Helle Köpfe im dunklen Netz: Das müssen Sie über das Darknet wissen

04.04.2018  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Während Politiker beim Internet gerne von einer „Datenautobahn“ reden, ist das sogenannte Darknet der nicht ausgeschilderte Feldweg im Netz. Diesen ungeteerten Pfad befahren teilweise düstere Charaktere. Aber auch Menschen mit guten Absichten.

Kriegswaffen, Falschgeld, Drogen. Selbst Auftragsmörder bieten hier ihre Dienste an. Nichts, was es an Illegalem nicht gibt. Wer sich im Darknet tummelt, hat oft etwas zu verbergen. Doch das Darknet hat auch gute Seiten. Denn die Möglichkeit, anonym Daten austauschen zu können, nutzen auch Menschen, die sich für die Gesellschaft engagieren. Das Handelsblatt zitiert eine Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC). „Die Technik an sich ist natürlich nicht böse.“ Sie helfe all jenen, die sich aus nachvollziehbaren Gründen verstecken sollten.

Wenn Nordkoreaner über die wahren Zustände berichten

Wer braucht das? Viele! Zum Beispiel Dissidenten in repressiven Regimes wie Nord-Korea, die die ungemeine Armut ihres Landes publik machen wollen. Es gibt im Darknet Überblicksseiten wie Hidden Wiki. Dort stehen anonyme E-Mail-Dienste und Foren zur Verfügung, auf denen der Autor wirklich geheim bleibt. Wer seine Adresse verschleiern möchte, findet dort auch eine Möglichkeit, Daten per Upload an das Whistleblower-Portal Wikileaks zu schicken.

Wikileaks nutzt das Darknet

Wikileaks stellt immer wieder geheime Dokumente ins Netz. Das spendenfinanzierte Projekt gilt als schwer zensierbar, technisch wie juristisch. Gründer ist der bekannte Australier Julian Assange. Er lebt seit Juni 2012 im selbstgewählten Exil in London in der ecuadorianischen Botschaft dort. Vor einem Jahr stellte Wikileaks Tausende Dokumente ins Darknet, die vom US-Geheimdienst CIA stammen und neue Methoden der Online-Kriegsführung enthüllen sollen.

Private medizinische Daten verschlüsseln

Das Darknet hilft Menschen, die sich überwacht fühlen, wenn sie ihren normalen Browser öffnen. Deshalb ist das „dunkle Netz weit besser als sein Ruf“, meint auch Spiegel Online. Tilman Frosch, Geschäftsführer von G Data Advanced Analytics, weist darauf hin, dass im Darknet anonymisiert eigene medizinische Daten aufbewahrt werden könnten. Gesundheitsdaten, so meint er, werden nämlich gerade zu einem profitablen Markt. Die Anonymisierung, die das Darknet bietet, könnte Webseiten-Betreiber davon abhalten, solche sehr privaten Daten zu sammeln.

„Darknet hilft Unternehmen sicherer zu werden“

Auch die Wirtschaft kann vom Darknet profitieren, meint Jamie Bartlett, den das Handelsblatt zitiert. Der Forscher leitet das „Centre for Analysis of Social Media“ beim britischen Thinktank Demos. Für ein Buchprojekt hat er die versteckte Seite des Internets über Monate erkundet. „Verschlüsselung könnte Unternehmen helfen, ihr Sicherheitsniveau dramatisch zu erhöhen und ihren Kunden sicherere Dienste anzubieten“ – das sei etwa im E-Commerce enorm wichtig. Bartlett beobachtete unter den Betreibern außerdem eine enorme Innovationskraft. Die Wirtschaftswoche nennt große Plattformen wie Alphabay und Hansa Market, die im Darknet agierten. Sie böten gute Treuhandsysteme an und bewahren die Zahlungen der Käufer auf, bis die Verkäufer die Ware verschickt haben.

Freiheit im Internet ist ein Menschenrecht

Ob also Oppositionelle repressiver Regimes, Journalisten im Austausch mit vertraulichen Kontakten oder Patienten bei der Recherche über eine ernste Krankheit – das dunkle Netz hat auch helle Seiten. Die Sprecherin des Chaos Computer Clubs: „Für den Wunsch nach dieser Art von Freiheit muss man sich nicht verteidigen, das ist ein Menschenrecht. Mein Wunsch wäre, dass die Technik, die wir heute Darknet nennen, in ein paar Jahren Standard ist.“ Anonyme Kommunikation soll also laut CCC in der digitalen Welt der Normalfall sein.

Social Media für Chinesen

Wer Interesse hat, darf lesen, was Chinesen beispielsweise unzensiert über die politischen Zustände in ihrem Land schreiben und mit anderen Gleichgesinnten diskutieren. Das verdanken sie einem Unternehmen, welches seine Dienste im Darknet anbietet, weil es für Chinesen durch deren Staat gesperrt ist: Facebook.

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Sascha Nau ist seit 2011 bei Amadeus Germany für den Marketingbereich verantwortlich. Neben Marketing Management und Marketing Communication gestaltet er inhaltlich unter anderem Events wie das Amadeus Online Forum. Von…
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