Erfahrungen aus Estland

29.06.2017  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Erki Karlson

Amadeus Blog:Wussten Sie, dass Skype in Estland erfunden wurde? Erki Karlson, Amadeus Estonia, gibt erstaunliche Einblicke in sein kleines Land. Während wir mitunter noch skeptisch vor der Parkuhr stehen und dann doch die 50-Cent-Münze aus dem Portemonnaie kramen, zahlt der Estländer auch Kleinstbeträge längst bargeldlos und nutzt eServices vom Arztrezept bis zur Unternehmensgründung. Blicken wir doch einfach mal in unseren digitalen Zukunftsalltag!

Darf ich Ihnen ein wenig von Estland, meiner Heimat, erzählen? Der kleinste der baltischen Staaten mit nur 1,3 Millionen Einwohnern, wo Osten, Westen und Norden aufeinandertreffen. Wir haben mehr als 1000 Seen und 2000 Inseln. Die Fähre von Helsinki nach Tallin benötigt für die 80 Kilometer etwa zwei Stunden. All dies verwandelt Tallinn in den zweitgrößten Passagierhafen (zirka 10 Millionen Besucher pro Jahr) und den viertgrößten Kreuzfahrthafen der Ostsee (mit erwarteten 314 Besuchen von Kreuzfahrtlinien im Jahr 2017). Das historische Zentrum von Tallinn steht auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste und ist der am besten erhaltene mittelalterliche Stadtkern Nordeuropas. Estland ist auch als Land der Sänger bekannt. Unsere Song Festival Tradition blickt auf fast 150 Jahre Geschichte zurück. Und wir freuen uns schon riesig auf den hundertsten Jahrestag unserer Unabhängigkeit – 2018 wird gefeiert!

Skype, Online-Pass, eSchulsysteme, eWohnsitz – alles ganz selbstverständlich

Wenn du so ein kleines Land wie Estland bist, musst du dich abheben. Genau deshalb sagen wir: „Selbst wenn du klein bist, kannst du in großen Dimensionen denken.“ Vielleicht passt dazu, dass in Estland Skype und TransferWise erfunden wurden.

eEstonia steht für mehr als 600 eLösungen und eServices, die vom Staat angeboten werden. Unter anderem gibt es eine elektronische ID-Karte, die als Online-Pass funktioniert. Mit dieser Karte kann man Verträge aus der Ferne unterzeichnen, für öffentliche Verkehrsmittel und Parkplätze bezahlen. eWahlen, eBanking, digitale Rezepte vom Arzt, eSteuererklärungen, eSchulsyteme zum Abrufen der Noten, eRegierung und die Möglichkeit, auf dem eigenen Gerät in 15 Minuten ein Unternehmen zu gründen, sind nur einige weitere Beispiele. Das neueste „e“ ist der eWohnsitz, der Bürgern der ganzen Welt eine von der Regierung herausgegebene digitale Identität und die Möglichkeit, ein Online-Unternehmen zu führen, anbietet. Im Jahr 2025 werden 10 Millionen eWohnsitze erwartet.

Digitale Interaktion und Cyber Security

All dies veranlasste Barack Obama dazu, bei seinem Besuch in Tallinn 2014 zu sagen: „Estland ist zu einem Vorbild geworden, wie Bürger im 21. Jahrhundert mit ihrer Regierung interagieren können.“ Cyber Security hat daher eine große Bedeutung, und als Teil dessen ist das NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Exellence in Tallinn angesiedelt. Estland setzt zurzeit Pläne um, das Land bis 2018 mit der nächsten Generation des Breitband-Netzwerks mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 Mbits zu verbinden.

Kaum noch Bargeld notwendig

Ich selbst nutze Scheine und Münzen hauptsächlich, um meinen Töchtern das Taschengeld in die Hand zu drücken. Auch Parkgebühren zahlen wir nicht bar – wir fingen im Jahr 2000 an, Parkplätze per Handy zu bezahlen. Meine Kollegen sagen, sie haben im Schnitt etwa 10 bis 30 Euro dabei. Beispielsweise ist auf Open-Air-Märkten noch nicht überall Kartenzahlung möglich. Und manche ältere Leute haben, wie wahrscheinlich überall, noch kein rechtes Vertrauen in das „Plastikgeld“, und wahrscheinlich reisen sie auch nicht viel.

Wenn Sie also nach Estland reisen: Herzlich willkommen! Und nehmen Sie nicht so viel Bares mit.

Über den Autor

Erki Karlson arbeitet seit 1995 bei Amadeus Estonia, zuerst als Produkt Manager und seit 2006 als General Manager. Das konstant vier-köpfige Team ist immer bereit, gemeinsam mit den Kunden neue…
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