Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

17.10.2017  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Daniel Monhof

Amadeus Blog: Digitale Arbeitsnomaden werden die Arbeitswelt verändern, davon ist Daniel Monhof überzeugt. Außerdem stellen sie ganz eigene Anforderungen an das Reisen. Ein Lagebericht.

Noch leicht verschlafen stehe ich auf dem Deck der Pullmantur Monarch. Es ist kurz nach 7 Uhr morgens, soeben haben wir in Colón an der Nordküste Panamas angelegt. Hinter mir liegen zwei intensive und spannende Wochen, die ich als Teilnehmer der Nomad Cruise V an Bord eines Kreuzfahrtschiffs verbracht habe. 260 Teilnehmer aus 36 Ländern, 40 Workshops, 24 Talks und unzählige spontan entstandene Meet-Ups und Diskussionsrunden, dazu viel Netzwerken, Austausch, Gespräche. All das hat die Konferenz der Digitalen Nomaden für mich zu einem erfolgreichen Erlebnis gemacht, beruflich wie privat. Und so blicke ich mit eher gemischten Gefühlen dem Moment entgegen, in dem ich das Schiff verlassen werde – und damit auch die Blase, die sich gefühlt um uns herum gebildet hat.

Nische oder Trend?

Eine meiner Aufgaben war es, herauszufinden, ob ortsungebundenes Arbeiten nur etwas für eine kleine Gruppe von Aussteigern ist, denen viel freie Zeit mehr wert ist als ein sicheres Einkommen. Sprechen wir von einer Nische oder sind die heutigen Digitalen Nomaden Vorreiter einer Entwicklung, die die Arbeitswelt deutlich verändern wird?

Letzteres ist der Fall, davon bin ich nach den zwei Wochen überzeugt. Entgegen des üblichen Klischees arbeiten Digitale Nomaden sehr viel und intensiv an ihren Projekten und haben nicht zwangsläufig mehr Freizeit als ortsgebundene Arbeitnehmer. Der Unterschied liegt in der Selbstbestimmtheit des Arbeitens und der Freiheit, selbst darüber zu entscheiden, wann, wo und wie Aufgaben zu erledigen sind. Es wird nicht gearbeitet, weil es „Zeit zum Arbeiten“ ist, sondern weil Dinge erledigt werden müssen. Es geht um das Ergebnis der Arbeit. Leistung, nicht Anwesenheit, ist der Maßstab für Erfolg.

Immer mehr Menschen wollen dieses Mehr an Selbstbestimmtheit und örtlicher Ungebundenheit. Die Szene wächst deutlich und der technologische Fortschritt (Smartphones, Laptops, schnelles Internet fast immer und fast überall) schafft die Grundlagen und ganz neue Möglichkeiten. Ich habe Menschen getroffen, die fest bei einem Unternehmen angestellt sind, gleichzeitig aber volle Autonomie über Arbeitszeit und -ort haben. Und Menschen, die ganze Unternehmen vollkommen remote führen, ohne festes Büro und feste Arbeitszeiten, trotzdem mit siebenstelligen Umsätzen und hohen Gewinnen.

Unternehmen müssen umdenken

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Frage, was „traditionelle‘“ Unternehmen attraktiv macht für eine Zusammenarbeit mit Digitalen Nomaden. Für mich ist in den zwei Wochen sehr deutlich geworden: Es braucht ein Umdenken und einen (Unternehmens-) Kulturwandel – da waren sich auch alle Teilnehmer meines Workshops „The Future of Work – How to connect Digital Nomads with Traditional Corporations“ einig. Denn die meisten Digitalen Nomaden sind grundsätzlich bereit für eine Zusammenarbeit – aber nur die wenigsten Unternehmen. Vertrauen muss an die Stelle von Kontrolle treten, Ergebnisse an die Stelle von Arbeitszeitkonten. Recruiting und Training müssen sicherstellen, dass die richtigen Leute mit an Bord sind, die die passende Einstellung und die notwendige Selbstdisziplin mitbringen, um Ergebnisse in der erforderlichen Qualität und fristgerecht zu liefern.

Was Vielreiser tatsächlich bewegt

Was bleibt darüber hinaus noch an Erkenntnissen? Zum Beispiel viele aufschlussreiche Einblicke, wie Menschen, die den größten Teil ihres Lebens reisen, recherchieren und sich informieren, wie sie ihre Reisen organisieren und buchen, welche Technologien und Anbieter hierbei eine Rolle spielen (und welche nicht!). Die intensiven Diskussionen mit den Teilnehmern meines Workshops “Innovation in Technology for Travel – a Think Tank” haben hier viele gute Ideen und Ansätze hervorgebracht. Mehr dazu demnächst hier im Amadeus Blog.

Über den Autor

Daniel Monhof ist im Bereich Business Development bei Amadeus Germany seit Mitte 2015 auf der Spur interessanter Zukunftsperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, die weit über den reinen GDS-Horizont hinausgehen. Sein sportliches Hobby,…
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