Selbstfahrend in die Zukunft

08.08.2018  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Klaus Ennen

Amadeus Blog: In Bayern fahren die ersten autonomen Minibusse Touristen und Einwohner zum Bahnhof. Welt-Konzerne stecken Milliarden in die Technik. Denn Robot-Autos chauffieren auf Dauer viel schneller, sicherer und kostengünstiger.

Zwei Kilometer bis zum Bahnhof laufen? Nein danke. Außerdem regnet es. Also ein Taxi rufen. Doch das ist Mangelware im niederbayrischen Kurort Bad Birnbach im Landkreis Rottal-Inn. Die Taxifahrer tummeln sich mit ihren Autos lieber weitab in den umliegenden Städten, in denen mehr Geschäft zu erwarten ist. Bis das Taxi also kommt, dauert es ewig – und außerdem ist es teuer.

Selbstfahrender Bus

So war das früher für die Bürger, Besucher und Urlauber in Bad Birnbach – doch jetzt gibt es eine Lösung. Das erste autonome Fahrzeug im deutschen Straßenverkehr hat dort seit Oktober 2017 weit mehr als 10.000 Fahrgäste transportiert. Der autonom fahrende Kleinbus „EZ10“ des französischen Start-ups „Easymile“ verkehrt unter dem Geschäftszweig „ioki“ der Deutschen Bahn. Geräuschlos und umweltfreundlich, ohne Fahrer, ohne Lenkrad und auch ohne Gaspedal, absolvierte das Elektrogefährt bereits mehr als 5.000 autonom gefahrene Kilometer. Lediglich ein Fahrbegleiter ist an Bord, der bei Bedarf eingreifen kann. Der das aber noch nie musste.

Schneller geht’s mit 40 Sachen

In diesen Tagen soll der guten Erfahrungen wegen ein zweiter Shuttle gleicher Bauart eingesetzt werden. Dadurch kann immer ein Shuttle am Bahnhof warten, so ist künftig der Anschluss an alle ankommenden Züge sichergestellt. Für Touristen ein weiterer Grund, in „das ländliche Bad“ (Eigenwerbung) zu verreisen. Demnächst werden die autonomen Mini-Busse gegen Modelle der zweiten Generation ausgetauscht. Bislang sind die selbstfahrenden Busse in Bad Birnbach auf 15 Stundenkilometer gedrosselt, möglich wäre nun Tempo 40. Im Herbst wird geprüft, ob die E-Transporter fast dreimal schneller fahren dürfen: Es sieht ganz danach aus.

Robo-Busse auch in Berlin und Hamburg

Weil die Erfahrungen in Bad Birnbach bislang so gut waren, rollen vier solcher Kleinbusse auch auf dem Campus der Uniklinik Berlins, dem Charité Mitte, und auf dem Gelände des Virchow-Klinikums in Wedding. Mitarbeiter, Patienten und Besucher können kostenlos in die gelben surrenden Busse der Hersteller Navya und EasyMile einsteigen. In Hamburg wird vom nächsten Jahr an im Bereich der Hafencity ein autonom fahrender Bus im normalen Stadtverkehr getestet.

Enormer Veränderungsdruck

Auch im Individualverkehr gibt es disruptive Veränderungen. Autonomes Fahren setzt die Fahrzeughersteller weltweit unter einen enormen Veränderungszwang. US-Unternehmen wie Uber, Google, Tesla, deutsche Autohersteller wie Daimler, Volkswagen und BMW und chinesische Konzerne testen die Automatisierung auf der Straße mit Hochdruck. Die traditionellen Hersteller müssen sich – neben ihrer Kerntätigkeit – in Software-Unternehmen wandeln. Das ist schwer. Genauso wie es Uber, Google oder Tesla an 50 Jahren Erfahrung im Maschinenbau fehlt. Das können die traditionellen Autobauer besser.

Regeln und 5G-Standard gefordert

Europa gegen USA, USA gegen China: Was autonome Fahrzeugtechnik angeht ist ein riesiger Wettbewerb entbrannt. Europa müsse bei der E-Mobilität eine Vorreiterrolle übernehmen, fordert BMW-Chef Harald Krüger. Für das autonome Fahren „brauchen wir einheitliche Regeln und überall in der EU den 5G-Mobilfunkstandard“, sagt der BMW-Manager. Den vollelektrischen, hoch autonom fahrenden BMW i-next, der vom Jahr 2021 in Dingolfing gebaut werden soll, werde BMW noch dieses Jahr als Visionsfahrzeug präsentieren.

Teststrecken in Deutschland

Teststrecken für autonomes Fahren gibt es in Deutschland bereits in Braunschweig, an der A9 in Bayern und im Saarland. Im Testfeld „Autonomes Fahren Baden-Württemberg“ erproben kleine und mittlere Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Systeme im Alltagsverkehr. Die Robo-Autos sind also ganz normale Verkehrsteilnehmer. Ihre Sensoren und Kameras erkennen Gefahrensituationen selbst und reagieren automatisch. Wenn nicht, greift ein Testfahrer ein.

90 Prozent weniger Unfälle

Wenn diese Technologie in wenigen Jahren ausgereift ist, dann sparen selbstfahrende Autos auf den Straßen unvorstellbare Summen. 30 Prozent weniger Sprit- oder Stromverbrauch, 90 Prozent weniger Unfälle und frei verfügbare Zeit im Wert von bis zu 4 Billionen Euro seien wahrscheinlich. Das hat der BWL-Professor Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen errechnet. „Autonomes Fahren wird unser tägliches Leben gewaltig verändern“, sagt er.

Ein Drittel der Autofahrer in den Städten seien auf Parkplatz-Suche. Das vernetzte, autonom fahrende Auto müsse aber nicht mehr suchen, könne enger parken und auf der Straße dichter fahren. In Deutschland sei heute eine Fläche von der Größe Schleswig-Holsteins Verkehrsfläche – das könne deutlich weniger werden.

Risikofaktor Mensch

Bei Verkehrsunfällen kommen weltweit jährlich 1,2 Millionen Menschen zu Tode, meist durch menschliche Fehler.

Eine Studie von McKinsey kommt gar zu dem Schluss, Robot-Autos würden etwa 90 Prozent weniger tödliche Unfälle verursachen. Denn der Mensch ist der größte Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr. Lässt er sich vom Roboter fahren, dann könnte das also ein großer Gewinn werden – für alle.

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Klaus Ennen verantwortet den Bereich Marketing Kommunikation bei Amadeus DACH & Traveltainment. Er jongliert täglich virtuos Informationen zwischen Presse, Amadeus Magazin und Newsletter, Webseite, Community, Blog und weiteren Social Media…
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