Liebe Stiftung Warentest

04.08.2016  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Nicole Zapp

Amadeus Blog: Sie ignorieren, dass Technik Geld kostet.

Sie haben wieder einmal die Online-Buchung von Flügen gestestet. Das ist nicht nur Ihr gutes Recht, sondern Ihre Aufgabe. Zu den Ergebnissen will ich mich nicht äußern, das sind alles unsere Kunden. Ich vertraue darauf, dass Sie Ihre Arbeit sauber erledigt haben.

Allerdings finde ich einige Ihre Folgerungen sehr problematisch

Sie schreiben: „Wenn Sie online einen Flug buchen, sollten Sie zunächst über Preisvergleichsportale ermitteln, welche Fluggesellschaften Ihre gewünschte Strecke anbieten und günstige Preise haben. Buchen Sie den Flug dann direkt bei der Fluggesellschaft.“ („Test“, Heft 8/2016, Seite 79, ähnlich auch in Ihrer Pressemitteilung, mehrfach von der Presseübernommen)

Es hat seinen Grund, dass Flüge über die Websites der Fluggesellschaften oft günstiger zu haben sind als über ein Internet-Portal. Das hat damit zu tun, dass die Airlines seit einigen Jahren keine Provision mehr zahlen, wie Sie selbst schreiben, und so alle Arten von Reisebüros zu Serviceentgelten zwingen. Das hat außerdem damit zu tun, dass Portale Preisvergleiche anbieten. Und das kostet Geld.

„Da bei den Airlines nur die Flüge der eigenen Allianz durchforstet werden können, sind die Suchmöglichkeiten begrenzt“, schreiben Sie (Seite 80). Völlig korrekt. Die Reiseportale dagegen nehmen die Arbeit auf sich, die Flüge einer großen Zahl von Airlines vergleichbar zu machen. Sie kaufen die dazu nötige, hochkomplexe Such- und Vergleichs-Technik, zum Beispiel von Amadeus, sie halten Datenbanken und Online-Speicher vor, sorgen für Reaktionszeiten von wenigen Millisekunden und wickeln das alles mit einem hohen Maß an Online-Datenverkehr ab.

Jeder einzelne dieser Punkte kostet Geld: Software, Speicher, Leitungen, Traffic –

und zwar zu Recht, denn das ist hochmoderne Technik. Das Ergebnis ist ein zunächst kostenloser Service für die Portalkunden: der Preisvergleich. Doch während auf den Airline-Websites die Kosten für die eigene Software, die eigenen Speicher und so weiter schon in die Flugpreise eingerechnet sind, müssen Portale ihre Technikkosten während der Buchungen über Serviceentgelte zusätzlich in Rechnung stellen. Das geht nicht anders – wie erwähnt zahlen die Fluggesellschaften keine Provisionen mehr an Reisebüros. Das Serviceentgelt ist also genau das, was der Name sagt: ein Entgelt für Service, nämlich den Service des Überblicks und des Vergleichs.

Wenn Sie empfehlen, auf Flugportalen nur zu vergleichen, um dann auf Airline-Websites zu buchen, dann bescheren Sie den Portalen Kosten ohne Nutzen und den Airlines Nutzen ohne Kosten

Ich finde das problematisch – mit Ihrer Empfehlung verzerren Sie den Wettbewerb zugunsten der Fluggesellschaften. Außerdem zementieren Sie weiter den großen Irrtum, Technik koste nichts.

Statt also „Da billiger!“ zu rufen, wäre es vielleicht sinnvoller zu erklären, dass Flugportale bei allen Kritikpunkten einen sehr nützlichen Service bieten, nämlich Orientierung, Überblick, Vergleich. Und dass der sein Geld wert ist.

Mit freundlichen Grüßen

Nicole Zapp

Über den Autor

Unit Manager Key Account Management e-Commerce, Amadeus Germany
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