Mobilität auf Geschäftsreisen: Barrieren senken!

22.09.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Peter L. Tomes

Amadeus Blog: Mobilität ist „in“ – überall hört man das neue Buzzword. Dabei ist Mobilität überhaupt nichts Neues.

Schon die Hirten der Kurgan-Kultur, die ersten Indoeuropäer, waren vor einigen tausend Jahren mobil und zogen mit ihren Pferdekarren von ihren angestammten Wohnorten am Kaspischen Meer gen Westen.

Heute sind wir ein wenig weiter und nutzen alle möglichen Verkehrsmittel, wobei sich das Verständnis von Mobilität und die Nutzung der vorhandenen Verkehrsmittel in letzter Zeit stark verändert hat. Schauen wir doch mal auf die Faktoren, die zu diesen Veränderungen geführt haben:

Fortschreitende Re-Urbanisierung

Alles strömt in die Städte. Die Jugend, weil das Bildungs- und Arbeitsplatzangebot dort viel besser ist, die Senioren, weil die Infrastruktur auf dem Land immer mehr ausdünnt. Städte verfügen in der Regel über ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz. Das ist wichtig, denn der Individualverkehr wird immer schwieriger zu beherrschen sein – das hat schon London erfahren, wo man inzwischen eine Citymaut von 11.50 Pfund täglich für Autos erhebt.

Verändertes Verhalten der Konsumenten

Insbesondere Vertreter der Generation Y oder Millenials, also alle die im Internet-Zeitalter aufgewachsen sind, geben ihre vorhandenen Mittel anders aus als die Generationen vor ihnen. Besitz ist nicht mehr ausschlaggebend, es geht um Nutzung und Zugriff – zum Beispiel auf Autos, Fahrräder und Unterkünfte. Und zwar in dem Moment, wenn man sie braucht. Dieses veränderte Verhalten beflügelt die neuen Player der Sharing Economy wie Car-Sharing oder Home-Sharing-Anbieter, die mit ihren Konzepten sehr erfolgreich sind. Das gesparte Geld wird dann lieber für andere Dinge verwendet, beispielsweise für die neuesten Kommunikationstools oder für Reisen.

Technologie

Technologie ist der Treiber der neuen Mobilität, denn ohne Internet und Smart-Applikationen wäre sie nicht realisierbar. Nur durch entsprechende Technologie sind lokale oder regionale Anbieter erreichbar, nur dadurch hat der Nutzer sofort Zugriff auf aktuelle, relevante Angebote. Und die Innovationsgeschwindigkeit der technologischen Entwicklung ist nach wie vor rasant. Was gestern Mega- und Gigabytes waren sind heute Tera- und Zettabytes, aus relationalen Datenbanken wurden Cloud, Hadoop Cluster und Big Data. Und ich bin zuversichtlich, dass wir bald Schlangen vor Geschäften sehen werden, wo das neueste Wearable, etwa in Form einer sprechenden Armbanduhr, angeboten wird.

Mobilität ist also ein Phänomen, das sich mit den genannten Faktoren in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Längst geht es nicht mehr nur um einen Weg von A nach B – vielmehr spielen eine (technologisch ermöglichte) lückenlose Konnektivität sowie ein hohes Maß an Personalisierung durch das neue Angebotsspektrum eine entscheidende Rolle.

Gerade auch Unternehmen sind an neuen Mobilitätsangeboten interessiert

Kann doch zum Beispiel durch die Nutzung öffentlicher Transportangebote oder Sharing-Services das Reise-Budget geschont werden. Nur, wie bringt man Geschäftsreisende dazu, den ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) zu nutzen? Gelten doch im Beruf andere Regeln als im Privatleben: Ich muss sicher und pünktlich zu meinem Termin kommen, ich will mich auf der Geschäftsreise nicht zusätzlich mit unbekannten Tarifsystemen stressen. Und ich will auch nicht auf verschiedenen Informationsplattformen herumsuchen müssen.

Es gilt also, Barrieren zu senken

Das geschieht am besten durch eine vollständige Integration von alternativen Mobilitätsangeboten in die klassischen Such-und Buchmaschinen, die von Mitarbeitern genutzt werden, den Online-Buchungstools. Und natürlich gilt es, die Angebote in die entsprechenden mobilen Geräte und in miteinander vernetzte Applikationen einzubauen. Wichtig ist auch, dass bei der Reiseplanung nicht nur Verbindungen angezeigt werden, sondern auch Buchungen direkt möglich sind. Nur dann sind die Barrieren niedrig genug, dass auch Geschäftsreisende in zunehmendem Maße diese Angebote nutzen.

Amadeus forscht intensiv zum Thema Mobilität und entwickelt Lösungen, die alternative Mobilitätsangebote in Zukunft optimal such- und buchbar machen

So führen Experten von Amadeus ein Konsortium an, das für die Europäische Gemeinschaft einen Prototypen einer europaweiten Buchungs- und Ticketing-Plattform für den Schienen-Bodentransport bauen soll, inklusive der „First and last Mile“. Auch mit anderen Teilnehmern der „neuen“ Mobilität wird untersucht, wie deren Angebote am besten in das globale Buchungssystem passen. Keine leichte, aber eine spannende Aufgabe, denn jeder Anbieter hat ein anderes Produkt- und Betriebskonzept. Und am Ende soll ja alles denkbar einfach zu nutzen sein – eben um die Barrieren zu senken!

Über den Autor

Peter L. Tomes war seit 1972 in der Reiseindustrie tätig und bis Juli 2017 bei Amadeus Germany als Head of Provider & Corporate Solutions beschäftigt. In seinem 43-jährigen Berufsleben hat…
Mehr über den Autor

Schreiben Sie einen Kommentar