Nicht zu unterschätzen: Das Prinzip Uber

06.08.2015  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Hans-Jürgen Sturm

Amadeus Blog: Facebook? AirBnB? Uber? Kaum zu glauben, aber noch vor ein paar Jahren hätten wir alle den Kopf geschüttelt.

Nie gehört, kenn‘ ich nicht! Denn tatsächlich ist Facebook gerade mal elf Jahre alt, AirBnB sieben und Uber sogar erst sechs. Trotzdem zählen alle drei heute zu den erfolgreichsten Unternehmen – weltweit! Und mehr noch: Ihre Geschäftsmodelle schlagen sich bereits im Sprachgebrauch nieder. Uberisierung ist bereits ein weit verbreiteter Begriff in diesem Kontext.

Aber was genau zeichnet diese Shootingstars aus den USA aus? Uber ist das weltweit größte Taxiunternehmen – ohne ein einziges Taxi zu besitzen. Facebook ist die mit Abstand populärste Mediaplattform – ohne eigene Inhalte zu generieren. Und AirBnB, der größte Anbieter von Unterkünften, besitzt selbst keine einzige.

Doch es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit. Und die ist elementar. Facebook, AirBNB und Uber kontrollieren exakt die Schnittstelle zwischen Konsument und Anbieter. Sie sitzen an der zentralen Schaltstelle, wo über Erfolg und Misserfolg entschieden wird. Sameer Patel, Senior Vice President bei SAP, nennt diese Schaltstelle die „letzte Meile“ und meint damit die entscheidenden Meter zum Kunden. Ein überaus lukrativer Bereich, und entsprechend heiß umkämpft. Selbst in Branchen, von denen man bislang glaubte, sie seien resistent gegenüber neuen Geschäftsmodellen – wie etwa Banken – hat der Wettbewerb um die Hoheit der letzten Meile bereits begonnen. Mit offenem Ausgang. Denn die neuen Big Player erweitern kontinuierlich ihre Einflussbereiche. Facebook beispielsweise besetzt immer stärker den Nachrichtensektor, Twitter greift im Fernsehbereich an und so weiter.

Natürlich könnte man jetzt fragen: Was geht mich das an? Eine Menge, würde ich antworten. Denn den Shootingstars aus den USA ist es gelungen, bereits existierende Infrastrukturen effizienter zu nutzen und so zu ihrem Businesserfolg zu machen. Uber ermöglichte den existierenden Mini-Cab-Fahrern eine bessere Auslastung und damit einen höheren Gewinn (und das obwohl Uber dem individuellen Fahrer weniger zahlt, was nicht gerade imageförderlich ist). AirBnB ermöglicht die Nutzung von verfügbaren, bislang aber nicht genutzten Räumen. Beide Beispiele zeigen: Es lohnt sich sehr, bestehende Geschäftsmodelle aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Und zwar bevor es ein anderer tut.

Treibende Kraft hinter der „Uberisierung“ ist die Digitalisierung. Die verwendeten Tools sind in der Regel Social Media, also Plattformen, die Menschen miteinander in Kontakt bringen, um Dinge effizienter zu organisieren oder überhaupt erst möglich zu machen. Und damit ist auch klar: Das nächste Uber, die nächste Übernahme eines angestammten Geschäftsmodells ist wahrscheinlich nur noch einen Klick weit entfernt.

Es gibt sicher noch viele offene Fragen. Paul Mason hat das im Guardian jüngst sehr treffend formuliert. Aber ich sehe enormes Potenzial in der Digitalisierung von Unternehmen und bin sehr gespannt auf die Zukunft.

Über den Autor

Hans-Jürgen Sturm ist seit 2000 bei Amadeus Germany und seit 2010 bei Global Business Services für den Bereich Collaboration im Konzern verantwortlich. Wie können wir in diesem globalen Umfeld immer…
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