Vom Reiz der digitalen Geldbörsen

04.12.2018  /  5 Minuten Lesezeit

Wie immer neue Zahlungsmöglichkeiten auch den Reisevertrieb beeinflussen

Wie wir bezahlen, wird sich in den kommenden Jahren gravierend ändern: Der Zahlvorgang muss schnell, bequem und sicher sein. Das gilt auch fürs Reisen – bei der Buchung im Reisebüro ebenso wie unterwegs. Die Zahlungssysteme der Tourismusbranche stehen vor einem Wandel. In Seattle hat Internetriese Amazon jüngst der Öffentlichkeit seine Version der Supermarkt-Kasse präsentiert: Es gibt sie schlicht und ergreifend nicht. In den „Amazon Go“-Shops identifizieren sich Kunden per App, nehmen Waren aus den Regalen und gehen wieder. Beim Verlassen des Shops werden die Einkäufe automatisch vom Amazon-Pay-Konto abgebucht, ohne dass das Handy aus der Hosentasche muss.

Datenschützer im Stress

Ob es derlei Shops jemals in Europa geben wird, scheint fraglich. Angesichts der über Kameras und Sensoren gesammelten Informationen schlagen Datenschützer die Hände über dem Kopf zusammen. Doch Amazon Go demonstriert, wie das Bezahlen, das ja ein zwangsläufiger Bestandteil jedes Einkaufs ist, künftig organisiert werden kann: Es passiert einfach, ohne dass der Kunde irgendwie damit behelligt wird.

Bezahlvorgang wird quasi unsichtbar

Den Kunden das Bezahlen angenehmer zu machen oder ganz abzunehmen – darum dreht sich denn auch ein Großteil der aktuellen Bemühungen des Bezahlsektors. Ob Selbstscan-Kassen bei Rewe und Ikea, EC- und Kreditkarten mit Funkchips, die nur noch aufs Terminal gehalten werden müssen, oder die neuen Bezahl-Apps von Amazon, Google und heimischen
Banken. Bequemlichkeit wird immer mehr zum A & O des Bezahlens, das zeigt allein die Erfolgsgeschichte von Paypal. Das System ist deshalb zur führenden Bezahloption im Online-Handel geworden, weil es sofort und ohne Eingabe von IBANs, PINs oder TANs auszahlt.

Convience als neue Währung

Das ist in der Reisebranche nicht anders, auch hier wird „Convenience“ zur neuen Währung. Vor allem beim Bezahlen im Internet kenne der Verbraucher „kein Pardon“, sagt etwa Christian Meissner, Director E-Distribution der Deutschen Hospitality, zu der Steigenberger und Intercity Hotels gehören. „Einfach, sicher und schnell“ müsse es sein. Und so akzeptiert auch Steigenberger beispielsweise Paypal, Klarna oder das niederländische I-Deal. Kunden von H-Hotels können ihre Übernachtung schon länger über Amazon bezahlen. Kürzlich hat der Mietwagenbroker Sunny Cars Amazon Pay als sechste Zahlungsoption ergänzt. Google Pay wird bereits von Ryanair, Flixbus und dem Vermittler Hotel Tonight akzeptiert. Das Eventnetzwerk Xing oder die Flughafen-Shops in Frankfurt und München akzeptieren neuerdings die chinesischen Bezahl-Apps Alipay und WePay.

Blick nach China

Der Blick nach China liefert einen Vorgeschmack auf das Bezahlen der Zukunft: In der Volksrepublik hat die Handy-Bezahlung über Alipay und den Messenger WeChat das Bargeld verdrängt. Aber auch Schweden zahlen zunehmend per Handy über ihre Banken-App Swish. Vielerorts wird schon gar kein Bargeld mehr angenommen. In der Reisebranche indes, die so international ist wie kaum eine andere, ist Bargeld schon länger kein Thema mehr. Benötigt wird es unterwegs allenfalls noch im Taxi, Restaurant oder für das Trinkgeld an den Koffer-Boy. Flüge, Hotels oder Mietwagen werden klassischerweise per Kreditkarte oder direkt vom Bankkonto bezahlt. Bis jetzt. Denn auch hier geht es offenbar noch bequemer.

Payments-Studie

Dazu hat Amadeus 78 Cash-Manager von Airlines, Hotels, Autovermietern und anderen Reiseanbietern befragt. Das Ergebnis der Payments-Studie: 95 Prozent werden in nächster Zeit neue Bezahloptionen einführen. Und zwar hauptsächlich, weil ihre Kunden dies erwarten (91 Prozent) oder sie ansonsten den Verlust von Kunden fürchten (83 Prozent). „Die Nachfrage wird vor allem von Konsumenten getrieben, die attraktivere Zahlungsmethoden suchen“, bestätigt André Siegert, Global Director of Hotel Finance and Accounting der Hotelkette Kempinski. Im Schnitt bieten die befragten Reiseanbieter heute neun Bezahloptionen an, darunter viele lokale – und drei mehr als noch vor fünf Jahren.

Bezahlung als Kostenfaktor für Unternehmen

Wobei das Bezahlen nicht nur eine Kunden-, sondern auch eine Kostenseite hat. Denn im Schnitt geben Reiseanbieter ganze 5,4 Prozent ihres Umsatzes für das Zahlungsmanagement aus, hat die Payments-Studie ermittelt, etwa für Kreditkartengebühren und sonstige Abwicklungskosten. Bei kleineren Unternehmen wie Reisebüros sind es sogar bis zu sieben Prozent. Weltweit ein geschätzter Gesamtbetrag von knapp 75 Milliarden US-Dollar, den die Anbieter gerne reduzieren würden.

Reisebranche am Wendepunkt

Neue Bezahloptionen bergen diese Hoffnung: Insgesamt 36 Prozent der in der Studie befragten Reiseunternehmen sind davon überzeugt, durch Innovationen ihre Kosten reduzieren zu können. Wobei allerdings gleichzeitig die stetig wachsende Zahl der Möglichkeiten die Komplexität erhöht. Die Reisebranche steht somit an einem Wendepunkt, konstatiert die Studie. Die Anbieter seien bereit, innovative Systeme zu implementieren, die nicht nur globale Kreditkarten oder Cyberwallets unterstützten, sondern auch Hunderte weiterer, oft lokaler Zahlungsmethoden. Oder wie Kempinski-Manager Siegert es ausdrückt: Vor allem Kreditkartenanbieter hätten sich bislang auf ihrer Marktmacht ausruhen können, ohne innovativ werden zu müssen. Doch nun habe ein unumkehrbarer Wandel begonnen.

Milliarden für neue Finanzdienste

Das bestätigen die Zahlen: Tausende sogenannter Fintechs, Start-ups im Finanzsektor, haben in den vergangenen Jahren 60 Milliarden US-Dollar Risikokapital eingesammelt, nur um neue Dienste zum Bezahlen von Waren und Dienstleistungen zu entwickeln. Warum sollten künftig Messenger wie WhatsApp oder Telegram nicht ebenfalls bequemes Bezahlen anbieten? Oder warum sollten Amazon und Co nicht irgendwann selbst zur Bank werden, statt nur Bezahlvorgänge zu Banken und Kreditkartenanbietern abzuwickeln? Das Rennen um die besten Bezahlmethoden scheint erst begonnen zu haben. Und dabei dürfte der Bezahlprozess nicht mehr nur als notwendiger – vielleicht auch teurer und lästiger – Bestandteil jedes Kaufvorgangs gesehen werden, sondern – wie Hotelmanager Meissner es sieht – als „fester Bestandteil der Vertriebsstrategie“. Will heißen, die Kunden in unterschiedlichen Märkten und Kanälen werden auch beim Bezahlen genau dort abgeholt, wo sie üblicherweise unterwegs sind.

 

Amadeus Payment Platform

Über die Lösungen von Amadeus Travel Payments können Reisebüros, Fluggesellschaften, Reiseveranstalter und Anbieter aller Art ihre Zahlungen abwickeln. Als virtuelle Kartenlösung steht Amadeus B2B Wallet für die sichere und flexible Zahlung zwischen Reisevertrieb und Leistungsträgern zur Verfügung. Die Amadeus Payment Platform unterstützt Fluggesellschaften dabei, ihre Einnahmen gegen Betrug zu schützen, den Umsatz zu steigern und Kosten für die Zahlungsabwicklung zu reduzieren. Alle Lösungen sind voll in die Verkaufs- und Buchungsprozesse integriert.

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