Realtime wird vieles überrollen

30.07.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Gert-Jan van Wijk

Amadeus Blog: Schneller geht’s nicht: Kaum stand Mitte Juli die Einigung auf ein drittes Hilfspaket für Griechenland fest, gingen die Reisenachfragen für Griechenland durch die Decke. Das haben unsere Datenanalysen sehr deutlich gezeigt. Und wer auf diesen plötzlichen Nachfrageschwenk am schnellsten reagiert und entsprechende Angebote ins Netz gestellt hatte, machte den Punkt beim Kunden. Ein schönes Beispiel für wirkungsvolles Echtzeitmarketing.

Ein bisschen wundert es mich deshalb schon, dass alle Welt erst jetzt über Realtime- oder auch Echtzeitmarketing spricht. Aber besser spät als nie. Denn eines ist klar: Die Vermarktung und Bereitstellung von Content in Echtzeit wird den Markt in Zukunft massiv verändern. Nicht nur, aber gerade in der Touristik. Wer also jetzt nicht die strategisch richtigen Entscheidungen trifft, wird künftig teures Lehrgeld zahlen.

Warum ich mir da so sicher bin? Weil sich schon seit rund fünf Jahren ein Trend abzeichnet, der inzwischen mächtig Fahrt aufgenommen hat und künftig vermutlich vieles einfach überrollen wird: Der Trend zu Mobile, Social und Sharing. In Kombination miteinander entsteht daraus ein Konsumentenverhalten, auf das Unternehmen nur in einer Art und Weise reagieren können – in Echtzeit. Weil Nachfrageentwicklungen immer schneller erkannt werden, weil der Kunde so immer passgenauere Angebote bekommt und weil er diese auch immer schneller einfordert.

Realtime bewegt die Menschen, bewegt die Kunden. Sie surfen im Netz und durch soziale Medien, reagieren in Echtzeit auf Likes, Shares und Empfehlungen. Manchmal zeigen unsere Daten, dass Reiseangebote, die auf diese Art gepusht werden, nach nur wenigen Stunden ausgebucht sind. Wer da erst noch überlegt, ob er überhaupt auf Echtzeit setzen soll, hat schon verloren.

Realtime verändert auch das Reise- und Buchungsverhalten. Das Reisedatum verliert an Relevanz, dafür werden Destination und Reiseart immer wichtiger. Niemand sucht im Netz zuerst nach einem konkreten Reisedatum oder lässt sich in den sozialen Medien von einem konkreten Reisedatum locken. Ob Push oder Pull – den Einstieg in die nächste Urlaubsbuchung finden Menschen über ein Reiseziel, eine Sportart oder ein kulturelles Ereignis. Und das wiederum verändert die Angebotswelt. Denn dank Big und Smart Data wissen wir heute ja schon in Sekundenschnelle, wohin und warum die Leute gerade in den Urlaub wollen. Nicht nur Facebook und Google analysieren und liefern ihre Nutzerdaten längst in Echtzeit an ihre Werbekunden – mit großen Auswirkungen auch auf die Distribution von Werbeformaten und Werbeinhalten.

Heute liegt der Anteil von Realtime Advertising, also dem Ausspielen von Onlinewerbung in Echtzeit, in Deutschland bei rund 15 Prozent an den gesamten Ausgaben für Onlinemarketing. Experten gehen jedoch davon aus, dass dieser Anteil in den nächsten Jahren deutlich steigen wird. Manche Studien sprechen gar von einem Anteil von 40 Prozent in ein paar Jahren.

Verglichen mit anderen Branchen ist die Touristik in diesem Punkt zwar schon sehr weit. Dennoch: Der Realtime-Boom ist auch für die meisten Leistungsträger und Veranstalter noch immer eine ziemliche Herausforderung. Denn sie müssen nicht nur in der Lage sein, ihre Produktplanung immer weiter zu flexibilisieren. Dynamic Packaging ist hier das Stichwort. Sie müssen auch in der Lage sein, die richtigen Daten zu sammeln und diese in Echtzeit zu analysieren. Ich bin deshalb fest davon überzeugt, dass Unternehmen künftig noch deutlich stärker in ihre Analytics-Kompetenz investieren müssen. Denn auch die Konsumentennachfragen werden sich künftig in Echtzeit verändern.

Außerdem müssen die Unternehmen viel mehr testen und ausprobieren. Schließlich gibt es in der Online- und Mobilewelt, und ganz besonders in der Welt des Realtimemarketing, keine in Stein gemeißelten Patentrezepte. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, und selbst dieser kann sich schon morgen wieder grundlegend ändern. Mehr Mut zu Trial-and-Error ist hier die eine Antwort. Vor allem aber muss Onlinemarketing Chefsache werden. Nur wenn der CEO involviert ist und die richtigen strategischen Signale setzt, gibt es genügend Power und Rückendeckung in den Unternehmen, um bei diesen für die Zukunft so überlebenswichtigen Themen nicht den Anschluss zu verlieren. Und, um heute Learnings für morgen zu generieren.

Über den Autor

Gert-Jan van Wijik, von Haus aus Experte für digitale Medien, ist seit Juli 2014 Head of Sales Europe bei travel audience und „eroberte“ seitdem neue Märkte für den Online-Marketing-Spezialisten in…
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