Generation Picknick an Bord

24.06.2016  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Uta Martens

Amadeus Blog: Es gab Zeiten, und die sind gar nicht so lange her, da habe ich mir vor einem Flug keinerlei Gedanken über mein leibliches Wohl gemacht.

Wenn ich überhaupt vor einer Reise an Essen & Trinken gedacht habe, dann einzig und allein daran, mir vielleicht ein Sonderessen für einen Langstreckenflug zu bestellen.

Heute sieht das ganz anders aus. Denn es ist nicht mehr selbstverständlich, dass man überhaupt noch etwas an Bord serviert bekommt. Nachdem ich ein paar Erfahrungen gesammelt habe und beispielsweise auf einem Flug von Frankfurt nach Faro gegen Mittag dann doch etwas Durst und Hunger hatte, bereite ich mich jetzt besser vor.

Dazu gehört als erstes, dass ich mich heute viel intensiver informiere, was die Airlines an Bord anbieten und was man bereits lange vor dem Flug an Zusatzleistungen zum Ticket dazu buchen kann. Dazu gehört auch, dass ich mir immer am Boden, natürlich erst nach der Sicherheitskontrolle, noch eine Flasche Wasser kaufe. Und klar schaue ich heute auch ganz anders an Bord zu, was meine Sitznachbarn denn so serviert bekommen. Nicht jeder leistet sich ein Menü oder einen Snack aus dem Bordverkauf. Viele, die offensichtlich auch so ihre Erfahrungen gemacht haben, picknicken und packen recht schnell nach dem Start selbst belegte oder noch am Abflughafen eingekaufte Brötchen und Getränke aus.

Wenn ich meine Sitznachbarn vorsichtig zu diesem Thema anspreche, quasi aus beruflicher Neugier, bekomme ich fast immer bunte und emotionale Erlebnisse geschildert: Wie das beim ersten Mal war, als es nichts mehr zu trinken und zu essen gab.

Für die meisten war es völlig überraschend, da sie weder bei der Buchung dazu Informationen erhielten noch in den Reiseunterlagen einen Hinweis entdeckten.

Interessant ist auch, wie sehr man die Abschaffung der kostenlosen Bewirtung an Bord bedauert – der eine oder andere Fluggast, meist nicht ganz so flug-erfahren, reagiert teilweise auch heute noch leicht empört.

Der All-Inklusive-Urlaub begann früher beim Betreten des Flugzeuges. Klar ist man froh, wenn das Ticket günstig ist, nach dem günstigsten Flugpreis hat man schließlich stundenlang gesucht. Trotzdem wünscht man sich das Flugerlebnis der vergangenen Tage, welchem durchaus ein Hauch von Exklusivität anhaftete, irgendwie zurück. Was kostet schon ein Brötchen oder ein Glas Wasser?

Aus Sicht der Airlines sind Zusatzleistungen eine wichtige Ertragssäule. Dieses Rad wird niemand mehr zurückdrehen. Für den Reisevertrieb eröffnen sich hierdurch neue Möglichkeiten der Kundenberatung und auch der Kundenbindung. Denn durch die immer stärkere Differenzierung der Leistung, die in einem Flugticket enthalten ist, wird es für Fluggäste immer komplizierter. Möchte ich Gepäck auf die Reise mitnehmen? Wieviel? Die gleiche Anzahl an Gepäckstücken für den Hin- und auch den Rückflug? Möchte ich etwas trinken oder essen an Bord? Und weiß ich das schon Wochen vor der Reise so genau? Wann kann ich einchecken, und viel wichtiger – wo möchte ich sitzen an Bord? All das gilt es vor der Buchung zu klären und gegebenenfalls von Airline zu Airline zu vergleichen.

Und wenn ich all diese Fragen beantwortet habe, also die Leistungen und auch die Preise dieser Leistungen kenne, die ich für mein persönliches Flugerlebnis wirklich brauche, erst dann kann ich mich für das beste Angebot entscheiden und auch die angebotenen Preise vergleichen. Sonst passiert sehr schnell der berühmte Vergleich von Apfel und Birne.

Wir bei Amadeus sehen an den aktuellen Zahlen, dass die Reisebüros die Chancen erkannt haben und nutzen. Der Verkauf von Zusatzleistungen geht im stationären Reisevertrieb genau wie im Online-Flugverkauf gerade durch die Decke. Das spricht nicht nur für die Fähigkeiten der Reisebüro-Mitarbeiter, sondern auch für die immer besser werdenden technischen Möglichkeiten, die Produkte der Airlines mit ihren Leistungsmerkmalen in allen Systemen abzubilden. Die steigenden Verkaufszahlen von Zusatzprodukten im Reisevertrieb lassen den Schluss zu, dass die Kunden sich durch die Reisebüros gut beraten fühlen und auch, dass der Reisevertrieb seine Chancen erkannt hat.

Dies dürfte im Sinne aller Beteiligten sein – vor allem jedoch den Reisenden zu Gute kommen.

Über den Autor

Uta Martens ist seit Mai 2018 Sales Director Retail Global Accounts und in dieser Funktion weltweit verantwortlich für die Betreuung und den Vertrieb an internationale Großkunden. Darüber hinaus ist sie…
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