Von Autobahnen und Staffelläufern

11.08.2015  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Klaus-Jürgen Kroner

Amadeus Blog: Warum stehen wir im Stau? Warum blockiert ein System? Und was hat das mit Arbeitsorganisation zu tun? Diese Fragen sind Teil der Philosophie rund um die „schlanke“ agile Software-Entwicklung und lassen sich auf etliche Gebiete unseres täglichen Lebens übertragen.

Auf der Autobahn fließt der Verkehr dann, wenn sie nicht komplett gefüllt ist und noch besser, wenn alle eine gemeinsame Geschwindigkeit fahren – nur so erreichen wir einen hohen Durchsatz. Im übertragenen Sinn heißt das: Wenn wir parallel an zu vielen einzelnen Projekten arbeiten, geraten diese leicht ins Stocken. Bei der agilen Software-Entwicklung fokussiert sich ein stabiles Team auf ein gemeinsames Thema.

Ein weiteres Beispiel: Der Staffellauf. Wie – da läuft einer, und alle anderen stehen rum? Effizienz-gepolte Betrachter denken schnell an Verschwendung, doch das Gegenteil ist der Fall: Würden die „Rumsteher“ jetzt die Zeit nutzen für eigene Sit-Ups, Kniebeugen, Schnell-mal-in-die-What’s-App-Gruppe-simsen oder diesen super wichtigen Artikel lesen, wären sie eben nicht mehr konzentriert auf den Staffellauf. Liegt der Fokus aber auf diesem einen Projekt, begleiten alle Beteiligten den Prozess und treiben ihn gemeinsam voran: Der nächste in der Reihe läuft ein Stück mit dem Läufer, der den Stab übergibt. Das gesamte Team motiviert sich gegenseitig, unterstützt den Läufer mental und agiert absolut koordiniert. Fällt jemand aus, gibt es sofort Ersatz, denn alle sind jederzeit aufgegleist und können einspringen. Alle haben immer das eine, das große Ziel vor Augen – den Sieg. Ein Ziel, das sie nur gemeinsam erreichen können. Das Team erreicht eine hohe Effektivität, sie arbeiten gemeinsam am wichtigsten Thema, die Staffel möglichst schnell ins Ziel zu bringen.

Wenn wir diese Ideen wieder übertragen, kann das bedeuten: Unser kleinteiliger Schreibtisch mit den gefühlten 1001 Projekten behindert uns. Wir bekommen Dinge nicht fertig, weil wir ständig hin- und herrennen. Auch ein Mitarbeiter, der nicht zu 100 Prozent beschäftigt ist, kann für den Gesamtprozess und für den „Durchfluss“ unseres Hauptprojektes sinnvoll sein. Kaum zu glauben, aber wahr!

Vor diesem Hintergrund erscheint das immer wieder hervorgehobene effiziente Arbeiten in einem anderen Licht. Bei Amadeus durchströmt dieses neue Licht zurzeit die Bereiche Research & Development. Wir leben die agilen Ideen immer stärker und wollen in den nächsten Jahren 70 Prozent unserer Produkte im agilen Modus entwickeln und so auch Kundenprojekte (bei denen übrigens der Kunde einer der „Staffelläufer“ ist!) intensiv. Ich selbst bin ein absoluter Verfechter der zugrunde liegenden Werte und Prinzipien – ein System der Übereffizienz blockiert sich irgendwann selbst und verhindert Innovationen. Diesen Gedanken möchte ich weitertragen – vielleicht laufen Sie ein Stück mit mir mit und übernehmen den Stab?

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Die Metaphern finden Sie u.a. hier wieder:

Über den Autor

Klaus-Jürgen Kroner (geb. 1967), ein erfahrener ScrumMaster, ist bei Amadeus als agiler Site Koordinator in die weltweite agile Transformation eingebunden. Zu seiner Tätigkeit gehört hierbei u.a. die Vorbereitung und Begleitung…
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