So sorgt eine Gemeinschaftsplattform für pünktliche Starts am Flughafen

27.08.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Bernd Schulz

Amadeus Blog: Warum steigt ein Unternehmen, das seine Wurzeln in Flug-Reservierungssystemen für Reisebüros hat, in das Geschäft mit Flughafen-Software ein? Weil die Erfahrung mit Reisebüro- und Airline-Plattformen hier noch einiges bewegen kann.

Flughäfen haben schon lange erkannt, dass die verschiedenen Dienstleister auf, an und neben den Rollfeldern, Gates und Schaltern so eng wie möglich zusammenarbeiten sollten. Aus der Idee entstand der Standard des Airport Collaborative Decision Making. Ziel ist es, Verspätungen zu reduzieren, die Pünktlichkeit zu erhöhen und die Ressourcen besser zu nutzen. Wenn zum Beispiel ein Flugzeug zu spät hereinkommt, können die Dienstleister am Flughafen ihre Kapazitäten justieren und dazu beitragen, dass trotzdem alles reibungslos läuft und im Idealfall wertvolle Minuten aufgeholt werden.

In einer Flughafen-Plattform, die die gemeinsame Arbeit aller Unternehmen koordiniert, steckt viel Potenzial: Was, wenn die Passagiere wo immer möglich selbst aktiv werden – beim Check-in, bei der Gepäckabgabe, am Boarding, auf diese Weise eine zentrale Datenbank bedienen und rasch durch alle Prozesse eilen? Was, wenn mobile Flughafen-Mitarbeiter von einem Tablet-Computer, also von überall aus, den Reisenden sämtliche Dienstleistungen des Flughafens anbieten können – auch und gerade, wenn es nicht rund läuft? Was, wenn Passagiere ihr Gepäck online auf seinem Weg verfolgen – und das System gleichzeitig dafür sorgt, dass die Koffer erst dann ins Flugzeug kommen, wenn auch der Besitzer an Bord ist? Was, wenn Fluggesellschaften jederzeit wissen, wo in den Abläufen des Flughafens sich die Passagiere des nächsten Flugs gerade bewegen, ob also ein pünktlicher Abflug möglich ist? Und was, wenn die Läden in der Ankunftshalle erfahren, welche Maschine gerade landet, um ihre Auslagen rasch auf die Vorlieben von US-Amerikanern oder von Asiaten abzustimmen? Genau: Das würde allen Seiten helfen.

Mit zentralen Plattformen hat Amadeus Erfahrung – sehr gute Erfahrung. Die gemeinschaftlich genutzte Airline-Plattform Amadeus Altéa ist zum Branchenstandard geworden: 123 Airlines auf der ganzen Welt nutzen mindestens eines der Altéa-Module. Cloud-basierte Lösungen, skalierbare Prozesse und Datensicherheit sind zentrale Merkmale der Amadeus Plattformen.

Daher setzt das Unternehmen die Plattform-Idee auch für Airport-IT um. Dazu wurde in den vergangenen Jahren eine Menge Know-how gekauft, zum Beispiel 2014 UFIS Airport Solutions aus Singapur unter anderem mit zentralen Flughafen-Datenbanken, Ressourcen-Management-Systemen und Hub-Management-Lösungen. Zuletzt kam im April 2015 aus den USA Air-Transport IT Services, Inc., dazu mit Property-, Umsatz- und Flughafen-Management-Systemen.

Entsprechend wächst das Portfolio der Amadeus-Airport-Produkte. Der Flughafen in Innsbruck nimmt Schritt für Schritt die cloud-basierte Flughafen-Plattform Amadeus Airport Common Use Service in Betrieb. Unter anderem verbessert das Amadeus Airport Baggage Reconciliation System die Gepäckprozesse, und Amadeus Airport Passenger Verfication sorgt dafür, dass nur Passagiere mit Bordkarte in den Sicherheitsbereich dürfen.

Auch in Perth (Australien) läuft gerade die Einführung von Amadeus Airport Common Use Service. „Die offensichtlichen Vorteile bisher sind die Kosteneinsparungen für unsere Airlines“, sagt uns Rowan Chalmers, Executive General Manager Operations & Customer Experience am Perth Airport. „Da die Amadeus Common Use Platform Thin Clients nutzt, wird außerdem unser Energieverbrauch stark sinken.“ Der norwegische Flughafenbetreiber Avinor hat damit begonnen, die Plattform an acht Flughäfen zu implementieren – insgesamt sollen es 46 werden.

2014 kam das Amadeus Airport Collaborative Decision Making Portal auf den Markt. Es nutzt Echtzeit-Flug-, Passagier- und andere Betriebsdaten für aggregierte Informationen zum Status der Betriebsabläufe am Flughafen. Mögliche bevorstehende Probleme können über einen Zeitraum von drei bis vier Stunden prognostiziert werden.Mit London-Gatwick hat sich einer der zehn größten europäischen Flughäfen entschlossen, das Portal als erster einzuführen.

In München sorgt der Amadeus Airport Sequence Manager, Teil des erwähnten Amadeus-Portals, für die messbare Verbesserung von Betriebsabläufen: Die Runway-Wartezeiten wurden um die Hälfte, die Landeverspätungen um 24 Prozent verringert.

Flughäfen sind komplexe Gebilde mit einer großen Zahl von Prozessen, die eng aufeinander abgestimmt werden müssen. Amadeus hat die technische und organisatorische Erfahrung, noch viele Synergien an Airports zu heben. Von uns wird noch zu hören sein.

Über den Autor

Bernd Schulz verantwortete bis Dezember 2016 als Geschäftsführer für Amadeus Germany die Märkte Deutschland, Österreich & Schweiz. Er war zuvor in diversen Funktionen im In- und Ausland in der Touristik…
Mehr über den Autor

Schreiben Sie einen Kommentar