KI: Reisebranche muss Allianzen schmieden

18.07.2018  /  2 Minuten Lesezeit

Academy: Ohne die Nutzung der Künstlichen Intelligenz machen sich Reisebüros nach Meinung des Netzökonomen Holger Schmidt überflüssig.

Porträt eines Mannes
Dr. Holger Schmidt beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den ökonomischen Aspekten der Digitalisierung. Zunächst als Wirtschaftsjournalist für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, heute als Kolumnist für das Handelsblatt und Dozent an der TU Darmstadt. Er ist gefragter Speaker für die Digitalisierung und betreibt den Blog „Netzökonom“ (netzoekonom.de).

Amadeus Magazin: Künstliche Intelligenz (KI) – was ist das?

Holger Schmidt: Ein stark wachsender Teilbereich der Informatik, der Aspekte des menschlichen Denkens auf Computer überträgt und auf diese Weise Maschinen baut, die eigenständig Probleme lösen können. Noch einfacher: lernende Maschinen.

Amadeus Magazin: Inwiefern tangiert das die Reisebranche?

Schmidt: KI als Basistechnologie verändert alle Wirtschaftsbereiche. Einsatzfelder für die Reisebranche könnten digitale Assistenten sein, die Reisenden das Leben erleichtern. Zum Beispiel nur die Hotels heraussuchen, die den Vorlieben entsprechen. Reisebüros können mit Hilfe der KI ausgefeilte Empfehlungssysteme einsetzen, um ihren Kunden passgenaue Produkte zu verkaufen.

Amadeus Magazin: In welchem Bereich der Reisebranche wird KI bereits eingesetzt?

Schmidt: Besonders spannend finde ich KI-Systeme, die Kunden den günstigsten Flugpreis im Zeitverlauf anzeigen, indem sie riesige Datenmengen in Echtzeit verarbeiten. Ein gutes Beispiel dafür ist das kanadische Startup Hopper, das seine Kunden per SMS benachrichtigt, wann die gewünschte Reise am billigsten ist. Google Flights nutzt diese Technologie übrigens auch.

Amadeus Magazin: Mit welchem Erfolg?

Schmidt: Hopper gehört zu den schnellstwachsenden Startups in der Reisewelt, weil der Nutzen für die Anwender sofort klar wird.

Amadeus Magazin: Wann wird KI in der Reisebranche flächendeckend Anwendung finden?

Schmidt: KI gibt es seit 40 Jahren, macht aber erst seit 2012 enorme Fortschritte. Daher stehen wir noch ganz am Anfang. Aber in fünf bis zehn Jahren wird KI in fast jedem Stück Software vorkommen – auch in der Reisebranche.

Amadeus Magazin: Sollte die Reisebranche das Thema fürchten – oder sich freuen?

Schmidt: KI kommt auf jeden Fall. KI macht die Kunden schlauer und die digitale Konkurrenz besser, eröffnet der Reisebranche aber auch unzählige neue Möglichkeiten. Wer diese Chancen zuerst nutzt, verschafft sich Wettbewerbsvorteile. Fürchten oder Warten bringen also nichts.

Amadeus Magazin: Macht KI die Reisebüros überflüssig?

Schmidt: Wenn die Reisebüros digitale Technologien wie KI nicht nutzen, um ihren Kunden bessere Angebote zu machen, dann Ja.

Amadeus Magazin: Also unbedingt einsteigen?

Schmidt: Ja, denn das Risiko besteht in abwandernden Kunden, die an anderen Stellen mithilfe der KI besser bedient werden. Angebote wie Hopper bedienen das Grundbedürfnis, möglichst günstig zu verreisen. Warum sollten Reisebüros diese Leistung nicht auch erbringen, verbunden mit der Beratung?

Amadeus Magazin: Wie viele Daten müssen Reisebüros von wem sammeln?

Schmidt: Wenn jedes Reisebüro sich einzeln die Erlaubnis vom Reisenden holt, um mithilfe der Daten personalisierte Angebote zu erstellen, wird es kompliziert. Hier ergibt die Beteiligung der Branche an Log-in-Allianzen wie Verimi oder Net-ID mehr Sinn.

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