Gruss und Kuss! Ein Hoch auf die Postkarte

05.08.2019  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Posen und posten ist in. Aber werden wirklich nur noch digitale Urlaubsgrüße verschickt? Sascha Nau hat in der Amadeus Community nachgefragt - und sie lebt, die Postkarte! Auf dass Urlaubsgrüße ordentlich die Reiselust wecken.

Briefkasten auf, Hand rein, bunte Postkarte raus – dieser herrliche haptische Moment ist bei mir fast ausgestorben. Aber es gibt sie noch, die klassischen Postkarten-Schreiber, beispielsweise in der Amadeus Community: „Klar werden auch einige Foto-Grüße über WhatsApp verschickt, aber vorrangig steht bei mir die Postkarte hoch im Kurs. Ich mache mir vor dem Urlaub eine kleine Liste mit Adressen, und die Liste wird dann in der freien Zeit im Urlaub ganz in Ruhe abgearbeitet.“ Manchmal ist auch der Wille da, aber …“ ich kaufe vor Ort Postkarten, vergesse dann zu schreiben und schicke die von zuhause aus ab“ … kommt uns irgendwie bekannt vor.

Urlaubsgrüße überhaupt sind eine großartige Sache. Reisen und andere daran teilhaben lassen kurbelt schließlich die Reiselust an, das klingt wie Musik in unseren Ohren. Eine Urlaubspostkarte ist demnach eine gute Urlaubspostkarte, wenn sie Sehnsucht weckt.

150 Jahre Postkarte

Den Anfang machte tatsächlich die Postkarte vor 150 Jahren, damals noch ohne Bildmotiv. Der Siegeszug begann mit einem Artikel, der am 26. Januar 1869 in einer Wiener Tageszeitung erschien. Emanuel Herrmann, ein Professor für Nationalökonomie, plädierte für die Postkarte als neues schnelles und günstiges Korrespondenzmittel. Im deutsch-französischen Krieg (1870/1871) wurden Feldpostkarten gratis und in Massen zugestellt. Ihre wichtigste Botschaft: „Ich lebe noch!“. Die Einführung des Teilungsstriches, ich konnte es kaum glauben, brachte 1904 eine bahnbrechende Neuerung: Man sparte Platz, beschrieb nur noch die linke Rückseite, trug rechts die Adresse ein und vorne prangte das Bildmotiv. 1903 wurden in Deutschland 1,2 Milliarden Postkarten verschickt, 2014 waren es noch 210 Millionen, 2017, so die Deutsche Post, 195 Millionen.

90 Prozent der Deutschen verschicken Grüße

Doch zurück zu den Urlaubsgrüßen überhaupt: Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter 1000 Bundesbürgern ab 16 Jahren hat ergeben, dass 9 von 10 Deutschen ab 16 Jahren Grüße verschicken, und zwar

  • 56 Prozent über Messenger wie WhatsApp
  • 20 Prozent über Soziale Medien
  • 20 Prozent nutzen die klassische SMS und
  • 7 Prozent schreiben E-Mails
  • 55 Prozent schreiben eine Postkarte oder einen Brief (bei den ab 65-Jährigen sogar 78 Prozent, bei den 16- bis 29-Jährigen 36 Prozent)
  • 47 Prozent telefonieren
  • 19 Prozent verschicken keine Grüße

Die Postkarte als Dauerbrenner bescheinigt auch eine Umfrage des Portals Yougov für den Postarten-App-Anbieter My Postcard.

  • 57 Prozent der Deutschen verschicken hauptsächlich Urlaubs-, Geburtstags- oder Weihnachtsgrüße per Postkarte oder App
  • Über eine Postkarte im Briefkasten freuen sich 86 Prozent der Deutschen (übrigens auch, wenn sie selbst keine Karten verschicken)

Ich stelle mir gerade vor, was die 14 Prozent Nicht-über-Postkarten-Freuer beim Öffnen des Briefkastens tun, aber schauen wir doch besser mal in Richtung Reisebüro-Mitarbeiter.

Das sagen die User in der Amadeus Community

Auch wenn die Community-Umfrage noch ein paar Tage läuft, zeichnen sich diese Trends ab:

  • Spitzenreiter der Medien ist WhatsApp mit 65 Prozent, dicht gefolgt von der
  • Old-School-Postkarte mit 61 Prozent
  • Es folgen weit abgeschlagen Facebook und Instragram

13 Prozent genießen ihren Urlaub und verschicken keine Grüße, auch das finde ich völlig ok, es sei ihnen gegönnt!

Kommentare wie „Und ich finde es immer toll, wenn ich in meinem oft leeren oder mit Rechnungen befüllten Briefkasten eine schöne Postkarte vorfinde!“ oder „Oft animiere ich sogar meine Kunden, mir eine Karte aus ihrem Urlaub zu senden und zu berichten, wie die Empfehlung/Reise war. Insbesondere Kunden, die eine Rundreise oder Kreuzfahrt buchen, machen tatsächlich davon Gebrauch“  und klar: „Dennoch gestehe ich, auch die sozialen Medien zu nutzen. Eine Zeit lang Facebook, aber vermehrt doch WhatsApp. Letzteres bietet halt auch die Möglichkeit, den/die beste Freund/in, Partner/in öfter an den Erlebnissen teilhaben zu lassen. Ja, und dazu gehört dann auch mal der Post vom leckeren Abendessen (um die Daheimgebliebenen neidisch zu machen) “ geben lebendige O-Töne wieder.

Ich habe mir jetzt fest vorgenommen, mal wieder mehr an die Daheimgebliebenen und ihren Briefkasten zu denken. Wie passend, dass mir die Kollegen jetzt von einer Postcard-App erzählt haben, in die man sein persönliches Foto hochlädt, Grußtext and Anschrift dazuschreibt und *klick* wird die Karte in Deutschland ausgedruckt und verschickt. Digital meets Print meets Briefträger sozusagen. Meine Kinder werden erst mal die Welt nicht mehr verstehen?!?

PS. Happy Birthday, Postkarte!

Über den Autor

Sascha Nau ist seit 2011 bei Amadeus und mittlerweile Head of Marketing & Communication Northern, Eastern, Central & Southern Europe, Retail Travel Channels bei Amadeus. Er arbeitete nach seiner Ausbildung…
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