Je früher man einen Fehler findet, desto besser

03.12.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Torsten Weiler

Amadeus Blog: orsten Weiler, QA-Manager (Qualitätssicherung) bei Amadeus Germany läuft privat erfolgreich Marathons und fühlt sich jetzt beruflich in Sprints zuhause.

Im vierten Interview zu den Rollen in der agilen Software-Entwicklung geht es um den QA-Manager. Einen übergreifenden Artikel zum Thema inklusive Tipps für die eigene Arbeit finden Sie hier im aktuellen Amadeus Magazin.

Was ist dein Job und was ist daran agil?

Ich bin QA-Manager und bringe mein Spezialwissen im Testmanagement in agile Teams. Seit Anfang 2014 arbeite ich für das Projekt „Leisure Evolution Flug“ innerhalb von Amadeus Tour Market. Ich organisiere die Testfälle bzw. die Testabdeckung, die Releaseloads  und deren Abnahmen, um letztendlich die Software-Qualität sicherzustellen. Je früher man einen Fehler findet, desto günstiger und damit besser. Bei der agilen Software-Entwicklung testen wir daher kontinuierlich mit. Es gibt flexible anstatt starre Prozesse, und wir arbeiten sehr stark teamorientiert. Nach jedem Sprint kann der Kunde in einer Demo bereits Entwicklungsergebnisse sehen und danach auch selbst testen, um seine Wünsche dann konkret einzubringen. Funktionen entstehen nach jedem Sprint-Abschnitt (drei bis vier Wochen), man fängt einfach an und wartet nicht, bis das Produkt dem Kunden fertig vorgesetzt wird. Man lässt das Produkt mit dem Kunden entstehen und schaut, was gut funktioniert und was nicht, um dann direkt daran weiterzuentwickeln bis zum vereinbarten Funktionsumfang.

Wie geht es dir in deiner Rolle? Gab es Hindernisse zu überwinden?

Anfangs war meine Rolle noch etwas unklar und QA noch nicht so richtig integriert. Wir mussten bestimmte Abläufe erst entwickeln. Beispielsweise müssen auch alle Zulieferer wie Produktmanagement, interne und externe Entwicklungseinheiten, Entwicklungs- und Testinfrastruktur agil passend sein. Mittlerweile hat sich das meiste eingespielt, und wir gehen die Änderung von Strukturen an. Es ist ein ganz anderes Arbeiten – nicht jeder arbeitet für sich, sondern alle gemeinsam an einem vereinbarten (Sprint-) Ziel. Wir haben an Scrum-Schulungen teilgenommen und sind Teil des agilen Prozesses geworden. Für meine persönliche Rolle brauche ich schon auch diplomatisches Geschick. Ich stehe quasi zwischen Produktmanagement und Sales – die möglichst schnell Ergebnisse liefern möchten – und den Kollegen im Development, die gefundene Fehler möglichst schnell korrigieren sollen. Dazu wird im Team jetzt konstruktiv diskutiert, sodass wir ein gemeinsames Verständnis bekommen und ich auf der Basis entscheiden kann, wann beispielsweise ein Release einen bestimmten Qualitätsstatus erreicht hat und eingeführt werden kann.

 

Was lässt sich noch optimieren?

Teammitglieder lassen sich nicht immer zu 100 Prozent freistellen für die agilen Teams, sie arbeiten häufig auch noch in der anderen Welt, in anderen Projekten. Und bei Kundenprojekten spielen teilweise noch firmenpolitische Aspekte hinein. Daher versuchen wir, alle nicht Scrum-bezogenen Punkte bzw. Themen in andere Meetings zu verlagern, damit wir uns im Scrum auf die rein arbeitsbezogenen Dinge konzentrieren können.

Welche Kernwerte der Methodik sind dir besonders wichtig? Wie zeigen sie sich?

Die Teamarbeit und die Fokussierung auf die gemeinsame Vision. Die Zusammenarbeit wird automatisch enger, auch über Abteilungen hinweg, und ist erfrischend angenehm. Ich habe jetzt mit Kollegen zu tun, die vorher weit weg waren, und lerne so auch deren Tätigkeitsfelder kennen. Daraus kann ich häufig Erkenntnisse für meine eigene Arbeit mitnehmen. Auch mit Kunden arbeiten wir enger zusammen, und im Laufe der Zeit wächst das Vertrauensverhältnis. Besonders wichtig ist mir auch das lösungsorientierte Arbeiten. Wenn ein Fehler passiert – und Fehler gehören in der agilen Kultur zum Innovationsprozess einfach dazu –, geht es nicht darum, den Schuldigen zu finden, sondern wir suchen gemeinsam nach einem Lösungsweg.

Könnte man Elemente aus der agilen Arbeitsweise auch auf andere Bereiche übertragen?

Auf alle Fälle auf Bereiche mit komplexen Themen und vielen Schnittstellen. Das gemeinsame elektronische Scrum/Kanban Board (JIRA), mit dem wir unsere Arbeiten verwalten und dokumentieren, lässt sich  auch gut in anderen Projekten oder für Linientätigkeiten einsetzen.

 

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Über den Autor

Torsten Weiler, QA-Manager (Qualitätssicherung Software) bei Amadeus Germany, leidenschaftlicher Ausdauer-Sportler (Ironman-Triathlon, Marathons), startete 1996 als Ingenieur für Netzwerktechnik und wechselte 2001 in den Bereich Software-Qualitätssicherung (ISTQB Certified Advanced Level). Seit…
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