Steter Wechsel der Perspektiven

13.06.2017

Monika Wiederhold ist neu an Bord, aber längst drin in den Amadeus Themen

Monika Wiederhold ist seit dem 1. April 2017 Vorsitzende der Geschäftsführung bei Amadeus Germany. Die Amadeus Magazin Redaktion sprach mit ihr über ihren Werdegang, ihre Themen und Visionen.

Amadeus Magazin: Nach langer Zeit im Lufthansa-Konzern jetzt bei Amadeus – wie passt das?
Monika Wiederhold: Perfekt! Schon in den 90er-Jahren habe ich bei Luſthansa die Reservierungssysteme analysiert, damit die LH-Flüge möglichst weit oben stehen. Und kaum zu glauben: Mein erstes Seminar bei Luſthansa war 1995 ein Amadeus Kurs. Seitdem beobachte ich den eindrucksvollen Aufstieg von Amadeus in der faszinierenden IT-Welt. Und so freue ich mich sehr, dass ich jetzt hier Verantwortung übernommen habe!

Porträt Monika Wiederhold
Monika Wiederhold verantwortet bei Amadeus gemeinsam mit Uta Martens die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz. Die 47-jährige Diplom-Mathematikerin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auch zu Hause lässt sie sich von Technik begeistern: Sie besitzt Drohnen und 3-D-Drucker, mit denen auch mal ein Ersatzteil für den Haushalt produziert wird.

Amadeus Magazin: Sie sind durch verschiedene Bereiche gewandert. Zufall oder durchdachte Karriereplanung?
Wiederhold: Ein Leben lässt sich nicht planen wie ein Projekt. Als Studentin träumte ich von einer Position bei der UNO und sammelte deswegen Auslandserfahrungen in den USA und in Uruguay. Danach führte mich meine Liebe zum Reisen in den Lufthansa-Konzern – in den Bereich Netzplanungssysteme. Anschließend ging es ins Revenue Accounting, und Lufthansa ermöglichte mir ein berufsbegleitendes MBA-Studium in England. Dies war der Einstieg in eine Führungsposition bei Lufthansa Systems im Bereich Marketing, Produkt-Management und Vertrieb. Es folgten als Leiterin der Einsatzplanung im Flugbetrieb der Lufthansa Passage aufregende Jahre – Stichwort: 9/11. Von 2007 an habe ich im Team des Vorstandsvorsitzenden die Konzernstrategie mitgestaltet. Vier Jahre später bekam ich die Verantwortung für Produkt- und Kundenfeedback-Management, Innovation sowie Speziallogistik bei Lufthansa Cargo.

Amadeus Magazin: Ein breites Spektrum an Aufgaben…
Wiederhold: Eine Vielfalt an Herausforderungen liegt mir. In meiner Brust schlagen mindestens zwei Herzen: Einerseits denke ich gern strategisch-konzeptionell mit großen zeitlichen und räumlichen Perspektiven. Andererseits liebe ich das operative Arbeiten und freue mich über persönlichen Kundenkontakt. So habe ich zum Beispiel Farmen in Afrika aufgesucht, um die Ansprüche der Rosen-Produzenten an die Logistikkette bei Lufthansa Cargo besser kennenzulernen. Und genauso werde ich jetzt nicht aus der Theorie Entscheidungen fällen, sondern bewusst in die Schuhe des Reisenden und der Reisebüros schlüpfen. Erfolgreiches Management braucht neben Fach- und Methodenwissen auch Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln und Brücken zu bauen. Meine vielfältigen Erfahrungen machen das sicher leichter.

Amadeus Magazin: Lässt sich da ein roter Faden erkennen?
Wiederhold: Ein Faden wird bekanntlich aus vielen kleineren Fäden gesponnen. In meiner Biografie sind viele bunte Linien verwoben, Mathematik und Informationstechnologie, Airlines und Logistik, aber auch Menschen, Ideen, Visionen, Kunst und Kommunikation. Hieraus speisen sich für mich unterschiedlichste Perspektiven, die notwendig sind, um in der digitalen Welt Brücken zu bauen und innovative Ideen zu entwickeln. Wenn man genau hinschaut, kann man in allen meinen Positionen die Themen Reisen, IT und Kommunikation wiederfinden, verbunden mit dem Spaß, in neue Welten einzutauchen.

Amadeus Magazin: Eintauchen in neue Welten – gilt das auch für Amadeus und seine Kunden?
Wiederhold: Mehr denn je. Die Digitalisierung bringt ständig neue Herausforderungen – für die Reisebüros und für Amadeus als IT-Partner. Hier gilt es, gemeinsam neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Buchungswege den steigenden Ansprüchen unserer Kunden anzupassen. Die modernen Digital-Giganten sind alle zunehmend in der Reisebranche aktiv und beeinflussen das Verhalten der Reisenden: Die Reisebüros müssen sich gegen die „Googles“ dieser Welt behaupten. Innerhalb von wenigen Jahren hat sich das Nutzerverhalten weltweit – auch meines – drastisch gewandelt. Daher ist Amadeus ein wertvoller Partner, um technisch vorauszudenken, mit Reisebüros neue Angebote zu entwickeln und auf die zunehmend mobilen Bedürfnisse der Reisenden einzugehen. Wir analysieren permanent, wie sich neue technologische Möglichkeiten in die Angebote für Reisebüros übersetzen lassen, und werden dazu verstärkt Innovations-Workshops anbieten.

Amadeus Magazin: Wenn Sie für ihre Arbeit bei Amadeus drei Wünsche frei hätten: Welche wären das?
Wiederhold: 1. Innovationen sind meine Leidenschaft und notwendig, um die Nase vorne zu haben. Deswegen wünsche ich mir, dass es uns weiterhin gelingt, innovative, attraktive und intuitive Produkte in der digitalen, mobilen Welt anzubieten. Es wird ein Schwerpunkt unserer Arbeit sein, für Reisebüros neue Möglichkeiten der Kundenbindung und Erlösquellen zu
entwickeln.
2. Für unsere Zusammenarbeit wünsche ich mir, dass es uns gelingt, moderne Arbeitsformen im Unternehmen und in der Kooperation mit unseren Kunden zu implementieren. Vernetzt, agil, in virtuellen Teams und offen für Selbstversuche – dabei schließe ich mich persönlich ausdrücklich mit ein.
3. Für alle Akteure der Reisebranche wünsche ich mir eine solide, intelligente und lebendige Vernetzung der IT und auch der Menschen, aus der heraus wir gemeinsam die Zukunſt des Reisens und der Reisenden gestalten.

Amadeus Magazin: Diese Frage können wir uns nicht verkneifen: Sind Sie ein Nerd?
Wiederhold: Das liegt bei einer Diplom-Mathematikerin nahe und ich habe tatsächlich Mathematik im Blut. Im Beruf hat mir das geholfen: Netz-Management ist pure Mathematik, genauso wie die Datenlandschaft der Ticket-Abrechnung, Einsatzplanung, Automatisierung oder Prognosen. Algorithmen, Big Data und künstliche Intelligenz machen mir große Freude! Gleichzeitig habe ich auch eine sehr kreative Ader. Ich male beispielsweise sehr gerne. Ein Nerd ist per Definition ein Einzelgänger, und das bin ich sicher nicht. Ich brauche die Vernetzung mit anderen Menschen. Ohne sie macht die tollste Technologie weder Spaß noch Sinn!

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