Travel Technology – was sind die wirklich grossen Themen?

11.05.2017  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Beate Zwermann

Amadeus Blog: Einmal im Jahr treffen sich die Techies in Köln beim FVW Travel Technology Day und lassen sich auf den neuesten Stand bringen.

Einige Teilnehmer sind sogar Frauen, betont FVW-Moderatorin Ira Lanz stolz. Was aber sind die Themen, die die Reisebranche technologisch im Jahr 2017 voranbringen? Sie vielleicht auch bedrohen?

Liest man die Tagesordnung der diesjährigen Veranstaltung, dann sieht das bis zum frühen Nachmittag eher nach einem buntem Blumenstrauß der großen Themen aus, die wahrscheinlich bei den IT-Managern nicht ganz oben auf der Agenda stehen:

Der Hype um Blockchains? Virtual Reality? Alles in die Cloud? Oder Künstliche Intelligenz und lernende Maschinen? So weit, so gut.

Die Diskussion zu Cybercrime in der Reisebranche fördert wenig neue Erkenntnisse zu Tage. Sie unterstreicht aber noch einmal die Motive der kriminellen Energie: Geld und Schaden. Der Live-Hack zeigt, wie man dem Online-Shop eines Juweliers Wertgutscheine entlockt, wie hackanfällig Funktastaturen sind und wie ein gutes Passwort aussieht. Das Beispielpasswort „Ein blauer Elefant sucht seine Schuhe“ amüsiert das Publikum. Die Erkenntnis jedoch, dass die Mitarbeiter die größte Angriffsfläche für Fraud bieten, war wohl für keinen der Zuschauer neu.

Am Nachmittag kamen dann endlich die praktischen Themen der Branche auf den Tisch:

Strategie gegen die Digitalgiganten – Herausforderung Pauschalreiserichtlinie – Schnittstellen-Puzzle.

Hier ging es ans Eingemachte. Die Aufreger der vergangenen Jahre betreten den Saal und sind in der Tat immer noch gut für die große Bühne. Hatte sich der ein oder andere Teilnehmer gefragt, warum diesmal kein Tagesordnungspunkt zu Datenqualität oder NDC zu finden ist, dann wird der Wissendurst nun doch bedient – wenn auch unter anderen Überschriften.

Insgesamt scheint es aktuell jedoch wenig Konfliktpotenzial zu geben beim Thema IT in der Reisebranche. Das Miteinander überwiegt. Man ist eng zusammen gerückt. Dem FVW-Tech-Gipfel schließt sich gleich ein OTDS-Event an – ein Aufreger, der hier seinen Anfang nahm und zu einer Erfolgsstory wurde. Wer hätte das gedacht. Andere Player scheinen von der Bildfläche verschwunden.

Der eher pragmatische Teil des FVW Travel Technology Days beginnt inspirierend mit dem Vortrag von Dr. Oliver Rengelshausen, Traveltainment. Er zeigt, dass auch kleine Veranstalter online durchaus zur Personalisierung ihrer Angebote für ihre Kunden fähig sein können. Dass es auch für diese Veranstalter möglich ist, den Kunden über alle Kanäle zu bedienen und authentische Begegnung und Erlebnisse zu schaffen.

Traffics-CCO Bernd Nawrath zeigt ein Tool, mit dem individuelle Leistungen (Hotels, Transfers etc.) zu einem Veranstalterprodukt zusammengeführt werden, um daraus eine individuelle Pauschalreise zu machen und letztlich die neue Pauschalreiserichtlinie zu umschiffen. Ob das funktionieren wird? Wir werden sehen.

Und was wäre ein Travel Tech Day ohne Marcus Motzkuhn von Condor? Er zeigt uns „Timmy“, einen Chatbot, den Thomas Cook in Großbritannien im „Facebook Messenger“ einsetzt. Timmy erkennt Reiseprofile, speichert die Kundenhistorie, bucht hin und her und weiß um die Vorlieben der Kunden. Timmy ist aktuell noch in der Lernphase, weil er ja herausfindet, was die Kunden von ihm wollen… Doch was, wenn man wie FVW-Moderator Georg Jegminat ein Facebook-Verweigerer ist? Hilft ihm vielleicht in Zukunft Alexa weiter?

Zum Abschluss des Tages wird es persönlich. Bewotec-Chef Michael Becher beschreibt, was ihn umtreibt. Er fragt: Welche digitale Angebote sind erfolgreich? Eben solche, die nützlich und einfach sind. Warum gewinnt Uber über MyTaxi? Weil Uber global ist. Wie definiert Facebook Kommunikation? Universal – nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch von Mensch zu Unternehmen. Und warum werden Sprachdienste über Text-Messages siegen? Weil sprechen bequemer und schneller ist als schreiben.

Fazit: Man stelle sein Produkt auf den Prüfstand und frage sich, ist es nützlich, einfach, global, universal, bequem und schnell? Perfekt. Sie werden erfolgreich sein – wenn die IT stimmt und skalierbar ist.

Über den Autor

Beate Zwermann ist seit 2007 als externe Pressesprecherin für Amadeus Germany, die Amadeus IT Group Madrid und seit 2013 auch für Traveltainment unterwegs. Die gelernte Journalistin bringt es auf 25…
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