Mathematik und Management

13.02.2018  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Monika Wiederhold

Amadeus Blog: Monika Wiederhold, Vorsitzende der Geschäftsführung von Amadeus Germany, hat unter anderem Mathematik studiert und Ölbilder zu mathematischen Motiven gemalt. Sie wird immer wieder darauf angesprochen, was Mathematik und Kreativität für ihre tägliche Arbeit bedeuten. Hier ist die Antwort, die sie „Carta 2020“ gegeben hat, dem Magazin des Stifterverbands.

Mathematik und Kunst haben einiges gemeinsam. Beide Disziplinen erfordern Kreativität. Beide stützen sich auf einen Kanon traditioneller Werkzeuge, sind aber am spannendsten, wenn sie uns auf elegante Weise auf neues Terrain führen.

Mit Mathematik habe ich mich schon in der Schule gerne beschäftigt. Das Studium hat mir viele Freiheiten gelassen und mein strukturiertes Denken geschult. Dabei habe ich Mathematik schon immer plastisch als Farben, Flächen und sehr bunt wahrgenommen. Der Anstoß, das zu malen, folgte erst einige Jahre nach dem Studium. Damals kam ich mehrfach an einem Atelier vorbei, das mich inspiriert hat.

Mein erstes Bild war eine geordnete Menge aus der Verbandstheorie, es folgten Bilder zur abzählbaren und überabzählbaren Unendlichkeit und zu verschiedenen Theoremen.

Nach dem Studium habe ich als Dozentin an der University of Massachusetts und bei einem Meinungsforschungsinstitut in Uruguay als Statistikerin gearbeitet. Danach war meine erste Position im  Lufthansa Konzern ebenfalls mathematisch geprägt, es ging um die Optimierung der Flugpläne und die Simulation von Reservierungssystemen. Nach meinem Executive-MBA-Studium habe ich dann meinen Beruf gewechselt: Ich bin seit 20 Jahren Managerin. Das analytische und logische Denken einer Mathematikerin ist mir dabei stets eine große Hilfe – aber auch kreative Ansätze sind oft richtungsweisend. Die schnelle Erfassung von quantitativen Zusammenhängen ist in allen Managementpositionen für mich genauso nützlich wie die Fähigkeit, Sachverhalte in Zukunftsszenarien zu projizieren, um sie für die Strategieentwicklung einzusetzen. Beides kann ich in meiner aktuellen Position bei Amadeus Germany regelmäßig einsetzen.

Meine Malerei ist mir auf meinem Berufsweg gefolgt. Mathematische Motive habe ich schon lange nicht mehr gemalt, sondern ich interpretiere persönliche Interviews mit Managern. Ich nehme mir viel Zeit dafür, spreche lange mit ihnen und setze das Ergebnis in großen und bunten Bildern um. Analyse, Logik und eine präzise Vorbereitung spielen dabei eine große Rolle.

Das Thema, das Amadeus – wie viele andere Unternehmen auch – derzeit am meisten beschäftigt, ist die Digitalisierung und ihre Branchenauswirkungen. Auch da merke ich, wie hilfreich meine fundierten theoretischen Grundlagen des Mathematik-Studiums sind, da natürlich viele Digitalisierungsthemen wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz auf Mathematik beruhen.

Die Digitalisierung ist ein spannendes Feld, weil sich hier das Technische und das Kreative kombinieren lassen, zum Beispiel wenn es um neue Geschäftsfelder geht oder um digitale Strategien. Die Digitalisierung, davon bin ich überzeugt, wird unser Leben so grundlegend verändern wie die Erfindung der Dampfmaschine.

Digitalisierung und damit auch Mathematik prägt unser Leben und Arbeiten immer stärker – heute und in der Zukunft. Gerade deshalb finde ich es unverständlich, wie unterrepräsentiert die notwendigen Grundlagen und Fächer in den Lehrplänen unseres Bildungssystems sind.

Über den Autor

Monika Wiederhold ist seit April 2017 Vorsitzende der Geschäftsführung der Amadeus Germany GmbH mit unternehmerischer Gesamtverantwortung für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz. Seit Mai 2018 ist sie zudem als…
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