Plädoyer für Gelassenheit

06.10.2015  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Bernhard Brauneder

Amadeus Blog: Im Vergleich zu Deutschland ist Österreich ein kleiner Markt. Beispiel Geschäftsreisen: Der Österreichische Reiseverband (ÖRV) hat für das Jahr 2014 rund 4,1 Millionen Geschäftsreisen ermittelt, während der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) ebenfalls für 2014 auf 175,8 Millionen Reisen kommt. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, zeigen aber die Richtung

Dieser Unterschied bedeutet, dass österreichische Marktzahlen viel empfindlicher sind für Veränderungen und verschiedene Effekte. Im AATIX, dem monatlichen austrian air travel index von Amadeus Austria, können wir das 2015 bisher sehr schön beobachten.

Im AATIX erheben wir anonymisiert alle in Österreich gebuchten Netto-Flugsegmente, die von einer Auswahl österreichischer Reisebüros im jeweiligen Monat über Amadeus gebucht werden, und vergleichen die Zahl prozentual mit dem Vorjahr: Liegen wir drüber? Liegen wir drunter? Das Ergebnis ist repräsentativ für den Flugmarkt zwischen Boden- und Neusiedler See.

Ende August erreichte der AATIX fast das Vorjahresniveau, wenn man die Zeit von Januar (oder Jänner, wie wir in Österreich sagen) bis August kumuliert betrachtet: Das Minus liegt bei 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Chancen stehen gut, dass wir das Jahr 2014 bald überflügeln. Denn seit dem schlechten Start im Januar, als sich die Krise in Osteuropa durch ein Minus von 11,7 Prozent bemerkbar machte, geht die kumulierte Kurve mit leichten Schlenkern, aber insgesamt stetig bergauf.

In der Betrachtung Monat für Monat allerdings springt die Kurve wüst auf und ab – und hier spielen die erwähnten Effekte ihre Rollen. Es war nicht unwesentlich der Kalender, der den Mai um 6,3 Prozent nach unten gedrückt und den Juni um neun Prozent nach oben gezogen hat: Pfingstmontag lag in diesem Jahr schon im Mai – entsprechend hatte dieser Monat einen Arbeitstag weniger, der Juni dagegen einen mehr. Typischer Kalendereffekt, der im Übrigen auch zeigt, wie deutlich sich geschlossene stationäre Reisebüros bemerkbar machen, trotz aller Online-Wettbewerber.

Im Juli und August dagegen war sicher die Sonne schuld: Der ungewöhnlich schöne Sommer hat dazu geführt, dass im Juli viele Verbraucher zu Hause geblieben sind, statt kurzfristig doch noch zu buchen. Im August haben sie das dann offensichtlich nachgeholt. Ein Kalendereffekt ist auszuschließen, da der August 2015 fünf Wochenenden und einen Feiertag hatte, also genau so viele wie 2014.

Wer in Österreich 2015 also nur die Monatszahlen betrachtet, schwankt zwischen Freudensprung und Herzkasper. Monatszahlen sind gut und richtig, aber führen uns auch hier und da ein bisschen in die Irre. Wenn es um Zahlen geht, sollten wir es mit – nein, nicht mit Gemütlichkeit, aber mit Gelassenheit probieren.

Über den Autor

Bernhard Brauneder wechselte am 1. Oktober 2014 als Geschäftsführer zu Amadeus Austria – von einem der größten Kunden: Mehr als 20 Jahre arbeitete er im Lufthansa-Konzern, unter anderem war er…
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