Kann meine App mich nach Hause bringen?

12.01.2016  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Peter L. Tomes

Amadeus Blog: „Market of One“ – noch so ein Schlagwort, mit dem die Marketingstrategen die große, komplexe Welt noch etwas größer und komplexer machen. Oder?

Nein. Während viele andere Modevokabeln nur heiße Luft sind, geht es hier ganz buchstäblich um Produkte, die nur für eine einzige Person bereitgestellt werden. Das aber massenhaft. Im Geschäftsreisemarkt sind wir auf dem besten Weg dazu.

In dem Maß, in dem mobile Technologien dazulernen und immer mehr Reiseprodukte in Onlinesystemen buchbar und vor allem auch abrechenbar werden, in diesem Maß können kluge Apps einen immer feiner geschnittenen und präziser gewürzten Produktmix zusammenstellen.

Wie könnte das aussehen? Zum Beispiel werden künftige Geschäftsreise-Apps erkennen, wo sich Reisende gerade aufhalten. Sie zeigen für das informelle Kundentreffen am fernen Zielort die nächsten Restaurants, die den persönlichen Präferenzen entsprechen, die von Kollegen gut bewertet wurden und gerade geöffnet sind. Sie bringen mich nach Hause, wenn der Flug ausfällt, der Zug mit Lokschaden liegenbleibt oder – warum nicht? – der Fernbus mit Motorschaden. In Zukunft werden Apps in solchen Fällen selbstständig die nächste Reisemöglichkeit suchen, und zwar innerhalb der Reiserichtlinien.

Vor kurzem hat meine Kollegin Uta Martens hier den Unterschied zwischen Personalisierung und Individualisierung erklärt. Während Personalisierung bedeutet, für eine Zielgruppe die richtigen Standardprodukte zu finden und die (möglichen) Kunden mit Namen anzusprechen, geht es bei der Individualisierung um den individuellen Zuschnitt eines Produkts. Genau das steht im Geschäftsreisemarkt vor der Tür.

Amadeus hat dafür das Schlagwort Managed Travel 3.0 geprägt: die volldigitale, auf mobilen Anwendungen basierende, alle Unternehmensvorgaben erfüllende Geschäftsreise. Dahinter stecken natürlich Daten, nämlich Reisehistorien, bevorzugte Airlines und Hotels, vorgeschriebene Buchungsklassen und viele andere Dinge mehr – sowie umfangreiche Algorithmen, die diese Informationen situationsbezogen anzuwenden wissen.

Klar gibt es die Möglichkeit superpersönlicher Produkte schon lange, seien es ein Maßanzug, das individuell ausgestattete Auto beim Autohändler oder das per App komponierte Frühstücksmüsli. Das sind aber Bestellungen, die Kunden wählen aus. Managed Travel 3.0 bedeutet die automatisierte Produktion und Vorselektion zum Zweck des Angebots – für einen Markt von der Größe n = 1.

In etwas fernerer Zukunft werden Apps durch einen bloßen Kalendereintrag alles wissen, was sie brauchen, um eine Geschäftsreise komplett zu planen, und zwar so, dass auch die Controller zufrieden sind. Das ist ein ganz anderer Schnack als ein lustiges Müsli zu mischen. Es bedeutet wieder einmal, eine Vielzahl von Arbeitsschritten hinter die Kulissen zu verlagern. Vorne lächelt eine einfach zu bedienende App.

Managed Travel 3.0 und der „Market of One“ machen also die große, komplexe Welt nicht größer und komplexer, sondern einfacher. Ich freue mich darauf.

Über den Autor

Peter L. Tomes war seit 1972 in der Reiseindustrie tätig und bis Juli 2017 bei Amadeus Germany als Head of Provider & Corporate Solutions beschäftigt. In seinem 43-jährigen Berufsleben hat…
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