Ein bisschen viel auf einmal

10.11.2017  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Uta Martens

Amadeus Blog: Wir müssen uns gerade mit der Pauschalreiserichtlinie, der Datenschutzgrundverordnung und der Payment Services Directive beschäftigen, um nur drei Vorschriften zu nennen, die uns aus europäischer Ebene erreichen. Und wir arbeiten an all diesen Themen unter Zeitdruck, denn die Vorgaben wurden relativ spät konkret festgelegt und müssen terminlich fixiert umgesetzt sein.

Wir müssen uns gerade mit der Pauschalreiserichtlinie, der Datenschutzgrundverordnung und der Payment Services Directive beschäftigen, um nur drei Vorschriften zu nennen, die uns aus europäischer Ebene erreichen. Und wir arbeiten an all diesen Themen unter Zeitdruck, denn die Vorgaben wurden relativ spät konkret festgelegt und müssen terminlich fixiert umgesetzt sein.

Die neuen Vorschriften bedeuten außerordentlich viel zusätzliche Arbeit. Sie beeinträchtigen uns dabei, Tagesgeschäft und Produktentwicklung so in den Mittelpunkt zu stellen, wie es sein sollte.

Und mit „uns“ meine ich nicht nur Amadeus. Ich leide mit jedem Unternehmen, das wie wir diese Regularien umsetzen muss. Wir bekommen es ja mit, wenn unseren Partnern kaum noch Luft für die täglichen Belange bleibt.

Genau deshalb könnte man jetzt sagen: Jammern Sie nicht, Frau Martens, das ist ein Branchenproblem, das trifft alle, also hat keiner einen übermäßigen Nachteil.

Wenn es denn so wäre. Erstens bergen die vielen neuen Vorschriften die Gefahr, dass Anwaltskanzleien oder Verbände, die sich auf Abmahnungen spezialisiert haben, schnell unsere Branche ins Visier nehmen. Solche Geschäftsmodelle können wir nun gar nicht gebrauchen.

Zweitens schützen die neuen Vorschriften zwar augenscheinlich die europäischen Verbraucher – aber nicht unbedingt die europäischen Unternehmen.

Denn die europäische Reisebranche steht ja nicht nur untereinander im Wettbewerb, sondern auch mit großen Spielern aus den USA und aus Asien. Ich kann nicht beurteilen, ob die Vorschriften dort genauso streng sind und genauso ausgebaut werden wie in Europa oder inwiefern die europäischen Vorschriften gegenüber Mitbewerbern mit Sitz außerhalb Europas durchgesetzt werden können. Anders gesagt: Was als sinnvoller und berechtigter Verbraucherschutz gedacht ist, kann sich international als Wettbewerbsverzerrung entpuppen.

Manchmal beschleicht mich schon das Gefühl, dass die Politik die Belange der Reisebranche nicht wirklich im Blick hat. Und auch nicht weiß, wie groß wir sind: Laut Deutschem ReiseVerband lässt sich der deutschen Touristik eine Bruttowertschöpfung von 213,5 Milliarden Euro pro Jahr zurechnen, wenn indirekte und induzierte Effekte berücksichtigt werden. Die Tourismuswirtschaft sichert 2,9 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland – mehr als die Automobilindustrie. Man könnte denken, dass die Regulierungswut vielleicht etwas zurücktritt, wo es darum geht, einen bedeutenden europäischen Wirtschaftsblock und seine Arbeitsplätze international wettbewerbsfähig zu halten.

Aber Ärgern hilft nichts. Was also tun? Pragmatisch denken und, wo immer möglich, die Dinge gemeinsam angehen. Das klingt banal, ergibt sich aber aus der Situation: Keinem Unternehmen der Branche hilft es vorzupreschen und zu versuchen, rund um diese Themen Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln – denn dieser USP würde allein nicht funktionieren. Dazu sind wir alle viel zu eng mit einander „verzahnt“.

Die Zusammenarbeit unter der Schirmherrschaft des Deutschen ReiseVerbands, die sich gerade für die Umsetzung der Pauschalreiserichtlinie entwickelt, zeigt in die richtige Richtung.

Für die Branche hat das den Vorteil, dass wir die Mammutaufgaben gemeinsam anpacken, und für uns alle entstehen neue, gemeinsam entwickelte Standards, die sofort von allen um- und eingesetzt werden können.

Bringen wir es also zusammen hinter uns. Dann haben wir wieder Kapazitäten für Alleinstellungsmerkmale und unsere globale Wettbewerbsfähigkeit.

Lese-Tipp: „Jetzt wird’s ernst beim Datenschutz“ im Top-Thema des aktuellen Amadeus Magazins.

Über den Autor

Uta Martens ist seit Mai 2018 Sales Director Retail Global Accounts und in dieser Funktion weltweit verantwortlich für die Betreuung und den Vertrieb an internationale Großkunden. Darüber hinaus ist sie…
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