Mit diesen Trends arbeiten wir

01.12.2016  /  6 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Sie sprechen mit dem Smartphone, fahren mit dem Fernbus, haben „Pokémon Go“ gespielt und kennen Ihre Kinder nur noch als Chat-Avatare? Herzlich willkommen bei den Trends, die sich anschicken, unsere Branche kräftig umzugestalten.

Kein Software-Unternehmen arbeitet im leeren Raum. Wir setzen Kundenaufträge um, entwickeln langfristige Entwicklungspläne, pflegen unsere Schnittstellen und Prozesse – und sind ständig von Trends umstellt, die an uns zerren und „Folg mir, folg mir!“ rufen. Die einen lauter, die anderen leiser, die einen mit Grund, die anderen eher ohne.

Für das Amadeus Technology Forum Mitte November in Bad Homburg haben wir zusammengestellt, welche der vielen Trends um uns herum für uns gegenwärtig die wichtigsten sind. Es sind sechs.

Trend 1: Künstliche Intelligenz

Eigentlich ist es verwunderlich, dass die „Automatisierung intelligenten Verhaltens“ (so die „Wikipedia“-Definition) überhaupt noch ein Trend ist – denn die Technologie dahinter, neuronale Netze, gibt es seit 50 Jahren. Zwei Faktoren aber haben neuronalen Netzen zu ihrer jüngsten Karriere verholfen. Zum einen ermöglichen Graphen-Chips eine neue Dimension der schnellen Datenverarbeitung und eignen sich hervorragend für parallele Berechnungen. Es gibt bereits Netze mit Milliarden von Knoten. Zum anderen brauchen diese ultraschnellen Rechner Futter – und das bekommen sie durch die großen Datenmengen, die wir inzwischen an allen Ecken und Enden des täglichen Lebens erzeugen und die unter dem Schlagwort „Big Data“ firmieren.

Die neue Künstliche Intelligenz ist bereits ganz in unserer Nähe an der praktischen Arbeit. Sie analysiert zum Beispiel Schall für sprachgesteuerte Anwendungen, und sie wirft einen genaueren Blick auf Bilder, als Menschen es können: Eine spezielle Software zur Bewertung von Röntgenbildern trifft die Diagnosen besser als Ärzte mit Hirn und Blut. Wir werden von der Künstlichen Intelligenz noch viel hören. Und sie von uns.

Trend 2: Sharing

Langweilig, jeder kennt Uber und Airbnb, ist das überhaupt noch ein Trend? Doch, ja, denn Diskussion und Evolution der Sharing-Geschäftsmodelle haben gerade erst begonnen. Und das Konzept, einen Markt zu bedienen, ohne in tatsächliche Produktionsmittel zu investieren, macht sich nicht nur in Autos und Wohnungen breit.

Uber ist ein Taxiunternehmen ohne eigene Fahrzeuge, Airbnb ein Unterkunfts-Anbieter ohne eigene Zimmer, Flixbus eine Busfirma, die vor allem mit den Bussen anderer fährt, Facebook ein Medienunternehmen, das weder eigene Zeitungen noch Newsletter produziert, und Spotify ein Radio ohne Plattenschrank.

Wenn Sie also mit Flixbus nach Paris fahren und dort mit Uber zu Ihrer Airbnb-Unterkunft, dabei die „Bild“-Nachrichten auf Facebook lesen und über Spotify Musik hören – dann reisen Sie äußerlich fast so wie vor 30 Jahren mit Zeitung und Walkman im Eurolines-Bus. Sie bedienen aber eine völlig andere Wertschöpfungskette. Damit muss sich Travel Technology auseinandersetzen.

Trend 3: Virtual Reality

Der Begriff wurde 1982 geprägt, noch so ein Trend, der über seinen eigenen Bart stolpert. Oder auch nicht: Sie sollten die Schlangen sehen, die sich bilden, wenn Amadeus an einem Messestand per „HoloLens“ zu einem Spaziergang durch ein nicht existierendes Flugzeug einlädt.

Auch hier gilt, dass die rasante Entwicklung der Hardware und die Verarbeitung enormer Datenmengen erst in jüngerer Zeit Fahrt aufgenommen haben. Während über „Pokémon Go“ kaum noch jemand spricht, werden die praktischen Anwendungen den Alltag verändern. Über die Augmented Reality hinaus, also die Ergänzung der Wahrnehmung durch Computer-Informationen, sind wir mit der „HoloLens“ bereits bei der Mixed Reality angekommen, die echte und künstliche Wirklichkeit miteinander verschmilzt.

Und da geht noch einiges, wie Sie vielleicht wissen, falls Sie unsere „HoloLens“ schon einmal auf der Nase hatten, denn die Darstellung des Flugzeugs ist noch arg pixelig. Eines Tages aber werden Reisebüros ihren Kunden die Kabine auf dem Kreuzfahrtschiff oder den Tagungsraum im Hotel plastisch vorführen können oder sie gleich an einen Strand am anderen Ende der Welt versetzen. Diese Dinge sind bereits auf breiter Front in Arbeit.

Trend 4: Eine Welt ohne Browser

In diesem Jahr wurden weltweit 1,4 Milliarden Mobiltelefone verkauft, und jedes davon wird im Schnitt 3:20 Stunden am Tag benutzt – Computer dagegen nur 40 Minuten. Bis 2020 wird 45 Prozent des weltweiten E-Commerce über mobile Endgeräte laufen – geschätzte 284 Milliarden US-Dollar. 52 Prozent der User steuern ihre Software mit der Stimme.

Und: Alles passiert in den Messengern. WhatsApp zählt mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, der Facebook Messenger 800 Millionen, WeChat 700 Millionen, Kik Messenger 275 Millionen, SnapChat 200 Millionen. Mehr als zehn Millionen Unternehmen betreiben spezielle Nutzerprofile auf WeChat für Kundenservice und Direktmarketing. Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi verkaufte über WeChat in weniger als zehn Minuten rund 150.000 Exemplare eines neuen Modells.

Ja, das sind lauter aus dem Zusammenhang gerissene Zahlen – ich kann es auch aus dem echten Leben gerissen formulieren: Ich habe mir SnapChat heruntergeladen, um mich weiter mit meinen Kindern unterhalten zu können, und wenn sie in der Nähe sind, muss ich genau hinhören, ob sie gerade mit mir reden oder mit ihrem Smartphone (MIT dem Smartphone, wohlgemerkt, nicht ÜBER das Smartphone mit anderen).

Kurz: Sprachgesteuerte Messenger und Chats sind das Ding der Stunde, und sie sind gekommen, um zu bleiben. Amadeus hat daher mit Evature ein Tool entwickelt, um via Chatbots Reisen in laufende Chats hinein anzubieten. Das läuft gerade live in der Testphase. Und jawohl, der Bogen zur Künstlichen Intelligenz mit ihren Analysemöglichkeiten für große Datenströme liegt nahe. Das braucht noch etwas Zeit, wie der lernende Twitter-Bot gezeigt hat, der nach kurzer Zeit anfing, rassistisch um sich zu spucken. Aber die Generation derer, die in ein paar Wochen ihr erstes Smartphone zu Weihnachten bekommen, wird kaum mehr anders zu erreichen sein. Darauf müssen wir uns genau jetzt einstellen.

Trend 5: Tracking

Alles, was Daten erzeugt, kann gespeichert, analysiert und verfolgt werden. Noch tragen wir nicht allzu viele Dinge mit uns herum, die Daten erzeugen, auch wenn es vielen schon reicht. Selbstfahrende Autos und immer schlauere Smartphones sind nicht nur Wortdoppelungen, weil „Automobil“ ja schon „Selbstfahrer“ heißt und „Smartphone“ soviel wie „Schlaufon“. Die Begriffe zeigen, dass die Konzepte sich sozusagen digital selbst überholen, und damit auch die Möglichkeiten des Trackens.

Bisher ist das Verhältnis zwischen dem, der die Daten generiert, und dem, der sie nutzt, noch im Ungleichgewicht. Das wird sich einpendeln: Dann weiß jeder Nutzer, was von ihm getrackt wird und welchen Nutzen er dafür erhält – ein Geschäft wie ein Brötchenkauf. Und Nutzen gibt es: Google zum Beispiel kann mir genau sagen, wo ich mein Auto geparkt habe. Sagen Sie jetzt nicht, Sie hätten Ihren Selbstfahrer (oder Ihr Fahrrad) noch nie gesucht. Und wenn es im Urlaub in einer fremden Stadt war. Schon sind wir mitten in der Reisewelt.

Trend 6: Robotik

Geldautomaten sind fast schon das primitivste Beispiel. Deutschland liegt weltweit auf dem vierten Platz, was den Einsatz von Robotern angeht, Statistiker zählen 300 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter. Wie C3PO oder Wall-E sehen die wenigsten aus, die meisten sind streng funktionsorientiert gestaltet mit dem Sexappeal – eben, eines Geldautomaten. Wo immer sich Prozesse automatisieren lassen, ist schon lange Software unterwegs. Die Hardware holt sichtbar auf.

Einer aber sieht doch aus wie ein Roboter aus dem Bilderbuch: „Pepper“, ein freundlicher Herr aus weißem Kunststoff, der menschliche Emotionen erkennen kann und einen Bildschirm auf dem Bauch trägt. Gemeinsam mit dem Hersteller SoftBank Robotics arbeiten wir daran, Pepper für Reisebüros auszubilden. Er wird keine erfahrenen Expedienten ersetzen können. Aber wenn alle Mitarbeiter im Reisebüro besetzt sind, kann er sich der wartenden Kunden annehmen und mit einer Art Tinder-App die Reisewünsche schon einmal grob vorsortieren. Fast möchte ich sagen: Das ist Travel Technology mit menschlichem Gesicht. Denn Pepper hat tatsächlich ein Gesicht, das verschiedene Ausdrücke annehmen kann.

Das sind sie, die sechs Trends, um die sich Amadeus gerade intensiv kümmert. Wenn Sie bis hierher gelesen haben, sind Sie hoffentlich ein bisschen schlauer und können jetzt treffsicher sagen: Habe ich diesen Text selbst geschrieben?

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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