Reisen mit allem, was technisch geht

03.04.2019  /  7 Minuten Lesezeit
Autor:
Christian Warneck

Amadeus Blog: Für fast alle Stadien einer Reise gibt es Lösungen, die die Prozesse verschlanken, den Service optimieren – und Spaß machen. Wie sähe eine Reise aus, auf der alle diese Lösungen zum Einsatz kommen? Christian Warneck nimmt Sie mit. Und macht Ihnen am Ende ein moralisches Angebot.

Der Markt für Travel Technology steckt voller Ideen. Für fast alle Einzelprozesse der so genannten Customer Journey gibt es intelligente und innovative Lösungen. Eine der Herausforderungen für die Zukunft besteht darin, sie zu verknüpfen und aus vielen Einzelprozessen einen schlanken Gesamtprozess zu machen.

Daran arbeiten wir. Darum habe ich als Head of Research & Development Bad Homburg bei Amadeus jeden Tag mit vielen solcher Lösungen zu tun. Im Folgenden füge ich sie einfach mal zu einem Gesamtbild zusammen. Wie also sähe es aus, wenn uns Technologie an wirklich allen Ecken und Enden unterstützt?

Inspiration

Zum Beispiel ganz am Anfang. Reisende, die auf Ideen kommen wollen, haben bereits heute die Möglichkeit, ihr Budget und das, was sie im Urlaub machen möchten, als Suchkriterien einzusetzen. Lufthansa.com/de/de/fluege zum Beispiel akzeptiert das als Eingabe und empfiehlt Reiseziele, die dazu passen. Diese Vorgehensweise dreht die klassische Suche, die mit dem Zielflughafen anfängt, völlig um. (Raten Sie, wer diese Suche entwickelt hat.)

Einen Schritt weiter gehen Anwendungen, die unschlüssige Reiselustige virtuell schon einmal ins Zielgebiet bringen. Diese Funktion tauchte zum ersten Mal auf den Websites der Kreuzfahrt-Reedereien auf, die potenzielle Gäste zum digitalen Schiffsrundgang einluden. Doch die Möglichkeiten gehen viel weiter. Voriges Jahr, also 2018, hatten wir Moptil (Mobile Optical Illusions) am ITB-Stand zu Gast. Das griechische Unternehmen zeigt zum Beispiel durch wissenschaftlich fundierte virtuelle 360-Grad-Ansichten, wie antike Stätten früher aussahen.  Das ist für Touristenführer sinnvoll, aber auch als Inspiration. Weitere Anwendungen mit virtueller Komponente hat Michael Faber von Tourismuszukunft hier aufgelistet.

Ein ganz anderer Ansatz: Amadeus Alita, eine Anwendung künstlicher Intelligenz, hört während der Beratungsgespräche im Reisebüro zu. Sie lernt, aus den Dialogen Kundenwünsche zu extrahieren, und schickt passende Angebote auf den Bildschirm. So kann das Reisebüro Vorschläge machen, auf die es von selbst womöglich gar nicht gekommen wäre.

Virtual Interlining

Inspiration betrifft nicht nur das Reiseziel, sondern auch den Weg dahin. Viele Fluggesellschaften bieten Interlining an, ermöglichen es also aktiv, Flüge mehrerer Airlines miteinander zu kombinieren – die Passagiere erhalten ein Ticket für die ganze Reise und müssen ihr Gepäck nur einmal aufgeben. Der Markt allerdings gibt eine große Zahl an Flugkombinationen her, für die Airlines keine Kooperation vorsehen. Hier hilft das Virtual Interlining: Reisemittler fügen solche Flüge sozusagen auf eigene Gefahr zusammen und verkaufen sie, als gäbe es ein Interlining-Abkommen. Auch hier bietet Amadeus die entsprechende Lösung und ermöglicht es zum Beispiel Onlinern, ihren Kunden neue kreative Pakete zu schnüren.

Gepäck

Wir wurden inspiriert, wir haben uns entschieden und gebucht – es geht los. Womit? Mit den Koffern. Erste Modelle sind schon an das Internet of Things angeschlossen und ermöglichen eine ganze Reihe sinnvoller neuer Funktionen: Die Koffer wiegen sich selbst, sie halten Kontakt zum Mobiltelefon, sie schlagen Alarm, wenn die Distanz zu groß wird, sie lassen sich per GPS tracken, auch auf Gepäckbändern, und ihre Akkus laden zur Not das Mobiltelefon des Besitzers auf. Der Pionier dieser Koffer, Bluesmart, musste zwar 2018 Insolvenz anmelden, hat die Technik aber an den US-Hersteller Travelpro verkauft.

Auf dem Weg zum Flughafen

Von allein zum Flughafen fahren die schlauen Koffer zwar noch nicht, aber wir. Zum Beispiel im eigenen Auto mit Amadeus Ambient Services am Armaturenbrett. Mit Peugeot und Citroën arbeiten wir daran, den digitalen Assistenten so zu entwickeln, dass er die Abflugzeit im Blick behält, es meldet, wenn sich das Gate ändert, und uns vor allem warnt, wenn zum Beispiel ein Stau vor uns wartet. Dann werden die Amadeus Ambient Services Umleitungsempfehlungen geben oder auch einen näher am Terminal liegenden Parkplatz empfehlen und auf Wunsch gleich buchen.

Noch ist der digitale Assistent im Auto eine Vision. Die Vernetzung zwischen Auto und Travel Technology aber ist in vollem Gange.

Am Flughafen

Wer am Flughafen ankommt, möchte nur eins: entspannt und ohne Umwege oder Staus zum Gate. Mit einem Kaffee unterwegs und einem Blick in den Zeitschriftenladen. Es gibt mit CrowdVision bereits ein System, das Flughafengäste sozusagen digital an die Hand nimmt und den kürzesten Weg für sie findet. Dazu müssen die Passagiere sich tracken lassen, das schon, und sie erhalten auf ihre Wünsche zugeschnittene Werbung (zum Beispiel für Kaffeebars oder Buchläden). Aber Tracking ist auf dem besten Weg, eine allgemein akzeptierte Technik zu werden, da die Vorteile eindeutig überwiegen: für die Flughafenbetreiber, die die Menschenströme besser managen, für die Läden, die von den Kunden gefunden werden, und vor allem für die Reisenden, die das bekommen, was sie wollen – den direkten Weg zu Läden und zum Gate.

Auf unserem Weg ins Flugzeug können uns nur zwei Dinge aufhalten: die Sicherheitskontrolle und der Check am Gate (Departure Control). Auch hier gibt es Lösungen, die die Prozesse radikal vereinfachen. Zum Beispiel biometrisches Boarding. Am Flughafen von San José hat Amadeus am 11. Februar 2019 erfolgreich eine Lösung implementiert, die es erlaubt, dass Passagiere ohne Bordkarten-Prüfung an Bord gehen: Eine Gesichtserkennungs-Software registriert die Fluggäste, gleicht die Aufnahmen mit einer Datenbank des US Exit Program ab, gibt den Weg frei und registriert die Passagiere als abgefertigt. Am Flughafen in Los Angeles hat Amadeus auf diese Weise gemeinsam mit der Deutschen Lufthansa das Boarding für einen Airbus A380 mit rund 850 Passagieren in nur 20 Minuten abgeschlossen.

An Bord

Bildschirme an jedem Flugzeug-Sitzplatz mit umfangreichem, individuell wählbarem Unterhaltungsprogramm sind inzwischen auch in der Economy Class üblich. Einen Schritt weiter geht das Darmstädter Unternehmen 3spin. Die Experten für Mixed Reality haben eine Software entwickelt, die während des Fluges live und in Farbe zeigt, wie es um das Flugzeug herum aussieht. Man bekommt einen Ausblick, als wäre das Flugzeug aus Glas. Alle, die wie ich stundenlang die Welt von oben betrachten können, werden den Unterhaltungswert sofort verstehen.

Ein Rundumblick nutzt im Übrigen auch der Fluggesellschaft. Je mehr sie über ihre Passagiere an Bord weiß, zum Beispiel via Amadeus Total Customer Experience zu Essenswahl, gebuchten Zusatzleistungen  oder zollfreien Einkäufen, desto eher kann sie mit ihrem Service darauf eingehen.

Nach der Landung

Am Ende der Passagierbrücke wartet die nächste Kontrolle: die der Pässe. Auch das kann per Gesichtserkennung funktionieren – in Dubai zum Beispiel läuft, wer sich zuvor mit seinen biometrischen Daten registriert hat, nur noch durch einen Tunnel. Innerhalb von 15 Sekunden gleichen Kameras und Rechner die Gesichter mit den angemeldeten Daten ab und geben den Weg für alle frei, für die das System Übereinstimmungen feststellt.

An der Gepäckausgabe melden nicht nur die oben erwähnten schlauen Koffer, wo sie gerade stecken. Auch Amadeus hat smarte Lösungen für das Baggage Tracking entwickelt. Jedes Erfassen eines Gepäckstücks wird in eine Blockchain eingetragen, aus der sich jederzeit herauslesen lässt, wo es zuletzt gesehen wurde. Dazu kommt Blink, eine Anwendung für die Microsoft Hololens: Sie erlaubt es, beispielsweise bei einem No-show nicht mehr das gesamte Gepäck ausladen und identifizieren zu müssen. Vielmehr würde eine Blink-Abfrage reichen, damit der Baggage-Tag des gesuchten Koffers im Blickfeld des Suchenden zu leuchten beginnt.

Aus dem Flughafen heraus

Natürlich wird es auch in Zukunft Flughafenbahnen und -busse, klassische Taxis und Limousinen-Services geben. Die Taxidrohne aber kommt näher. Und zwar konkret: Nicht nur Dubai hat den Betrieb angekündigt, auch Fraport, Betreiber des Frankfurter Flughafens, will in fünf bis zehn Jahren einen Drohnen-Regelbetrieb schaffen.

Wer einen Mietwagen will, muss manchmal lange warten, auch wenn das Fahrzeug lange vorher gebucht wurde – wenn mehrere Maschinen voller Geschäftsreisender gleichzeitig ankommen, bilden sich leicht Schlangen. Einer der Gründe sind die vielen Formalia. Es gibt aber schon erste Ideen, die Prozesse radikal zu verkürzen, zum Beispiel, indem jeder Wagen vor Ausgabe und nach Rückgabe gewogen und rundherum fotografiert wird. Eine KI kann es dann übernehmen, Vorher und Nachher zu vergleichen, eventuelle Kratzer zu dokumentieren und den Benzinverbrauch zu errechnen.

Im Hotel

Einige Hotels bieten den Online-Check-in an: Noch bevor die Gäste am Flughafen in den Mietwagen steigen, haben sie ihr Zimmer bezogen. Ein Sound-Wavelet, also eine kurze Tonfolge, die aufs Mobiltelefon gespielt wird, dient als Zimmerschlüssel.

Und weil Travel Technology vor nichts halt macht, wenden wir uns jetzt den Beinen des Hotelbetts zu. Die finnische Firma Valpas nämlich bietet spezialisierte Beine an, die als Fallen für Bettwanzen fungieren. Diese Tiere werden üblicherweise über das Gepäck eingeschleppt und warten an kühlen, dunklen Orten, bis ein erhöhter Kohlendioxid-Gehalt der Luft eine Frischblut-Quelle anzeigt. Die Tiere folgen dem CO2, versuchen also, ins Bett zu krabbeln – und werden auf dem Weg von den Beinen der Betten gefangen. Da jedes einzelne Bein vernetzt ist, erhält die Hauswirtschaft Meldung, in welchem Zimmer es Wanzen gibt, und kann sie bekämpfen.

Disruption

Was aber, wenn wir es gar nicht erst in unser Zielhotel schaffen, weil ein Flug ausfällt, umgeleitet wird oder so verspätet landet, dass der Anschluss fort ist? Dann schaffen wir es trotzdem ins Zielhotel. Denn Amadeus Disruption Management berechnet automatisch und innerhalb von Minuten für alle von einer Störung betroffenen Passagiere neue Verbindungen, und zwar zu den bestmöglichen Konditionen und so, dass idealerweise niemand stehenbleibt.

Und dafür ist Travel Technology schließlich da: Reisende glücklich zu machen, unter guten wie unter schlechten Umständen. Das hat sich Amadeus auf die Fahne geschrieben. Wie wäre es also mit uns beiden?

 

Über den Autor

Christian Warneck, der seine frühe Kindheit in Boston, USA, verbrachte, studierte Mathematik mit Schwerpunkt Informatik in Darmstadt und lebt heute mit seiner Familie in Bad Homburg. Er arbeitet seit 1992…
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