Scheuklappen runter! Warum ich iBeacon so genial finde

27.07.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Es begegnen einem im Marketing-Alltag ja eine Menge Dinge, die man mehr oder weniger nutzlos oder übertrieben finden kann. iBeacon aber gehören meiner Meinung nach definitiv nicht dazu. Im Gegenteil: Diese Dinger finde ich extrem genial. Und zwar sowohl als Privatperson, als auch aus Sicht des Marketingprofis.

Doch für alle, die jetzt komplett auf dem Schlauch stehen und sich fragen: „iBeacon – was?“, hier erstmal eine kurze Erklärung. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet iBeacon in etwa elektronische Leuchtfeuer. Damit bezeichnet wird eine 2013 von Apple entwickelte Bluetooth-Technologie zur direkten Kommunikation zwischen einem batteriebetriebenen Minisender (Beacon) und Smartphones, die sich im Umkreis von rund 40 Metern „bewegen“.

So kann beispielsweise ein Supermarkt seinen Kunden Rabattangebote direkt aufs Handy schicken, sobald sie sich dem Laden nähern. iBeacons sind aber auch perfekte Orientierungshilfen. Denn sie können als eine Art Mini-Navigationssystem eingesetzt werden; sei es in Shoppingcentern, Museen, Clubresorts oder sonst wo. Ein Blick aufs Handy genügt – und man weiß, wo es zur Wasserrutsche oder zur nächsten Bar geht.

Ich finde das großartig. Nicht nur weil ich keine geografisch ausgeprägte Veranlagung habe und mich sogar auf gerader Strecke verlaufe (ein Grund übrigens, warum ich seit jeher auch ein echter Navi-Freak bin). Genial finde ich iBeacons auch, weil sie mir als Kunde immer tatsächlich relevante Neuigkeiten senden, mich unterhalten und auf neue Ideen bringen können. Meine Devise lautet deshalb ganz klar: Ausprobieren, Haben wollen.

Das allerdings sieht nicht jeder so. Ich weiß. Viele Menschen sehen iBeacons skeptisch. Sie haben Angst, von irgendwelchen Anbietern gestalkt zu werden. Die Vorstellung, dass ein Supermarkt schon 40 Meter vorher weiß, dass ich bei ihm einkaufen will, finden viele Menschen ziemlich spooky. Ich habe dafür natürlich Verständnis, aber ich finde es sehr schade. Denn meines Erachtens sollte man neuen Technologien gegenüber offen sein und seine Scheuklappen runter reißen.

Zumal iBeacon ja nichts ohne mein Einverständnis tut. Wenn ich mal keine Lust auf Nachrichten habe, genügt es, Bluetooth auszuschalten. Außerdem muss ich vorher die Supermarkt-App installiert haben und mein Einverständnis für Push-Nachrichten erteilt haben.

Doch genau das ist der Punkt. Nicht nur, dass die meisten Menschen iBeacon noch nicht einmal kennen. In einer aktuellen Studie des Marktforschers defacto hatten 82 Prozent der Befragten noch nie von iBeacon gehört. Klar, dass sie dann auch keine Details kennen – und die neue Technologie schnell rundum ablehnen.

Quelle: defacto research

Da muss meiner Meinung nach noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Und da sehe ich auch unsere Branche deutlich in der Pflicht. Damit die Angst vor dem Unbekannten abnimmt und die Akzeptanz der iBeacon steigt. Denn logischerweise haben die kleinen Dinger gerade für die Touristik ein gigantisches Potenzial.Viele Anbieter haben das auch bereits erkannt.

So hatte die Deutsch Bahn vor kurzem am Düsseldorfer Hauptbahnhof das größte öffentliche Beacon-Testfeld umgesetzt und festgestellt, dass von den durchschnittlich täglich 250.000 Bahnhofsbesuchern immerhin rund 40 Prozent Bluetooth aktiviert hatten. Ein tolles Beispiel ist auch die BMW-Welt in München. Sie schickt Besuchern via iPhone-App und iBeacon exklusive Audio- und Videoinhalte auf ihre Smartphones. Außerdem gibt es so Zugang zu interaktivem Ausstellungs-Content und speziellen Exponaten.

Im stationären Handel macht gerade SportScheck von sich reden, das 19 Filialen mit iBeacons ausgestattet hat und seither Gutschein-Aktionen und andere Kampagnen testet. Wie man hört, erreicht SportScheck so pro Monat zwischen 20.000 und 30.000 Nutzer, die durchschnittliche Öffnungsrate der Push-Nachrichten soll bei 22 Prozent liegen. Eine stattliche Zahl, schließlich sind diese Leute sehr offen für Angebote von SportScheck, weil sie zuvor die App geladen und ihr Einverständnis für Push-Nachrichten gegeben haben. Kein Wunder also, dass auf diesen Zug immer mehr Marketingveratwortliche aufspringen wollen. Laut einer aktuellen Adobe-Mobile-Marketing-Studie planen 54 Prozent der Befragten, in den nächsten zwölf Monaten iBeacons einzusetzen.

Da braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorstellen, dass ähnliche Aktionen auch im Reisebüro funktionieren können. Denn so digital sich das Wort iBeacon zwar anhört, die Dinger sind ganz klar für den stationären Handel und nicht etwa für E-Commerce eine super Sache.

Vorausgesetzt, die Leute machen mit. Deshalb nochmal mein Appell: Scheuklappen runter und Aufklärungsarbeit leisten. Und wer wissen will, wie es in der Realität irgendwann aussehen wird, der sollte sich den Film Minority Report von Steven Spielberg aus dem Jahre 2002 anschauen.

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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