Umsonst ist der Tod

28.09.2017  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Beate Zwermann

Amadeus Blog: Die EU-Pauschalreise-Richtline bereitet der Reisebranche immer weiter Kopfzerbrechen. Beim FVW-Kongress 2017 in Köln bezogen die Tech-Firmen Bewotec mit Geschäftsführer Bernhard Koller, Traveltainment vertreten durch Geschäftsführer Dr. Oliver Rengelshausen und ZIEL mit Geschäftsführer Gerd Laatz öffentlich Stellung zum Projektstand, den Herausforderungen und den Kosten. Beate Zwermann fasst zusammen.

Die guten Nachrichten zuerst: Im DRV beschäftigt sich der IT-Ausschuss schon seit geraumer Zeit mit der EU-Pauschalreise-Richtlinie. Die beteiligten Tech-Firmen haben sich vorgenommen, gemeinsam zu agieren, und wollen standardisierte Schnittstellen und Entscheidungshilfen für die Reisebranche entwickeln. Und: Man ist davon überzeugt, zum Start der Richtlinie am 1. Juli 2018 eine Lösung am Start zu haben, die zumindest für 80 Prozent der Beratungsprozesse genutzt werden kann. Spezialfälle kommen später, und vieles wird noch Handarbeit sein. Ein Lösungsansatz ist laut Oliver Rengelshausen, das existierende Format Stadis um Felder zu erweitern, die Reisebüros und Veranstalter bei den Herausforderungen helfen können, die die Richtlinie mit sich bringt. Er kündigt an, mit dem Amadeus Form Wizard eine Branchenlösung zu schaffen, die für andere Marktteilnehmer lizenziert werden könne.

Einig sind sich die Tech-Firmen, dass es noch viele offene Fragen und vor allem Baustellen auf Seiten der verschiedenen Teilnehmer im Reisevertrieb gibt. Fünf Punkte wurden genannt:

1. Es ist ungeklärt, woher Visa- und Gesundheitsbestimmungen als Teil des vorgeschriebenen Beratungsprozesses zur Verfügung gestellt werden. Handelt es sich um eine Pauschalreise, kommen diese vom Veranstalter. Im Fall der verbundenen Reiseleistungen ist das Reisebüro verantwortlich und sollte im besten Fall im Beratungsprozess auf eine angeschlossene Datenbank zurückgreifen können, die zentral von einem Branchenorgan gepflegt wird. Hierfür sahen Podiumsteilnehmer den DRV und die Ketten- & Kooperationszentralen in der Pflicht.

2. Allen drei Diskutanten liegt die Haftungsfrage auf der Seele – die Frage nämlich, wer letztlich für die Erstellung der Formblätter haftet.

3. Die Datenqualität am Counter nennt ZIEL-Geschäftsführer Laatz ein Gruselkabinett. Sie sei in Zukunft grundlegend für den ordnungsgemäßen Beratungsprozess. Auch die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung spiele eine Rolle. Entscheidend sei zudem die Frage, wie das Reisebüro in Zukunft an die erforderlichen Unterschriften der Kunden komme. Elektronische Unterschriftssoftware bekommt dann wohl Hochkonjunktur.

4. Oliver Rengelshausen gibt zu bedenken, dass die Umsetzung der Richtline kein Conversionkiller werden darf, da der Buchungsprozess unterbrochen wird. Gerd Laatz meint dazu, dass die Kunden online vielfach bereiter seien, ihre Daten einzugeben, als im Reisebüro. Man müsse aufpassen, dass man die Prozesse nicht ad absurdum führe.

5. Noch keine Einigkeit herrscht bei den Tech-Firmen in Sachen Kosten. Während Bewotec-Chef Koller großzügig ankündigt, die Kosten seien mit dem Wartungsvertrag abgedeckt, hält sich Oliver Rengelshausen mit konkreten Angaben zurück und sieht Amadeus dazu noch im Findungsprozess. ZIEL-Geschäftsführer Laatz hingegen macht an die Reisebüros eine klare Ansage: „Umsonst ist der Tod!“

Es bleibt spannend.

Über den Autor

Beate Zwermann ist seit 2007 als externe Pressesprecherin für Amadeus Germany, die Amadeus IT Group Madrid und seit 2013 auch für Traveltainment unterwegs. Die gelernte Journalistin bringt es auf 25…
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