Gigantische Summen: Die Investitionsmaschinen von Google, Apple & Co

10.09.2015  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Bernd Schulz

Amadeus Blog: Google, Apple, Uber & Co legen bei ihren weltweiten digitalen Streifzügen ein derart rasantes Tempo hin, dass wir vor lauter Staunen das Wesentliche manchmal aus den Augen verlieren. Wir sind so fasziniert von den immer neuen Produkten und Services der Digitalriesen, dass wir gar nicht mehr auf das schauen, was diese Maschinerie neben der Daten- und Ideenflut antreibt – nämlich gigantische Geldsummen.

Dabei ist der Blick auf die Börsenwerte, Investitionsschübe und Innovationsbudgets der digitalen Überflieger extrem erhellend. Und er erklärt, warum die sogenannten GAFA (Google, Apple, Facebook und Amazon) von immer mehr Wirtschaftsvertretern gefürchtet werden. Allein der Börsenwert von Apple ist mit rund 508 Milliarden Euro fast so hoch wie der Börsenwert der acht erfolgreichsten deutschen Dax-Konzerne zusammen: Bayer, Siemens, VW, Daimler, SAP, Deutsche Telekom, BASF und Allianz bringen es gemeinsam auf eine Marktkapitalisierung von rund 599 Milliarden Euro. Auch Google und Facebook stehen an der Börse prächtig da: Aktuell ist Google rund 384 Milliarden Euro wert, Facebook rund 226 Milliarden Euro.

Mit reiner Börsenspekulation oder allzu optimistischen Anlegerphantasien haben diese Werte allerdings nichts zu tun. Im Gegenteil: Auch die Bilanzen der GAFA sind beeindruckend. Apple etwa kam 2014 mit einem Umsatz von rund 182 Milliarden US-Dollar auf einen Gewinn vor Steuern von 49 Milliarden US-Dollar. Bei Google sorgte ein Umsatz von 66 Milliarden US-Dollar für einen Gewinn von 17 Milliarden US-Dollar.

Warum ich diese Zahlen so wichtig finde? Weil sie zeigen, wie kraftstrotzend die Geschäftsmodelle der GAFA sind, und weil sie einen Hinweis darauf geben, was uns in Zukunft von den Digitalriesen noch erwartet.

Denn auch die Innovationskraft der Konzerne ist dank dieser Zahlen enorm. Gemeinsam haben die vier im vergangenen Jahr rund 28 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung (F&E) investiert. Tendenz weiter deutlich steigend. Apple etwa hat gerade erst verkündet, im zweiten Quartal 2015 erstmals über 2 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung investiert zu haben. Wohlgemerkt in diesem einen Quartal. Bei Google lag das F&E-Budget schon 2014 bei insgesamt knapp 10 Milliarden US-Dollar, Amazon investierte rund 9 Milliarden US-Dollar.

Diese gigantischen Summen haben dazu geführt, dass Google, Apple & Co mittlerweile in nahezu allen zukunftsrelevanten Branchen eigene Produkte und Services aufgebaut haben – sei es im Gesundheitsbereich, im Handel, bei Smart Homes, Mobile Payment oder Mobile (siehe Grafik).

Quelle: SinnerSchrader

Allein das Business von Google, zu dem neben der Suchmaschine unter anderem das Betriebssystem Android und die Social-Plattform Youtube gehören, ist inzwischen derart ausdifferenziert, dass sich der Konzern gerade ein neues Holding-Dach verpasst hat. Seither werden die verschiedenen Geschäftsbereiche unter dem Kunstnamen Alphabet sortiert – darunter neben der Kernmarke Google, Tochterunternehmen wie Nest für Smart-Home-Entwicklungen und Calico für Biotech-Forschungen. Auch seine Projekte rund um selbstfahrende Autos und Car-Connectivität hat Google in einer eigenen Tochter separiert: In Google X, der sogenannten Ideenschmiede des Konzerns.

Quelle: Quora Internet Business World

Und schon wächst neben den GAFA eine neue Generation von Geldmaschinen heran. Ich meine Startups wie Uber und Airbnb. Beide sammeln in immer neuen Finanzierungsrunden immer mehr Investorengelder ein. Der Taxikonkurrent Uber beispielsweise soll erst im August bei einer Investorenrunde in China nochmals eine Milliarde US-Dollar zusätzlich erhalten haben. Insgesamt hat der Mitfahrdienst bereits mindestens 5,6 Milliarden US-Dollar Investorenkapital erhalten. Analysten schätzen den Wert des erst 2009 gegründeten (nicht an der Börse gelisteten) Startups inzwischen auf rund 50 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: BMW kommt im Dax aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 57 Milliarden US-Dollar. Schon im Dezember 2014 titelte die „Wirtschaftswoche“ ganz euphorisch: „Investoren lieben Uber“.

Ähnlich erfolgreich agiert Airbnb. Der Vermittler von Privatunterkünften kommt aktuell auf ein Investorenkapital von rund 2,3 Milliarden US-Dollar, der geschätzte Unternehmenswert soll bei rund 25,5 Milliarden US-Dollar liegen.

Ich könnte diese Liste noch ein ganzes Stück weiter fortführen. Doch was ich sagen will, ist klar: Die enorme Innovationskraft von Digitalriesen wie den GAFA und jungen Startups wie Uber, gepaart mit deren beeindruckenden Investitionssummen und Bilanzen geben diesen Unternehmen eine unglaubliche Power.

Das ist für sich genommen schon sehr bemerkenswert. Für uns Touristiker aber sind diese Fakten zudem ein deutliches Signal, um nicht zu sagen ein Weckruf. Denn unsere Branche gehört definitiv zu den Branchen, die besonders stark von Digitalisierung, digitaler Transformation und neuen digitalen Geschäftsmodellen leben beziehungsweise betroffen sind. Je nachdem, ob wir uns dafür entscheiden, mit klugen Ideen selbst voran zu gehen oder uns die Zukunft von anderen diktieren zu lassen.

Für uns alle geht es deshalb jetzt darum, angesichts der GAFA-Geldmaschinen nicht in Ehrfurcht zu erstarren, sondern unser jahrzehntelang gewachsenes Know-how und unsere Expertise gezielt in das digitale Zeitalter zu übertragen. Es geht darum, in unseren Unternehmen schnellere Strukturen und Prozesse einzuziehen, die Silos zwischen einzelnen Abteilungen zu überwinden und smarte Innovationen zu fördern und zu fordern. Wir werden das Feld nicht allein den digitalen Überfliegern überlassen. Deshalb bin ich sicher, dass unsere Branche auch weiterhin zu den Akteuren und Gewinnern der Digitalisierung gehören wird.

Über den Autor

Bernd Schulz verantwortete bis Dezember 2016 als Geschäftsführer für Amadeus Germany die Märkte Deutschland, Österreich & Schweiz. Er war zuvor in diversen Funktionen im In- und Ausland in der Touristik…
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