„Verantwortung für das eigene Handeln gefragt“

15.01.2018  /  2 Minuten Lesezeit

Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Schlagwort. Sie ist eine Lebenseinstellung.

Porträtbild Claudia Brözel
Claudia C. Brözel ist seit 2012 Professorin für Tourismusmarketing und Management an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Zudem war sie Mitgründerin und Präsidentin des Verbandes Internet Reisevertrieb (VIR).

Amadeus Magazin: Nachhaltigkeit – ist das ein Thema im Reisebüro?

Claudia Brözel: Das ist nicht nur ein Thema, sondern eine Haltung: Es geht darum, fair, ökologisch, sozial und wirtschaftlich tragbar miteinander umzugehen, um unsere Erde und unsere Ressourcen zu erhalten. Insofern ist die Beschäftigung mit der Idee der Nachhaltigkeit etwas für alle, auch für Reisebüros.

Amadeus Magazin: Wie wichtig ist es, sich da Wissen anzueignen?

Brözel: Wenn Reisebüro-Mitarbeiter die Zusammenhänge verstehen, können sie ihr Handeln gegebenenfalls anpassen. Ein Beispiel: Ich habe, gemeinsam mit einem Kriminalhauptkommissar, ECPAT-Schulungen zum Thema „Kommerzieller sexueller Missbrauch begünstigt durch die Reisebranche“ angeboten. Es haben einige Reisebüro-Mitarbeiter teilgenommen, die uns berichteten, dass Kunden gezielt nach „Angeboten“ mit Kindern fragten. Die Expedienten waren oft überfordert, weil sie Stammkunden vor sich oder wirtschaftlichen Druck hatten. Hier ist Verantwortung für das eigene Handeln gefragt; man hat auch als Expedient die Möglichkeit, sich ein anderes Reisebüro oder einen anderen Aufgabenbereich zu suchen, um so etwas nicht zu unterstützen.

Amadeus Magazin: Was halten Sie davon, Atmosfair-Zahlungen anzubieten?

Brözel: Atmosfair ist ein komplexes Produkt, das man nur Kunden anbieten kann, die dafür offen sind zu erfahren, wie viele interessante Entwicklungen sie mit diesem Beitrag unterstützen können. Dafür ist es aber sinnvoll, dass sich die Expedienten selbst gut mit den Produkten und der Funktionsweise von Atmosfair auskennen.

Amadeus Magazin: Welche 3 Tipps könnte ich interessierten Kunden mit auf die Reise geben?

Brözel: 1.: Ein Sympathiemagazin – den etwas anderen Reiseführer. 2.: Im Abschlussgespräch Tipps geben, wie der Kunde beispielsweise Ausflüge unternehmen kann, bei denen Einheimische verdienen. 3.: Ihm dazu raten, Missstände zu melden. Etwa wild entsorgten Müll, eine schlechte Bezahlung von Hotel-Mitarbeitern oder Ähnliches. Solche Kritikpunkte kann das Reisebüro auch als Feedback sammeln und dieses zum Beispiel an den jeweiligen Veranstalter weiterleiten.

 

Informationsportale

Vorlesung „Tourismusmanagement im Spannungsfeld von Nachhaltigkeit“: va-bne.de/index.php/de/veranstaltungen/244-tourismusmanagement-im-spannungsfeld-von-nachhaltigkeit

TourismWatch – Informationsdienst zu Tourismus und Entwicklung von Brot für die Welt: tourism-watch.de

Unternehmensverantwortung – die Herausforderung für Reiseveranstalter: fairunterwegs.org/fileadmin/user_upload/Dokumente/PDF/CSR/PDF-CSRakte-gesamt-2015.pdf

Vereinigung der Reisebranche zum Schutz von Kindern gegen sexuellen Missbrauch durch Urlauber: thecode.org

Forum Anders Reisen – Zusammenschluss von Reiseveranstaltern, die sich für einen nachhaltigeren Tourismus engagieren und entsprechende Reisen anbieten: forumandersreisen.de

TourCert, die gemeinnützige Gesellschaft für Zertifizierung im Tourismus, vergibt ein CSR-Siegel (Corporate Social Responsibility) in Tourismusunternehmen: tourcert.org

GreenTravel – Online-Magazin zum Thema Reisen und Umwelt: green-travel.de

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