspraktiken von Unternehmen in Bezug auf ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte. Ungefähr 10 Prozent der Top-Scorer jedes Wirtschaftszweigs treten in den Index ein. Amadeus ist seit 2012 seit acht Jahren in Folge im DJSI vertreten.

Die im September 2019 veröffentlichten DJSI-Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Bewertung: Amadeus hat die maximale Punktzahl von 100 Punkten erreicht. Weitere Bereiche, in denen Amadeus eine Punktzahl von 90 oder mehr erreicht hat, sind Customer-Relationship-Management, operative Ökoeffizienz, Klimastrategie sowie Corporate Citizenship und Philanthropie.

 

Weitere Informationen

In unserem Global Report erfahren Sie mehr darüber, wie Amadeus in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit voranschreitet.

Über den Autor

Sven Fuhrmeister arbeitet seit 2015 bei Amadeus und ist seit 2019 als General Manager der Amadeus Data Processing (ADP) GmbH und als COO der Technology, Platforms & Engineering (TPE) Entity…
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