Macht die Apps schlanker!

21.08.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Ralf Siewert

Amadeus Blog: Wer eine App entwickeln möchte, eine Reise-App oder jede beliebige andere, steht vor zwei grundlegenden Entscheidungen.

Erstens: Welchen Funktionsumfang soll das Programm bieten? Und zweitens: Welche technische Architektur ist die richtige – eine native App, eine Web-App oder eine hybride App?

Zunächst zur Architektur. Native Apps sind solche, die speziell auf ein Betriebssystem hin programmiert werden. Sie nutzen Funktionsweise und Möglichkeiten zum Beispiel von iOS optimal und bieten viele Möglichkeiten, aktiv auf die Nutzer zuzugehen („push“). Genau deshalb muss diese iOS-App für andere Betriebssysteme, etwa Android, vollständig neu programmiert werden. Das ist natürlich aufwändig, aber der Königsweg der App-Entwicklung.

So genannte Web-Apps sind eigentlich gar keine Apps, sondern Webseiten im Responsive Design, die sich automatisch an das benutzte Endgerät anpassen und auf den ersten Blick wirken können wie eine App. Sie lassen sich relativ einfach programmieren und auch aktualisieren, sind aber im Appstore nicht zu finden, laufen nur so schnell wie die Internetverbindung und bieten keine Möglichkeit, aktiv auf die Nutzer zuzugehen. Sie sind „pull“.

Deswegen erfreuen sich hybride Apps als Kompromiss großer Beliebtheit. Im Unterschied zu nativen Apps, deren Struktur und Design (einfach ausgedrückt) vollständig auf dem Mobilgerät geladen sind und die beim Aufrufen lediglich das Laden aktueller Daten von einem Server erfordern, verhalten sich hybride Apps wie eine Website, deren Struktur, Aussehen und Inhalte immer wieder neu von einem Server geladen werden. Hybride Apps sind günstiger in der Entwicklung und können schneller adaptiert werden, aber nicht so optimiert wie native Apps. Welche Funktionen und Inhalte nativ programmiert und welche über das Netz eingespielt werden, ist Sache von Anspruch und Budget.

Wenn wir mit unseren Kunden darüber diskutieren, empfehlen wir Apps statt Web-Apps. Der US-amerikanische App-Anbieter Flurry Analytics hat herausgefunden, dass 2014 die Nutzungsdauer von Apps zu der des mobilen Internets im Verhältnis 86:14 stand. Ja, die Zahl kommt von einem App-Entwickler – aber der Trend ist klar: Apps sind einfach beliebter.

Und wir empfehlen, die App so stark wie möglich nativ zu gestalten. Die Unterschiede zwischen nativen und hybriden Apps werden in den kommenden Jahren möglicherweise verwischen, noch aber sind sie spürbar – in den Reaktionszeiten zum Beispiel oder in der Bedienbarkeit. Wichtiger aber ist: Erst Push-Nachrichten machen aus einer App ein Kundenbindungs-Instrument. Erst wenn ich meine Kunden (mit deren Einverständnis) aktiv anspreche, bringe ich mich in Erinnerung und kann mit meinem Service punkten. Das aber geht nur mit nativer Programmierung. Und das muss nicht unbedingt teuer sein.

Was wir ebenfalls aus vielen Kundenbesprechungen mitnehmen, sind ausgefeilte Ideen zur App-Erweiterung. Während eines gut gelaunten Brainstormings lässt sich die zentrale Idee der Reise-App beliebig in alle Richtungen fortdenken. Wenn die App den kompletten Reiseplan abbildet, so ein tatsächlich erlebtes Beispiel, dann müsste sich daraus doch zum Beispiel ein Reisetagebuch gestalten lassen, in das die Nutzer ihre Urlaubsfotos einpflegen.

Und genau da möchten wir oft gern Stopp! rufen. Eine App sollte natürlich alle Funktionen umfassen, mit der sie ihren Zweck erfüllt, aber nicht überladen sein – Platz ist auf Mobilgeräten die wertvollste Ressource. Um beim Beispiel zu bleiben: Für die Verwaltung von Fotos nutzen viele Menschen sowieso spezialisierte Apps oder die Fotoverwaltungen der Betriebssysteme. Die bieten zudem so viele Funktionen, wie eine Reise-App es nie könnte. Daher sind Fotofunktionen in Reise-Anwendungen überflüssig.

Das Stichwort „Single-Purpose App“ macht es klar: Der Trend geht nicht nur zu Apps, sondern auch eher zu einer Vielzahl spezialisierter Programme als zu umfassenden Riesenanwendungen, die alles können. Das Mobiltelefon ist wie ein Schweizer Taschenmesser – eine App pro Funktion. Einer der Gründe: Es ist auf Smartphones einfacher, zwischen verschiedenen Apps zu wechseln, als innerhalb einer App über das Menü eine andere Funktion aufzurufen.

Mein Fazit: Macht die Apps schlanker! Damit meine ich nichts anderes als das gute alte Kerngeschäft. Wer sich darauf konzentriert, kann (auch mit überschaubarem Budget) glänzende native Apps bauen und sie relativ einfach auf dem neuesten Stand halten.

Unternehmen, die ihre Kern-App gut beherrschen und ihre Kunden damit zur richtigen Zeit ausgefeilten Service bieten, gewinnen ein kaum zu schlagendes Instrument der Kundenbindung.

Über den Autor

Ralf Siewert hat 1997 pixell mitgegründet, ist einer der Geschäftsführer und seit 2009 vor allem für die mobilen Lösungen des Hauses verantwortlich. pixell gehört seit 2010 zu Amadeus und hilft…
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