Tauchen, ohne nass zu werden

21.02.2017  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Daniel Monhof

Amadeus Blog: Warum ist „Virtual Reality“ (VR) gerade jetzt in aller Munde und in der Tat spannender denn je? Daniel Monhof aus dem Bereich Business Development bei Amadeus Germany hat das Thema beim Digital Marketing Day der fvw vorgestellt und weiß, warum.

VR ist eigentlich kein wirklich neues Thema. Erste Geräte gab es schon in den 1990ern, damals insbesondere zum Spielen. Ein wirklicher Durchbruch war das damals allerdings nicht. Was ist also heute, 20 Jahre später, anders? Warum beschäftigen wir uns ausgerechnet jetzt mit diesem Thema?

Die Geräte sehen fast noch aus wie Mitte der 90er Jahre, doch haben es die inneren Werte in sich. Die rasante Entwicklung der Smartphone-Technologie sorgt dafür, dass das nötige Equipment für computergestützte Wirklichkeiten immer leistungsfähiger und gleichzeitig immer kleiner und leichter wird: Displays, Prozessoren, Lautsprecher, Mikrofone, Kameras und natürlich die Software, die alles steuert. Die Nutzung ist intuitiver, der Preis (deutlich) niedriger. Ein Beispiel: Das VR-Erlebnis mit Googles Daydream kostet mich, wenn ich das richtige Smartphone habe, nur noch ungefähr 60 Euro extra. Gleichzeitig wiegt die Brille nur etwa 70 Gramm mehr als eine übliche Skibrille.

Pulsierende Straßenschluchten oder farbenfrohe Korallenriffe geben Impulse für die Urlaubsbuchung

Eine Studie des Branchenverbandes Bitkom aus dem Jahr 2016 geht davon aus, dass sich bis zum Jahr 2020 der Umsatz mit VR-Geräten allein in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro versechsfachen wird. Und die Touristik hat mit ihren Produkten die besten Voraussetzungen, hiervon zu profitieren – neben dem Einsatz in Computerspielen können sich gut ein Drittel aller Befragten derselben Studie vor allem vorstellen, mithilfe von VR-Brillen fremde Orte zu bereisen. Das sprichwörtliche „Eintauchen in fremde Länder und Kulturen“ wird so einfach wie nie. (Beinah) hautnahe Erlebnisse von pulsierenden Straßenschluchten, tropischem Regenwald oder farbenfrohen Korallenriffen machen Lust auf Urlaub. Bereits heute können solche 360-Grad-Videos im Reisebüro zur Inspiration und Beratung genutzt werden.

Besonders hilfreich kann die virtuelle Wirklichkeit sein, wenn sie direkt einen Eindruck vermittelt, wie viel (oder wenig) Beinfreiheit die verschiedenen Sitzplätze in einem Flugzeug bieten. Oder ohne viele Worte verdeutlicht, dass der Aufpreis für die Außenkabine auf dem Kreuzfahrtschiff jeden Cent wert ist im Vergleich zum Raumgefühl in der fensterlosen Innenkabine. Reisebüros erhalten damit neue Möglichkeiten des Upsellings. Für mich steht fest: Für die Branche stellt sich beim Thema Virtual Reality die Frage nach dem „ob“ nicht mehr. Die Frage ist nur noch, „wie“ und „wann“.

Während unseres Workshops beim Digital Marketing Day der fvw haben wir verschiedene Geräte präsentiert, um ein Gefühl für die heutigen und zukünftigen technischen Möglichkeiten zu vermitteln.  Neben der HTC Vive, einer High-End-VR-Brille, hatten wir die Microsoft HoloLens dabei. Die HoloLens geht weit über Virtual Reality hinaus. Mixed Reality, also die Vermischung von physischer und virtueller Welt, ist hier der treffendere Begriff (siehe unter „Gut zu wissen“).

Wie kann der Content in den Beratungsprozess eingebunden werden?

Die Diskussionen mit dem Publikum waren ausgesprochen spannend. Klar ist, die meisten (möglichen) Anwendungsfälle sind noch Zukunftsmusik. Der wirkliche Boom liegt noch vor uns. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass – neben dem rein technologischen Fortschritt – die Frage nach dem Content entscheidend für Erfolg oder Misserfolg ist. Wie kann relevanter Content in großer Menge und gleichzeitig hoher Qualität erstellt und aktuell gehalten werden – und vom wem? Wie wird dieser Content verfügbar gemacht und sinnvoll in die Beratungsprozesse eingebunden? Hier kann Amadeus zukünftig eine entscheidende Rolle spielen.

Ganz egal, welche Einsatzmöglichkeiten sich in der Touristik auch durchsetzen werden: Wir werden unsere Kunden und Partner dabei unterstützen, virtuelle Realitäten nahtlos und quasi „natürlich“ in die Beratung und den Verkauf von Reisen einzubinden. Damit die Branche mit ihren hochemotionalen und erlebnisorientierten Produkten bestmöglich von dieser (eigentlich gar nicht so) neuen Technologie profitieren kann.

Gut zu wissen:

Betrachtet man die heute verfügbaren so genannten Head Mounted Displays („Brillen“), lässt sich zwischen Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) unterscheiden. VR lässt den Nutzer in eine vollkommen neue (animierte oder gefilmte/fotografierte) Welt eintauchen, was um ihn herum ist, nimmt er nicht mehr wahr (dazu zählen die Geräte Samsung Gear, Oculus Rift, HTC Vive und andere). AR überlagert die reale Welt mit nützlichen Informationen (Beispiel: Heads Up Display im Auto). Bei MR vermischen sich reale und virtuelle Realität, es kommt zur so genannten Immersion. Virtuelle Objekte fügen sich nahtlos in die physische Welt ein, es entsteht sozusagen eine neue Realität. Die Grenzen zwischen VR, AR und MR verschwimmen allerdings zunehmend. Zukünftige Generationen von Brillen werden in der Lage sein, alle drei „Arten“ je nach Situation und Anwendungsfall darzustellen.

Über den Autor

Daniel Monhof ist im Bereich Business Development bei Amadeus Germany seit Mitte 2015 auf der Spur interessanter Zukunftsperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, die weit über den reinen GDS-Horizont hinausgehen. Sein sportliches Hobby,…
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