I Love Green

15.12.2015  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Bernd Schulz

Amadeus Blog: „Papa, in der Schule haben wir gelernt, dass Grün die Kreativität fördert.“

Meine Tochter bringt die Dinge oft auf den Punkt, daher höre ich genau hin – und auch diese Aussage hat mich länger beschäftigt. Ich musste gleich an ein Thema denken, das mich und die Branche derzeit umtreibt: An der großartigen Farbe Grün reiben sich gerade die Fluggesellschaften.

Warum sprechen Airlines, wenn es um die GDS geht, so oft despektierlich vom „veralteten Green Screen“? Warum wird die Technologie der GDS auf diese eine, unverändert häufig genutzte Darstellungsform reduziert? Ja, es ist eingängig, diese Darstellung als veraltet hinzustellen. Im direkten Vergleich zwischen einer textbasierten Ausgabeform und einer grafischen Oberfläche wie Windows, zwischen einem GDS-Ausgabeformat für professionelle Anwender und der Website einer Airline, eines Online-Reisebüros oder Metasearchers, da wird scheinbar sofort deutlich, welches das modernere Format sein muss.

Aber stimmt das auch? Vergleichen wir den Zweck der jeweiligen Darstellung.

Ein mit der Maus geführtes Bildprogramm möchte es den Nutzern erleichtern, komplexe Inhalte zu verstehen. Es möchte Produktunterschiede optisch aufbereiten, seien es Zwischenziele, Flugzeiten, Preise, Sitzabstände und anderes. Die Zielgruppe sind die Endverbraucher – oder unerfahrene Anwender im Reisebüro.

Beim Green Screen haben wir es jedoch mit professionellen Anwendern im Reisebüro zu tun, die hoch effizient und unter hohem Zeit- und Kostendruck Strecken analysieren, Preise vergleichen, Buchungen bearbeiten, Profildaten der Reisenden importieren, Buchungen per Scripts ergänzen und Makros zur Vervollständigung über die Buchungen laufen lassen. Eng verknüpft mit den nachgelagerten Systemen der Unternehmen – zur Erfüllung von weiteren Anforderungen wie Reporting, Rechnungsstellung, Sicherheit der Reisenden und anderem.

Diese Anwender bedienen das Programm oft blind, sind schnell und effizient. Und sie sind zu Recht stolz darauf, als Profis mit einem solchen Profitool umgehen zu können, mit dem sie unabhängigen Vergleichen zufolge dreimal schneller arbeiten können als mit menügeführter Software. Als Handwerker benötigen sie professionelle Werkzeuge – oder kennen Sie Profi-Handwerker, die ihr Werkzeug im Supermarkt kaufen?

Was die Airlines übrigens auch oft und gerne verschweigen: Es gibt die bunten, menügeführten Seiten auch im GDS, sowohl bei Amadeus als auch bei den anderen Unternehmen, sei es für Hotels, für Mietwagen oder auch für Airlines. Denn nicht jeder Mitarbeiter im Reisebüro ist Profi in allen Bereichen, die ein GDS abdeckt. Für sie funktioniert das GDS wie eine moderne Website, mit Bildunterstützung, kartenbasierter Suche und 1-A-Menüführung. Also ganz ähnlich wie ein Online-Reisebüro – das seine Daten im Übrigen auch über eine GDS-Schnittstelle erhält.

GDS bieten also das Beste aus beiden Welten aus einer Hand, sodass Profis wählen können. Green Screen und menügeführte Software sind zwei Seiten derselben Medaille.

Somit hat meine Tochter Recht: Grün ist großartig. Und ich stelle fest: „I love green.“

Über den Autor

Bernd Schulz verantwortete bis Dezember 2016 als Geschäftsführer für Amadeus Germany die Märkte Deutschland, Österreich & Schweiz. Er war zuvor in diversen Funktionen im In- und Ausland in der Touristik…
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