OTDS – kleine Ursache, große Wirkung

04.08.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Steffi Schweden

Amadeus Blog: Nachdem ich die Leitung der OTDS-Geschäftsstelle übernommen hatte, graute mir anfangs ein wenig vor jenem Zeitpunkt auf Partys, an dem die Frage kommt: „Und was machst Du so beruflich?“

In den zwei Minuten Aufmerksamkeitsspanne, die mir dann bleibt, ist es – selbst im Vereinsland Deutschland mit seinen 580.000 (!) Vereinen – kaum vermittelbar, dass es einen Verein für die Förderung eines touristisches Datenformats in der Reisebranche gibt. Die Fragezeichen in den Augen meiner Gegenüber beziehen sich zumeist auf gleich drei Aspekte: Was machen eigentlich Datenformate? Wieso braucht das die Reisebranche? Und was bringt das Ganze?

Die beste Möglichkeit, das auf den Punkt zu bringen, ist der Spruch von der kleinen Ursache mit der großen Wirkung.

Das Einsatzgebiet des Offenen Touristischen Datenstandards (OTDS) scheint sehr limitiert: Es sorgt „lediglich“ dafür, dass die touristischen Angebote von Reiseveranstaltern, Airlines und anderen Leistungsträgern in optimierter Qualität und Quantität an Vertriebssysteme übermittelt werden und so in deren Preisvergleichssystemen für Reisebüros und Reise-Webseiten zur Verfügung stehen. Der Nutzen beschränkt sich damit auf die Datenübermittlung und Angebotsdarstellung für die Touristik. Das klingt nach einem Fragment des Gesamtreisemarktes und nach kleiner Ursache.

Trotzdem macht OTDS einen großen Unterschied zu den bisher verwendeten Datenformaten und erzielt so große Wirkung. Reiseveranstalter, die ihre Angebote in OTDS an die Vertriebssysteme liefern oder ihre Player damit befüllen, profitieren von deutlich weniger Preiskorrekturen im Verlauf der Suchanfrage sowie einer höheren Verfügbarkeit der Reisen. Denn OTDS-Datensätze enthalten alle Informationen, die zur korrekten Preisberechnung, Verfügbarkeitsprüfung, Buchungsanfrage und Buchung sowie zur Darstellung der Produkte erforderlich sind. Außerdem können mit OTDS viel mehr relevante Informationen, Attribute und zusätzliche Leistungen zu einem Reiseangebot übermittelt und dargestellt werden als mit früheren Formaten. Die Kunden im Reisebüro oder vor dem Bildschirm danken es mit einer höheren Abschlussrate.

Technisch schlägt für Reiseveranstalter zu Buche, dass OTDS die Übertragungs- und Verarbeitungszeiten für Datenlieferungen an Vertriebssysteme deutlich reduziert. So können komplette Datensätze oder auch nur von Änderungen betroffene Teile öfter geliefert werden und sind damit aktueller, was wiederum der Datenqualität hilft. Und da OTDS ein marktweiter, ausführlich dokumentierter Standard ist, kann ein und dieselbe OTDS-Datenlieferung an mehrere OTDS-verarbeitende Vertriebssysteme geliefert werden und führt dort in der Regel zu den gleichen Angebotsdarstellungen – erfrischend effizient und mit den herkömmlichen Formaten undenkbar.

OTDS ist im Markt bereits gut etabliert: Gegenwärtig zählt der Verein mehr als dreißig Mitglieder aus nahezu allen Bereichen der Reisebranche. Dazu gehören Reiseveranstalter und Leistungsträger wie Airlines, Bettenbanken und Mietwagenunternehmen, außerdem touristische Vertriebssysteme, Travel-Technology-Anbieter und Verbände. Sie wissen zu schätzen, dass der OTDS als offener, nicht proprietärer Standard kostenfrei zur Verfügung steht. Er ist ein echtes Branchen-Gemeinschaftsprojekt – alle arbeiten mit, alle ziehen daraus Nutzen.

Dass die gesamte Wertschöpfungskette OTDS nutzt und dass damit auch erfolgreich dynamisch paketiert werden kann, ist in meinem Party-Talk meist die Kür und kommt nicht mehr bei allen an. Die Wirkung des Formats ist den meisten zu diesem Zeitpunkt aber schon klar geworden und so dämmert es ihnen, dass auch die nicht-kommerzielle Organisationsform eines eingetragenen Vereins zur Förderung dieses branchenweiten Formats Sinn macht.

Übrigens: Seit ich die Story von der kleinen Ursache mit der großen Wirkung parat habe, mache ich auf Partys richtig gerne Smalltalk mit Unbekannten…

Über den Autor

Steffi Schweden leitet seit 2012 die Geschäftsstelle des OTDS e.V. in Berlin. Die Diplom-Kommunikationswirtin mit tiefem Einblick in die Travel Technology Welt und Strategie-Themen war zuvor im Marketing bei Amadeus…
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