Fernbusse und Transfers buchen – lohnt sich das?

23.02.2017  /  4 Minuten Lesezeit
Autor:
Peter L. Tomes

Amadeus Blog: Auch wenn Fernbusse derzeit nicht gerade opulente Provisionen zu bieten scheinen, können Reisebüros damit Kunden an sich binden, meint Peter Tomes, Head of Provider & Corporate Solutions bei Amadeus Germany. Europäische Fernbusse und Transfers könnten Reisepakete sinnvoll abrunden.

Selbst wenn Sie noch nicht mitgefahren sind: Auf der Autobahn begegnen sie uns mittlerweile ständig, so empfinde ich das zumindest. Fernbusse! Ihr Erfolgsrezept trotz Staugefahr und vieler Stopps: Sie sind enorm preiswert. „Günstige Fernbus-Reisen ab fünf Euro“, wirbt Marktführer Flixbus. Zudem ist ein ausgebuchter Bus ökologisch dem Auto und erst Recht dem Flieger überlegen. Ob Bahn oder Bus ganz generell der umweltfreundlichste Verkehrsträger ist, hängt auch von der Belegung im Wagen und den Stationen ab. Vor allem aber, wie schnell der Zug unterwegs ist. Ein Hochgeschwindigkeitszug hat laut Bundesumweltamt eine schlechtere Öko-Bilanz als ein Bus.

Seit der Liberalisierung des Fernbus-Marktes Anfang 2013 hat dies vor allem der Bahn mächtig Konkurrenz gemacht. Das zwang das einstige Staatsunternehmen dazu, viel mehr preiswerte Tickets auf dem Markt bereit zu stellen.

Aber mir stellt sich die Frage, ob der Fernbus in Deutschland sein Angebot wirklich so halten kann. Ich glaube es nämlich nicht. Zunächst hatte Marktführer Flixbus in den vergangenen drei Jahren stetig Marktmacht gewonnen; mit einem ruinösen Preiskampf. City2city oder die Bahn-Tochter Berlin Linien Bus haben sich vom deutschen Markt verabschiedet. Mein Fernbus, Megabus und zuletzt Postbus wurden vom Branchenprimus aufgekauft. Mittlerweile besitzt Flixbus einen Marktanteil von sage und schreibe über 90 Prozent.

Weniger Busse, höhere Preise

Warum das Kartellamt bei dieser Marktmacht nicht sein Veto einlegte? Weil es nicht konnte. Das liegt am Geschäftsmodell von Flixbus. Das Kartellamt prüft Zusammenschlüsse erst, wenn die beteiligten Firmen eine gewisse Größe erreicht haben. Geprüft wird das nur am weltweiten Umsatz beider Unternehmen. Der muss mindestens 500 Millionen Euro betragen; davon müssen 25 Millionen Euro in Deutschland erwirtschaftet werden. Flixbus schlüpft locker unter dieser Hürde hindurch, weil die junge Firma keine eigenen Busse besitzt, sondern mittelständische Busunternehmen beauftragt, in Branding und Lackierung von Flixbus das Land zu durchkreuzen. Etliche selbständige Busunternehmer jedenfalls haben nach Erkenntnissen der Wirtschaftspresse die Zusammenarbeit mit Flixbus aufgekündigt.

Mit der Folge, dass die Preise anzogen und das Angebot knapper wurde. Im November gab es 30 Prozent weniger Fahrten. Flixbus hat die Postbus-Verbindungen eingestellt – und 900 eigene Fahrten gestrichen (Quelle: Fernbusliniennetz.de). Ich erwarte weitere Preiserhöhungen. Das wird den sehr preissensiblen Bus-Kunden nicht schmecken.

In diesem Markt – zumindest in Deutschland –  ist auch wenig Geld für den klassischen Reisebüro-Vertrieb. Nach meiner Einschätzung werden mehr als 95 Prozent aller Fern-Coach-Tickets direkt verkauft. Es gibt aber Reisebüros, die ihre Kunden unbedingt halten wollen. Sie verkaufen ein Flixbus-Ticket und nehmen dafür die gleiche Service-Fee, wie sie sie für ein Bahnticket verlangen. Ein cleverer Ansatz, der sich auch auf Transfer-Leistungen übertragen lässt! Denn Kunden, die mit dem Reisebüro gute Erfahrung gesammelt haben, buchen hier vielleicht wieder. Würden sogar noch ein paar Hotelnächte hinzu gebucht, für die es die normale Provision gibt, wäre das auskömmlich. Ich schreibe aber ausdrücklich im Konjunktiv: würden und wäre. Denn welcher Fernbus-Kunde bucht schon ein Hotel dazu?

Warum es sich dennoch lohnt, Fernbusse und auch Transfers im Auge zu behalten:

  • Erstens: Ich könnte mir vorstellen, dass Premium-Fernbusse mit viel Platz und Services ihre Kundschaft finden. Dann ist ja vielleicht doch mehr Musik drin für den klassischen Vertrieb.
  • Zweitens: Weil es sich lohnt, schon heute den Blick auf den internationalen Fernbus-Markt zu werfen. Denn so kann der Endkunde die langen Strecken fliegen und die kürzeren im Bus zurücklegen. Hier arbeitet Amadeus mit Distribusion zusammen. In der Amadeus Selling Platform ist dazu eine eigene Registerkarte verfügbar, allerdings ist die Abwicklung nicht in Amadeus integriert. Das Fern- und Shuttlebus-Portfolio von Distribusion umfasst derzeit mehr als 80 buchbare Anbieter aus ganz Europa, darunter auch für innerdeutsche Strecken. Distribusion schafft für Busverbindungen im europäischen Ausland eine integrierte Vertriebslösung, die Ticketing, Abrechnung und Zahlungsabwicklung anbietet. Hier finden sich viele interessante Verbindungen, die sich mit Flügen kombinieren lassen. Beispielsweise die britische Buslinie National Express. Wer auf einem der Flughäfen im Vereinigten Königreich landet, kann per Fernbus das ganze Land erreichen – auch entlegene Winkel. Solche internationalen Linien-Unternehmen vergüten immerhin mit Provisionen von bis zu 15 Prozent.
  • Drittens: Internationale Busse verbinden auch die Metropolen im Ausland mit deren Flughäfen. Derzeit sind europäische Metropolen wie Prag, Lissabon oder Paris angebunden. Distribusion arbeitet daran, auch Erdteile außerhalb Europas wie Südostasien und Südamerika für den Airport-Shuttle buchbar zu machen. Mit Distribusion also hält der Vertrieb Budget-Reisende im Reisebüro. Denn, das behalten wir im Auge: Die heutigen Studenten sind die Business Traveler von morgen. Die auch gewiss mit ihren Familien in Urlaub fahren werden.
  • Viertens: Amadeus Transfers ist ein brandneues Produkt, das Ende März 2017 in die Amadeus Selling Plattform eingebunden wird. So lassen sich Transfers über die Anbieter Blacklane, Taxi Tender und World Airport Transfer einfach buchen. Einzelne Angebote sind übrigens schon länger in Amadeus verfügbar: A2B Transfers bietet über Amadeus Tour Market Hotel-, Flughafen- und City-Transfers per Taxi, Klein- und Reisebus und sogar Hubschrauber an. Zu einer Flug- oder Hotelbuchung lässt sich beispielsweise der Heathrow Express in London als Flughafen-Zubringer ergänzen. Und Anfang 2016 haben Amadeus und AccesRail ihre Zusammenarbeit erneuert, um weltweit mit Zug- und Busstrecken den Anschluss zur Flugreise einfacher zu ermöglichen.

Es geht Stück für Stück voran mit dem multimodalen Reisen von Tür zu Tür. Amadeus schaut sich dazu jedes Angebotsstückchen an, das für den Reisevertrieb Sinn macht.

Über den Autor

Peter L. Tomes war seit 1972 in der Reiseindustrie tätig und bis Juli 2017 bei Amadeus Germany als Head of Provider & Corporate Solutions beschäftigt. In seinem 43-jährigen Berufsleben hat…
Mehr über den Autor

Schreiben Sie einen Kommentar