Stop Phubbing!

24.05.2018  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Juliane Siekmann

Amadeus Blog: Haben Sie Ihren nächsten Sommerurlaub auch schon geplant? Wenn ja, ist die Wahrscheinlichkeit hoch (genauer gesagt 3:1), dass Sie bei der Wahl Ihrer Unterkunft genau geschaut haben, ob W-LAN angeboten wird – und zwar möglichst kostenlos und in allen Räumen.

Mobiles Surfen als Urlaubskriterium

So hat eine repräsentive Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V – kurz Bitkom – Anfang März ergeben, dass es in den Altersgruppen bis 65 Jahre zwischen 85 und 90 Prozent aller Befragten wichtig oder sogar sehr wichtig ist, dass sie im Urlaub mobil surfen können. Lediglich bei den Über-65-Jährigen ist es nur etwa jeder zweite, für den dieses Kriterium entscheidend ist. Und ohne Frage ist es ja auch unglaublich praktisch, sich jederzeit am Urlaubsort über das örtliche Angebot zu informieren, über aktuelle Öffnungszeiten und neueste Insidertipps von erfahrenen Reisebloggern und enthusiastischen Local Guides. Oder einfach nur an einem Regentag zu prüfen, ob vielleicht im Kino des Nachbarorts attraktive Filme laufen.

Auch der umgekehrte Fall, den Daheimgebliebenen einen Urlaubsgruß in Worten oder noch lieber als Selfie vor der hippsten Location der Stadt zu schicken, hat seinen Reiz und läuft der klassischen Postkarte langsam, aber sicher den Rang ab. Ganz zu schweigen von Fotostorys in sozialen Netzwerken, die vom ersten bis zum letzten Reisetag Essen, Unterkunft und Aktivitäten aus allen Perspektiven dokumentieren.

Die Kehrseite der Medaille

Doch die Kehrseite der Medaille taucht ebenfalls in Umfragen auf, und das bereits seit einigen Jahren: So beklagten schon 2014 neun von zehn Deutschen in einer Emnid-Umfrage im Auftrag von E.ON, dass Smartphones beim Essen das gemeinsame Erlebnis stören, und empfanden es als unhöflich, wenn Tischnachbarn während der Mahlzeit ständig nach den neuesten Nachrichten schauten. 2013 erfand eine australische Werbeagentur für dieses Phänomen sogar ein eigenes Wort: „Phubbing“, eine englische Zusammensetzung aus phone (Telefon) und snubbing (brüskieren). Im August desselben Jahres eroberte dieses Video die sozialen Netzwerke, das in ästhetischen Bildern drastisch vor Augen führt, wie wenig sozial das ständige Checken von WhatsApp, Facebook und Co. eigentlich ist. Und keine fünf Jahre später arbeitet die Deutsche Telekom nun an einer Tischdecke, die mittels sogenannter „intelligenter Fasern“ das W-LAN bei Tisch schlicht und einfach ausschaltet.

Noch gibt es keine offizielle Definition von Handysucht, doch die befriedigten Reize sind ähnlich wie bei Spielsucht: Jedes Einschalten (und im Schnitt werfen Nutzer alle 10 Minuten einen Blick aufs Display) spricht unser Belohnungszentrum im Gehirn an und verspricht mögliche Glückshormone durch ein neues Like, eine Chat-Antwort oder ein lustiges Foto. Heise-online berichtete im November 2017 über eine koreanische Pilotstudie, dass übermäßige Smartphone-Nutzung möglicherweise die Gehirnchemie verändern kann. Jede deutsche Tageszeitung, die etwas auf sich hält, hat schon mal Tipps und Tricks veröffentlicht, um den eigenen Handy-Konsum zu testen und gegebenenfalls zu reduzieren.

Lieber ohne Filter

Dabei ist das Phänomen, Ereignisse anscheinend lieber gefiltert durch eine Linse und einen Bildschirm zu erleben als direkt, gar nicht so neu. In den 90er Jahren war es in unserer Familie ein Running Gag, auf die Frage „Wie war der Urlaub?“ zu antworten: „Kann ich noch nicht sagen, der Film wird gerade entwickelt“. Denn schon damals fielen uns andere Touristen unangenehm auf, die nur von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hasteten und mit ihren damals noch analogen Fotoapparaten herumfuchtelten.

Und wir beschlossen, mindestens im Urlaub ganz bewusst das Hier und Jetzt zu genießen – mit allen Sinnen und vor allem gemeinsam mit den Menschen, die es uns wert sind, Zeit mit ihnen zu verbringen. Denn das wusste schon die Schriftstellerin Luise Rinser: „Die schönsten Erinnerungen sammelt man immer zu zweit“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schon mal erlebnisreiche Urlaubstage!

Über den Autor

16 Jahre lang leitete Juliane Siekmann die interne Reiseredaktion der Amadeus Tochter Traveltainment und baute mit ihrem Team einen umfangreichen Bestand an Reiseinformationen für Urlauber auf, der über die Internet…
Mehr über den Autor

Schreiben Sie einen Kommentar