Innovation – warum es mehr als nur gute Ideen braucht

20.01.2016  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Daniel Monhof

Amadeus Blog: Urlaub direkt im Auenland buchen oder doch lieber gezielt entscheiden, welche Hotspots genau meine Wünsche erfüllen? Dahinter stecken zwei Produktideen: TravelCast und Heatmap. Daniel Monhof aus dem Bereich Business Development bei Amadeus Germany beschäftigt sich mit Innovationen und dem Weg von der Idee zum Produkt, der immer über Mehrwerte für den Anwender führt.

Einmal im Jahr wird von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) das Wort des Jahres gekürt. Ausschlaggebend für die Wahl sei dabei laut GfdS die Popularität eines Wortes. In diesem Sinne ist mein persönliches Wort des Jahres 2016 „Innovation“ – auch wenn es auf der offiziellen Liste der GfdS nicht auftaucht. Alles und jeder ist innovativ oder sagt das zumindest von sich. WerbungEnergieSchulunterricht, sogar die Müllabfuhr oder ganze Gemeinden. Man kann Innovationsmanagement studieren (in deutlich über 100 verschiedenen Studiengängen übrigens). Unternehmen gründen Innovation Labs, Verbände vergeben Innovationspreise.

Was aber ist das eigentlich, eine Innovation?

Eine Idee, egal wie gut, wird dadurch zur Innovation, dass sie sich durchsetzt und umgesetzt wird. Um innovativ zu sein reicht es also nicht, viele (und gleichzeitig auch noch möglichst gute) Ideen zu haben. Scott Berkun, der sich als Autor kritisch mit dem Thema Innovation auseinandersetzt, schlägt folgende Definition vor: Innovation is significant positive change. Und so ähnlich verstehen wir den Begriff auch bei Amadeus: „Innovation – turning ideas into value“. Unsere Kunden müssen einen Mehrwert haben. Erst wenn jemand, ein Kunde, von einer unserer umgesetzten Ideen sagt, dass sie für ihn eine signifikante positive Verbesserung bedeutet, waren wir also innovativ.

Amadeus trägt die Innovation quasi in den Genen. Die Entwicklung eines globalen Distributionssystems für Flüge in den 1980ern (der Ursprung unseres Unternehmens) und ein paar Jahre vorher das START System können ohne Frage als innovativ im oben genannten Sinne bezeichnet werden. Sie haben für eine ganze Branche einen Mehrwert und positive Verbesserungen gebracht und Dinge, die heute selbstverständlich sind, überhaupt erst ermöglicht: zum Beispiel ins Reisebüro zu gehen und innerhalb kürzester Zeit aus dem Flugangebot von über 470 Airlines das passende herausgesucht zu bekommen; oder im Internet zu jeder beliebigen Uhrzeit die Preise und Angebote der Reiseveranstalter für den nächsten Urlaub zu vergleichen.

In Zeiten immer schnellerer technologischer Entwicklung, in denen sehr vieles (technisch) möglich ist, ist es natürlich ungleich schwieriger, Neuerungen von dieser Tragweite einzuführen. Wichtig ist daher, wenn es um Innovationen geht, die Erwartungen zu managen. Auch eine einfache gute Idee, die vielleicht nicht besonders spektakulär oder raffiniert erscheint, aber zu einer signifikanten Verbesserung führt, ist eine Innovation. Es kann nicht ständig das nächste iPad, die nächste Glühbirne oder das nächste GDS erfunden und entwickelt werden.

Wissen über die Bedürfnisse des Kunden ist elementar

Eine Studie aus dem Dezember 2015 zeigt, dass nur gut die Hälfte der befragten Unternehmen ihre Ideen mittels Prototypen und Kundengesprächen validieren. Konsequenterweise folgert die Studie, dass die „Black Box Kunde“, also mangelndes Wissen über den Kunden, seine Arbeitsweise und Bedürfnisse, zu den Hauptgründen gehört, weshalb Innovationsprojekte nicht erfolgreich sind. Um echte Innovationen liefern zu können, arbeiten wir bei Amadeus daher mit Prototypen und treten auch zu Ideen in sehr frühem Stadium in den Dialog mit unseren Kunden.

Spätestens seit dem fvw Kongress 2016 ist bekannt, dass sich Amadeus mit Virtual, Augmented sowie Mixed Reality (mehr dazu, wo der Unterschied liegt und was das bedeutet, bald hier oder auf dem fvw Digital Marketing Day im Februar) und möglichen Anwendungen für die Reisebranche beschäftigt. Darüber hinaus haben wir aber noch eine Reihe weiterer Prototypen und Ideen, an denen wir arbeiten. Neben der ständigen Verbesserung und Weiterentwicklung unserer bestehenden Produkte, natürlich. Zwei Beispiele:

TravelCast ist eine Media Plattform, die die Kollegen aus Nizza zusammen mit United Airlines entwickelt haben. Beim Betrachten eines Films kann der Zuschauer diesen anhalten und sich zum Ort der Szene nicht nur Informationen einholen, sondern auch eine Flugsuche starten: Wen beim Anschauen von Herr der Ringe die Sehnsucht nach dem Auenland packt, erfährt, dass Mittelerde in Neuseeland liegt und kann passende Flüge nach Auckland suchen. Alternativ kann er sich dieselben Inhalte auch auf dem Smartphone anschauen – ohne den Film unterbrechen zu müssen. Der Film, eine Dokumentation oder die Übertragung einer Sportveranstaltung wird damit zur Inspiration für zukünftige Reisen. Nahtlos kann dann der Einstieg in Planung und Buchung erfolgen.

Die Travel Heatmap hilft mir, mein Reiseziel und passende Angebote zu finden, wenn ich zwar weiß, was ich will, aber nicht auf eine Destination festgelegt bin. Möchte ich zum Beispiel im April kurzfristig dem Frankfurter Wetter entfliehen, hilft die Heatmap mir weiter, wenn ich zwar nicht weiß wohin, wohl aber, dass ich nicht länger als zwei Stunden im Flugzeug sitzen möchte, es zumindest 20 Grad warm und nach Möglichkeit trocken sein sollte. Anhand verschiedenster Parameter, zum Beispiel maximaler Flugdauer, durchschnittlicher Wassertemperatur, besonderer Wünsche zu Freizeitaktivitäten, Preisniveau und so weiter, kann ich wählen, wonach ich suche. Anschießend bekomme ich die Ergebnisse auf einer Weltkarte angezeigt. Diese ist dabei in verschiedenen Farbtönen eingefärbt: Dunkelrot sind die Regionen, die meinen Wünschen am meisten entsprechen. In den hellroten oder grünen Regionen werden meine Kriterien immerhin noch zum Teil erfüllt. Durch Hineinzoomen kann ich sogar bis hinunter auf Hotelebene erkennen, welche Angebote meine Wünsche bestmöglich erfüllen. Dabei bekomme ich auch die Flugpreise mit angezeigt und kann mich für ein Ziel entscheiden.

Für beide Ideen, TravelCast und Heatmap, gibt es Prototypen, die wir schon verschiedentlich mit Kunden besprochen haben. TravelCast haben wir zum Beispiel im Rahmen unserer Key Account Product Days im Herbst 2016 gezeigt, die Heatmap hatten wir letztes Jahr mit auf der ITB. Das Feedback war weitgehend positiv und fließt natürlich in die weitere Entwicklung mit ein. Ob dann am Ende ein Produkt daraus wird, kann ich heute noch nicht sagen. Das wird davon abhängen, ob unsere Kunden für sich einen Mehrwert darin sehen. Denn das ist letztendlich für uns entscheidend. Nur dann werden Ideen zu echten Innovationen.

Über den Autor

Daniel Monhof ist im Bereich Business Development bei Amadeus Germany seit Mitte 2015 auf der Spur interessanter Zukunftsperspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, die weit über den reinen GDS-Horizont hinausgehen. Sein sportliches Hobby,…
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