Influencer – der greifbare Freund vs. abgehobener Promi

02.06.2017  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Klaus Ennen

Amadeus Blog: Influencer-Marketing wird immer wichtiger im Media-Mix. Wenn der Influencer ein Produkt oder eine Dienstleistung empfiehlt, bringt das oft mehr als klassische Werbung – und das messbar.

Bibis Internet-Gemeinde drehte durch. Als die Youtuberin ihr eigenes Kosmetikprodukt vorstellte, waren viele DM-Filialen innerhalb von Stunden ausverkauft. Tausende junge Mädchen begehrten den in der Drogeriekette exklusiv vertriebenen „Bilou Badeschaum“. Bibi ist eine Influencerin, deren Modetipps 4,5 Millionen Millionen Teenager vertrauen und ihren Youtube-Kanal „Bibis Beauty Palace“ abonniert haben. Bianca Heinke, so ihr richtiger Name, ist damit eine der erfolgreichsten deutschen Influencerinnen und steht deutlich vor ihrer Konkurrentin Dagi Bee.

Honorar: 110.000 Euro – im Monat

Wenn die Studien-Abbrecherin Produkte testet und ihren Followern empfiehlt, kassiert sie dafür Geld – viel Geld. Mindestens 110.000 Euro – wohl gemerkt im Monat, hat das Manager Magazin ausgerechnet.

Längst schon hat sich Influencer Marketing im Mediamix vieler Unternehmen zum Standard-Repertoire etabliert. Fashion, Food, Beauty, Technik-Blogs testen neueste Smartphones, Youtuber probieren die Angelausrüstung aus. Daimler lässt den Technik-Blogger Sascha Pallenberg Autos ausfahren und erreicht damit für die durch die neue Modelloffensive verjüngte Marke erstmals eine junge Zielgruppe, die auf Instagram schwört.

Vertrauen für die Freundin auf Youtube

Prominente, die auf dem roten Teppich oder daheim Produkte zeigten, werden schon seit jeher als Ikonen eingesetzt. Dies folgt der alten Erkenntnis, wonach Empfehlungen glaubwürdiger als die Versprechen der Werbung sind. Insofern sind Influencer eigentlich Markenbotschafter, die es schon immer in Werbung und PR gab. Das Neue allerdings: Influencer sind Personen mit einer starken Präsenz in den sozialen Medien und dadurch mehr greifbarer Freund als der abgehobene Promi, wenngleich die Zielgruppe ihre Bibi und Kolleginnen frenetisch verehrt.

Pop-Up-Blocker: Werbung unerwünscht, Empfehlung  nicht

Influencer-Marketing bringt manchmal mehr als herkömmliche Werbung. Mit Werbung wollen Unternehmen Aufmerksamkeit gewinnen. Viele Kunden aber wollen keine Werbung, installieren Ad-Blocker auf dem PC, überblättern Print-Anzeigen, zappen in der Werbepause weiter. Influencer machen Produkte oder Dienstleistungen wie das altbekannte Product Placement zum Teil des Inhalts. Und die User mögen das meist: Empfehlungsmarketing von der Freundin. Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen Influencer einsetzen wollen.

68 Prozent aller Unternehmen suchen oder haben Influencer

Influencer und ihr Handeln lässt sich auch in konkreten Zahlen messen: Spezialisierte Social-Media-Agenturen errechnen das Werbe-Äquivalent in Dollar und Euro. Rund 68 Prozent der Unternehmen werden 2017 ins Influencer-Marketing investieren, wie aus einer Umfrage der Digitalagentur Territory Webguerillas in Deutschland hervorgeht. Nur 16 Prozent lehnen es ab, Influencer zu verpflichten. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen publiziert eine Studie, dernach 92 Prozent der Verbraucher bei Kaufentscheidungen Ratschlägen von Bekannten folgen, 70 Prozent verließen sich demnach auf Online-Bewertungen. 13 Prozent aller Internet-Nutzer in Deutschland geben einer Umfrage der Hamburger Agentur Faktenkontor und dem Marktforscher Toluna zufolge an, innerhalb eines Jahres Produkte und Dienstleistungen gekauft zu haben, die zuvor von Influencern auf Youtube angepriesen worden waren.

Weil immer mehr Influencer gebraucht werden, steigt deren Marktwert.

Viele gelten auch schon als verbraucht, weil sie für ständig wechselnde Unternehmen ihren Kopf in die Kamera halten. Deswegen werden Influencer, die gut zu einem Unternehmen passen und sich nicht mit zu vielen Engagements verheizt haben, immer teurer. Es sollen einfältige Jugendliche schon bei der Berufsberatung des Arbeitsamts nachgefragt haben: „Ist Influencer ein Ausbildungsberuf?“

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Klaus Ennen verantwortet den Bereich Marketing Kommunikation bei Amadeus DACH & Traveltainment. Er jongliert täglich virtuos Informationen zwischen Presse, Amadeus Magazin und Newsletter, Webseite, Community, Blog und weiteren Social Media…
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