Gesichtserkennung am Airport: Schneller durch Kontrollen

09.11.2017  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Sascha Nau

Amadeus Blog: Nie mehr Ausweise und Bordkarten vorzeigen. Ade ihr langen Schlangen vor und nach dem Fliegen dank Gesichtserkennung. Airports testen das schon. Die Polizei in Berlin auch.

Mein Gesicht ist mein Ausweis und meine Bordkarte. Eine schöne Idee. Was sich wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Roman liest, ist heute schon Realität. Gesichtserkennung macht das möglich. Damit läuft der gesamte Check-In-Vorgang schneller. Wenn die Daten meines Personalausweises hinterlegt sind und mein elektronisches Ticket ebenso, dann reicht mein Konterfei, um den Zugang zum Flieger gewährt zu bekommen. Ausgewählte Passagiere von Air New Zealand testen das am Flughafen Brisbane schon.

Dokumente bleiben in der Tasche

Smart Path nennt sich das automatisierte Boarding-Gate, das mit Gesichtserkennungstechnologie überprüft, ob der Fluggast das entsprechende Flugzeug boarden darf. An einem Automaten hat er beim Check-in seine Daten eingescannt und sein Gesicht fotografiert. Passen Passfoto und Gesichtsscan zusammen, kann er das automatisierte Gate nutzen, ohne seine Dokumente erneut vorzuzeigen. Wenn der australische Test erfolgreich verläuft, soll die Gesichtserkennung auf dem gesamten Flughafen ausgerollt werden – überall, wo Dokumenten-Prüfungen erforderlich sind.

Wie funktioniert die Gesichtserkennung? Großrechner rechnen jedes Gesicht in ein sogenanntes biometrisches Datum um. Merkmale wie der Augenabstand werden ausgemessen und in digitale Muster umgewandelt.

Hashwerte sind einzigartige Daten

Die Software vergleicht also nicht zwei Fotos, sondern Prüfsummen. Diese sogenannten Hashwerte sind bei der Gesichtserkennung für jeden Menschen einzigartig.

Der Flughafen von Dubai will in den nächsten Monaten ausprobieren, wie eine automatische Einreise funktionieren könnte. Steigt der Passagier aus dem Flieger, geht er flugs zum Kofferband und gelangt dann ohne Stopp zu seinem Transfer – ohne Einreise-Kontrolle. Die hat vorher schon elektronisch stattgefunden. Vor dem Start, schon beim Check-in, werden die Hashwerte per Gesichtserkennung errechnet, Fingerabdrücke genommen sowie die Iris gescannt.

Schneller einreisen in Dubai

Nach dem Flug, während des Gangs zur Gepäckausgabe, hat der Rechner von Dubai International Airports (DXB) den Fluggast per Gesichtserkennung identifiziert. Er vergleicht die Hashwerte des gerade aufgenommenen Bildes mit denen in einem Digitalen Pass auf dem Smart Phone. Mit diesem Smart-Phone-Pass „Emirates Smart Wallet“ sammelt DXB schon seit Anfang des Jahres Erfahrungen.

Tests in Amsterdam und Helsinki

Wer sich am Flughafen Amsterdam registriert, kann freiwillig an einem „Biometric Boarding“ teilnehmen. Schiphol und KLM haben dazu einen gemeinsamen Versuch laufen. Dazu müssen sich Fluggäste einmal registrieren, und ihr Gesicht, ihren Personalausweis oder Reisepass und ihre Bordkarte scannen. Danach muss der Reisende keinerlei Unterlagen mehr vorzeigen; alle Sicherheits- und Einlass-Vorgänge laufen im Hintergrund mit Gesichtserkennung. Ein ähnlicher Versuch läuft gerade mit 1.000 Finnair-Vielfliegern am Airport Helsinki.

Viel zu tun für Juristen

Jetzt will ich hoffen, dass alle diese Tests mit Gesichtserkennung in den Regelbetrieb übernommen werden können – zum Vorteil von Reisenden und der Branche gleichermaßen.

Aber: Ich denke, da ist der Gesetzgeber gefordert.  Denn mit Recht sind Biometrie-Daten einzigartig. Deshalb knüpft das Datenschutzrecht an solche Gesichts-, Iris- und Fingerabdruck-Erkennung hohe Auflagen. Für den Zweck der Ein- und Ausreise müssen die Passagiere einwilligen. Die meisten tun das gerne. Was aber, wenn Polizei, Grenzschutz oder Staatsanwaltschaft an Kamera-Daten wollen, um Straftäter zu schnappen? Vor wenigen Wochen startete Innenminister de Maizière einen Feldversuch am Berliner Südkreuz. In dem Verkehrsknotenpunkt wurden drei Kameras und eine angeblich „intelligente Software“ installiert. Die Polizei in der Hauptstadt möchte testen, ob es technisch möglich ist, Gesichter von Passanten aus einer großen Menge heraus zu identifizieren. Der Innenminister verteidigt den Test. Er sei eine große Chance, etwa Terroristen zu erkennen und festzunehmen. Datenschützer geht das zu weit. Hacker gebe es überall, die im Auftrag von Kriminellen oder Geheimdiensten Zugriff auf die gesammelte biometrische Datenflut nehmen könnten. Da haben Juristen und ITler also noch viel zu tun, damit solche Gesichtskontrolle nicht missbraucht werden kann.

Über den Autor

Sascha Nau ist seit Ende 2011 Head of Marketing bei Amadeus für die Regionen Deutschland, Österreich & Schweiz. Er arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaft…
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