Von faszinierenden Suppen, nackten Oberkörpern und Portemonaise

14.09.2016  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Juliane Siekmann

Amadeus Blog: Eine Redakteurin aus dem Traveltainment Reviews Team plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen: Was Hotelbewertungen verraten, warum Authentizität Trumpf ist – und welche Lieblings-Stilblüten Juliane Siekmann im Lauf der Zeit gesammelt hat.

Was bewertet ein Urlauber eigentlich, wenn er nach der Reise einen Fragebogen zu seinem Hotel ausfüllt? Ob das Zimmer sauber genug war? Das Essen ausreichend und lecker? Der Pool groß genug? Ja und auch wieder nein. Nach fast 10 Jahren Erfahrung mit Hotelbewertungen kann ich sagen, dass die meisten Urlauber vor allem bewerten, wie sehr ihre Erwartungen an das Hotel, das Essen und die Erholung erfüllt wurden. Wer von einem Sparpreiszimmer im Dreisterne-Hotel einen Fünfsterne-Urlaub erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Wer mit wenig Erwartungen und offenem Herzen in einem familiengeführten Hotel mit zwei Sternen unterkommt, wird unter Umständen von der persönlichen Betreuung und dem liebevollen Service schwärmen.

So verraten die Hotelbewertungen, die Traveltainment seit fast 10 Jahren im Auftrag der Partnerportale und -reisebüros sammelt, nicht nur einiges über die Hotels, sondern immer auch ein bisschen über den Reisenden selbst. Deshalb war es Traveltainment von Anfang an wichtig, die Bewertungen authentisch so zu veröffentlichen, wie sie abgegeben werden. Ohne Korrekturen oder Verbesserungen. Auch wenn man „Pfleg“ oder „resturang“ schon mal laut lesen muss, um zu verstehen, was gemeint ist.

Denn tatsächlich wurde von Anfang an jede einzelne Bewertung von der internen Redaktion gelesen und geprüft – aber nicht auf Rechtschreibschwächen, sondern auf mögliche rassistische, diskriminierende oder verleumderische Inhalte. Was aber zum Glück nicht allzu häufig vorkommt und wir deshalb äußerst selten Textpassagen entfernen müssen. Aber oft habe ich bei der Freigabe geschmunzelt, wenn neue Wörter wie „Pirattenschiff“, „Pannierte Gordonbloe Schnitzel“ oder „Portemonaise“ kreiert wurden. Überhaupt ist die Kreativität der Reisenden (ob gewollt oder unfreiwillig) schier unerschöpflich, und die eine oder andere Stilblüte haben meine Kolleginnen und ich gesammelt (meine persönliche Favoritenliste habe ich weiter unten zusammengestellt). Hin und wieder durften wir sogar an mehr als nur an einem Urlaub teilhaben. Wir erfuhren, dass Singles sich neu verliebten, Eheleute sich trennten, süße Geheimnisse verraten wurden und eine Menge über die Vorlieben und Abneigungen der Urlauber. Ob sie nun mit der Natur haderten („Abzüge nur für Ebbe und Flut!“), mit dem Mobiliar („Man sollte als Paar etwas Draht für die Pfosten mitnehmen, um die Betten beieinander zu halten.“) oder dem Service-Personal („Ein falsches Wort zum Kellner und die ganze Freundlichkeit ist dahin… Aber keine Ahnung, was das falsche Wort war…“).

Mancher Ehefrieden war gefährdet („Gottseidank hat meine Frau mir verziehen, dass ich das Hotel ausgesucht habe. Ihre Gewaltandrohungen haben mich nicht mehr schlafen lassen.“), und Eltern waren auf einmal gezwungen, 24 Stunden am Tag mit ihrem Kind zu verbringen: „Keine Betreuungsmöglichkeit für Kinder, auch gegen Bezahlung. Wir mussten immer auf unser Kind aufpassen und das war anstrengend.“ Da hat Glück, wessen Kinder sich selbst beschäftigen können: „Kinder können ggf. mit den Kellerasseln Murmel spielen oder mit dem Aufzug auf und ab fahren (wenn er mal funktioniert). Das war‘s auch schon.“

Zehntausende Bewertungen hat jede Traveltainment-Redakteurin in den letzten Jahren gelesen – natürlich besonders viele von beliebten Ferienanlagen am Mittelmeer, aber auch von romantischen Stadthotels und durchgestylten Designerhotels. Ob ich meinen Favoriten gefunden habe? Klar. Welche das sind, wird allerdings nicht verraten. 😉

Aber Tipps für die Suche nach dem optimalen Hotel gebe ich gerne weiter: Gerade wenn es besonders viele Bewertungen zu einem Hotel gibt, lohnt es sich, nach den Eindrücken zu filtern, die von ähnlichen Reisenden (ob als Familie, Single oder Paar unterwegs) abgegeben wurden oder den gleichen Reisezeitraum bewerten (der Eindruck kann in der Hauptsaison ein ganz anderer sein als in der Nebensaison). Außerdem sollten Sie überlegen, welche Rubriken Ihnen mehr und welche weniger wichtig sind, ob Sie mehr Wert auf ein gutes Essen oder auf einen großen Pool legen. Und die Weiterempfehlungsrate sagt oft mehr aus als die Durchschnittsnote.

 

Meine Lieblings-Stilblüten:

  • Tolle Geschichte. Fühlte mich zu jung für einen Ostsee-Urlaub und muss jetzt meine Meinung revidieren.
  • Wer es aber wagt, nach 21 Uhr heimlich ins Wasser zu schleichen, um ein paar kühlende Bahnen zu schwimmen, der sollte sich nicht erwischen lassen. Wenn doch, kann man den Hotelbetreiber mal so richtig kennen lernen :-). Riesenanschiss und sofort aus dem Wasser raus. Die Zuschauer dieses Schauspiels kichern sich auf ihren Balkonen eins ab. Besser als jede Animation.
  • Das Frühstück wird unten im Keller serviert (…), in dem die Tische so dicht nebeneinander stehen, dass man seinem Tischnachbarn ohne Probleme ins Ei spucken kann. Doch Vorsicht! Er kann ebenso leicht zurückspucken…
  • Ein Satz noch zur Animation: Diese Truppe hat sich dauernd mit freiem Oberkörper präsentiert, um anscheinend irgendwelchen Mädels zu imponieren. Das ist auf den ersten Blick nicht schlimm, aber mit deren Figuren bekommen die eher bei RTL einen Spendenmarathon als ein Mädchen.
  • Es sieht zwar alles so aus wie auf den Fotos, nur ist es leider auch maximal so groß wie auf den Fotos…
  • Fasziniert hat mich die Suppe – die habe ich auch zwei Wochen lang zwei Mal am Tag gegessen, weil ich nicht glauben konnte, dass so viele verschiedene Suppen so identisch schmecken können.
  • Die ins braunlackierte Sperrholz des Bettrahmens geschnitzten Fresken zeugen von Hunderten toller Urlaubserlebnisse und liefern spannende Lektüre vor dem Einschlafen.
  • Allerdings war der „Grease“ Abend schon ziemlich „greaselich“, was aber hauptsächlich an einem Sänger lag, der mehr Zeit mit seinem Lockeneisen als beim Gesangslehrer verbracht haben muss… 😉
  • Abendgarderobe ist überhaupt nicht nötig, habe ich einmal gemacht und sah besser aus als der Hoteldirektor. Flipflops und Shorts reichen.

Lesetipp: „Die Macht der Bewertung“ – Top-Story im Amadeus Magazin 4/16

Über den Autor

16 Jahre lang leitete Juliane Siekmann die interne Reiseredaktion der Amadeus Tochter Traveltainment und baute mit ihrem Team einen umfangreichen Bestand an Reiseinformationen für Urlauber auf, der über die Internet…
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