Nachruf auf Louis Arnitz

11.06.2019  /  4 Minuten Lesezeit  /  3 Kommentare
Autor:
Thomas Osswald

Louis Arnitz, Gründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender von i:FAO, war ein Mensch voller Ideen und Tatendrang, eine große Unternehmerpersönlichkeit. Sein plötzlicher Tod am 4. Mai war ein Schock, schreibt Thomas Osswald, der als Vertriebschef von i:FAO viele Jahre eng mit ihm zusammengearbeitet hat.

Die Nachricht vom Tode Louis Arnitz’ hat die Belegschaft von i:FAO wie ein Schock getroffen. Die Formulierung „plötzlich und unerwartet“, oft nur eine Floskel, trifft hier ohne Einschränkungen zu: Louis’ Tod hat sich für uns durch nichts angekündigt, weder durch Krankheit noch durch einen Unfall, ganz im Gegenteil: Louis Arnitz war auch nach seinem Ausscheiden aus dem i:FAO-Management voller Ideen, Projekte und Tatendrang. Er zeigte unvermindert starkes Interesse daran, wie „sein“ Unternehmen sich fortentwickelte und wie es uns ging. Und er war erst 63 Jahre alt.

Genau so, als Quelle von Ideen und erfüllt von großer Energie, kannte ihn die Branche in den 22 Jahren, die es cytric jetzt gibt. Er war Zeit seines Lebens Unternehmer mit Leib und Seele, bemüht um Verbesserung und Perfektion und stets auf dem neuesten Stand der Entwicklungen. Mit seinem Weitblick wusste er genau, worauf es ankommt, welche Trends sich durchsetzen werden, und er hatte zu jedem Zeitpunkt eine klare Vision von seinem Produkt cytric.

Vom Flugbüro zum Avantgarde-Software-Unternehmen

Das gilt seit 1977. Damals gründete er, der im Rahmen eines Studentenjobs als Ticketbote gearbeitet hatte, in Frankfurt am Main das Flugbüro am Opernplatz (FAO), über das er unter anderem die Europatourneen von Bands wie den Rolling Stones organisierte. Aufgrund dieser Erfahrungen entwickelte er sein Reisebüro von 1997 an zu einem Avantgarde-Software-Unternehmen weiter, mit dem er später an die Börse ging (das „i:“ kam durch eine Risikokapital-Beteiligung von 3i zum Unternehmensnamen dazu). Auch Rückschläge wie der nur mäßig erfolgreiche Eintritt in den US-Markt Anfang der 2000er-Jahre ließen ihn unbeirrt. Er setzte seinen erfolgreichen Weg mit außerordentlicher Beharrlichkeit fort.

Zu seinen Verdiensten gehört es, zu einer Zeit, als das Internet immer noch am Anfang stand, ein Online-Produkt entwickelt zu haben, das mit diesem Vorsprung folgerichtig zur führenden Online Booking Engine in Deutschland wurde. Und vor zehn Jahren, als End-to-End noch kein Schlagwort war, kaufte er das Expense-Know-how dazu, um ein intregiertes Produkt für Travel & Expense zu schaffen. Was ihm mit Eleganz gelang. Genau diese Integration führte dazu, dass Amadeus sich für i:FAO zu interessieren begann und mittlerweile mehr als 90 Prozent der Anteile hält.

Amadeus als Partner

Louis Arnitz hat mir erzählt, dass er i:FAO nicht etwa zufällig oder mangels Alternative an Amadeus verkauft hat, sondern sehr gerne und sehr bewusst aus exakt zwei Gründen:

Erstens wusste er, dass i:FAO einen Partner braucht, um auch auf den internationalen Märkten mit cytric erfolgreich zu sein. Wir hatten über Satellitenbüros weltweit gesprochen, aber ihm war klar, das würde dann kein großer Wurf, und „kleines Karo“ war ihm ein Gräuel. Lieber einen Partner, der weltweit eine hohe Reputation und Bekanntheit hat – wie eben Amadeus.

Zweitens wusste er, dass Amadeus gut für die Mitarbeiter ist, weil der Konzern inhaltlich etwas mit cytric anfangen kann. Daher hat er sich auch vollständig aus Management und Gesellschafterkreis zurückgezogen: Nicht nur die Firma, sondern explizit die Mitarbeiter seien – so sagte er mir bei einem der vielen Gespräche auf der Couch in unserer Lounge – bei Amadeus in besten Händen. Das Unternehmen sei „wirtschaftlich kerngesund“ und dort herrsche eine Unternehmenskultur, die den Mitarbeitern sehr zugewandt sei: „Ich bin sicher, Sie und Ihre Teams sind bei Amadeus gut aufgehoben.“

Ein Visionär hinterlässt seine Handschrift

In unserem Unternehmen ist er immer noch präsent. Er hat es nun einmal sehr stark geprägt. Zum Beispiel achten wir unverändert auf das Erscheinungsbild unserer Büros, das ganz klar seine Handschrift trägt. Die Innenausstattung in der Clemensstraße in Frankfurt-Bockenheim ist immer noch modern und wird von vielen Kunden und Gästen positiv erwähnt, obwohl das zugrundeliegende Design vor mehr als 15 Jahren geschaffen wurde. Auch hier war er seiner Zeit weit voraus.

Es sei nicht verschwiegen, dass Louis Arnitz kein einfacher, sondern ein sehr anspruchsvoller Chef war – wie viele Visionäre, die genau wissen, was sie wollen. Pressearbeit hat ihn nicht mehr interessiert, seit eine Fachzeitschrift in einem rundum positiven Artikel nicht „i:FAO“ und „cytric“ geschrieben hatte, sondern „Ifao“ und „Cytric“ (wie in der Presse üblich) – das ging natürlich gar nicht. Aber er brauchte auch keine starke Presse. Sein Produkt hat für sich gesprochen. Und er war extrem gut vernetzt, viele Kunden haben seinen Rat dazu geschätzt, wie man ein Travel Management richtig positioniert.

Louis Arnitz war ein Visionär, Unternehmer – und auch ein Genießer. Luxus und First Class spielten schon eine wichtige Rolle. Privat liebte er seit jungen Jahren das Reisen, mit seiner Frau Monika war er auf der ganzen Welt unterwegs. Er hat das Gros seiner Reisen mit cytric gebucht, dabei die Grenzen des Produkts selbst ausgetestet und zig Entwicklungen angestoßen, weil sie ihm aus eigener, praktischer Erfahrung heraus als relevant für alle Kunden erschienen. Aber neben Luxus und der Begeisterung für unser Produkt standen für ihn immer die Menschen im Vordergrund. Deshalb galt auch bei jedem Treffen nach seinem Ausscheiden bei i:FAO seine erste Frage den Mitarbeitern: „Geht es allen gut? Was macht Kollegin / Kollege …?“, und dann wollte er mehr wissen, wie es uns allen denn so geht.

Louis Arnitz hätte dieser Nachruf nicht gefallen. „Ich bin kein Freund langen Winkens am Bahnsteig“, sagte er mir einmal. Diesem Diktum widersetze ich mich guten Gewissens. Es ist einzig der starken Spezialisierung seines Unternehmens zuzurechnen, dass er nicht allgemein zu den großen Unternehmerpersönlichkeiten in Deutschland gezählt wird. Obwohl fast alle der wirklich großen deutschen Unternehmen sein Produkt nutzen.

Ich werde – nein, wir alle werden Louis Arnitz vermissen.

Über den Autor

Thomas Osswald, Senior Director Commercial bei i:FAO, ist seit zirka 25 Jahren in der Reiseindustrie tätig. Nach seiner Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann und einem BWL-Studium in München arbeitete er in der…
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3 Kommentare

  1. Harry Weiland sagt:

    besser hätte man es nicht sagen können, Herr Osswald.

  2. Bernd Schulz sagt:

    Lieber Thomas, das hast Du sehr schön, sehr einfühlend und sehr korrekt beschrieben

    Danke dafür!

  3. Thomas Wetterer sagt:

    Habe es leider erst gestern erfahren und kann es noch gar nicht fassen.
    Ein guter Nachruf, dem ich nichts hinzufügen kann.

    Danke!

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