Duty of Care – und welche Wellen eine Schnecke im Bierglas geschlagen hat

12.11.2019  /  4 Minuten Lesezeit

Business Travel: Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie ihren gesetzlichen und moralischen Sorgfaltspflichten nachkommen. Wann und wie die Gesetzgebung auf das Thema kam, was es mit Reiserisikomanagement zu tun hat und welchen Ursprung es im Zusammenhang mit einer Schnecke im Bierglas hat.

Sorgfaltspflicht ist die rechtliche und ethische Verantwortung von Arbeitgebern. Sie müssen alle angemessenen Schritte unternehmen, um die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer zu gewährleisten.

Die Schnecken-Story

Doch zuerst eine kleine Geschichte, mit der alles begann: Es war ein schöner Sommernachmittag in Schottland im Jahr 1928, als May Donoghue sich mit einer Freundin in einem Café in Paisley traf. Sie hatten das Verlangen „nach einer ganzen Wagenladung Ingwerbier“, heißt es in der überlieferten Geschichte so schön. Ihr Durst war halbwegs gelöscht, als ihre Freundin netterweise den Rest der Flasche in ihr Glas goss. Dann igitt: Eine teilweise zersetzte Schnecke fiel aus der Flasche. Frau Donoghue wurde schwer krank und verklagte den Ingwerbier-Hersteller Stevenson.

Und so beginnt der Fall Donoghue v. Stevenson – ein Fall, der so berüchtigt ist, dass man sich mehrere Videos darüber auf YouTube ansehen kann, darunter eine ausführliche 42-minütige Dokumentation, die behauptet:  „In der 800-jährigen Geschichte des Common Law hatte keine Entscheidung einen so tiefgreifenden Einfluss auf seine Entwicklung wie die, die Lord Atkin 1932 im britischen House of Lords im Fall Donoghue v. Stevenson gab.“

May Donoghue gewann das Verfahren, und die Entscheidung prägte den Begriff der Sorgfaltspflicht und die Gesetze zur Fahrlässigkeit grundlegend.

Das „Nachbarprinzip“

In seiner Entscheidung etablierte Lord Atkin ein neues Verständnis der Gesetzgebung rund um die Fahrlässigkeit, indem er sich auf das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter stützte. Dies wurde als Nachbarprinzip bekannt:

„Du musst mit angemessener Sorgfalt handeln, um Handlungen oder Auslassungen zu vermeiden, bei denen du voraussehen kannst, dass sie wahrscheinlich deinen Nachbarn verletzen werden“, so Lord Atkin.

Und so hat sich die Geschichte einer unerwünschten Schnecke auf einem Eiswagen nicht nur auf die Hersteller von Ingwerbieren ausgewirkt, sondern auf jede natürliche oder juristische Person, die eine andere Person mit ihren Handlungen beeinflussen kann. Sorgfaltspflichten gibt es auch in anderen Ländern, aber die Gesetze, die diese Änderung regeln, variieren von Land zu Land.

Bezogen auf Geschäftsreisen haben Arbeitgeber laut einem Lockton-Report von 2018 „die moralische und rechtliche Verantwortung und Verpflichtung für die Gesundheit, Sicherheit und Geborgenheit ihrer Arbeitnehmer, insbesondere derjenigen, die im Namen des Arbeitgebers reisen“.

Risiken verstehen

Wie können multinationale Unternehmen oder Arbeitgeber angesichts der Tatsache, dass sich die Gesetze von einem Land zum anderen ändern, ihre gesetzlichen und moralischen Sorgfaltspflichten erfüllen? Der erste Schritt ist das Verständnis der damit verbundenen Risiken.

Die Risiken von Geschäftsreisen sind:

  • Flugnotfälle
  • Unruhen in internationalen Ländern
  • Schneestürme
  • Terroranschläge

Quelle: Travel Leaders Group

Die größten Bedrohungen in Europa:

  • Aschewolke
  • Taschendiebstahl
  • reisebedingte Infektion
  • Verkehrsunfall

Quelle: The International SOS Foundation

Nach Angaben der Association for Safe International Road Travel sterben jedes Jahr fast 1,25 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen, weitere 20 bis 50 Millionen werden verletzt oder behindert.

Gesundheit im Blick

Glücklicherweise beziehen sich nicht alle Sorgfaltspflichten auf Lebens- oder Todesfälle, sondern auch auf die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden. Ausreichende Bewegungsmöglichkeiten, Zugang zu gesunder Ernährung und eine Reiseplanung, die den Schlafrhythmus möglichst wenig beeinträchtigt, wirken sich auch positiv auf die Leistung und Mitarbeiterbindung aus. Um diese Ziele, die im Rahmen der Sorgfaltspflicht definiert werden, zu erreichen, erstellt ein Unternehmen Reiserichtlinien. Sie helfen dabei, Reiserisiken zu mindern.

Bildlich gesprochen: Rettungswesten und Notfallpläne

Stellen Sie sich ein sinkendes Schiff vor. Die Schlauchboote und Rettungswesten stehen für die Sorgfaltspflicht, während Mitarbeiter, die mit einer Evakuierungsstrategie geschult wurden, den Plan für das Reiserisiko-Management darstellen.

Travel Management und unterstützende Technologien

Da sich die Sorgfaltspflichten von Land zu Land ändern, gibt es keine klaren Regeln, die definieren, wann ein Arbeitgeber haftbar gemacht werden sollte. Der erste Schritt besteht jedoch darin, ein solides Reiserisiko-Managementprogramm zu erstellen, das alle Risiken, denen Ihre Reisenden ausgesetzt sein könnten, bewertet und Wege aufzeigt, wie Sie diese Risiken mindern oder berücksichtigen können.

Unternehmen, die mit Travel Management Companies (TMCs) zusammenarbeiten, können von deren Expertise profitieren. Ihr Travel Manager sollte in der Lage sein, die aktuelle Situation zu analysieren, Ihre Anforderungen an Geschäftsreisen zu verstehen und Verbesserungen zu empfehlen.

Mit dem Zugriff auf neue mobile, Cloud-basierte Technologien wie Amadeus Mobile Messenger können TMCs sogar Reisende bei jedem Schritt ihrer Reise – vor, während und nach der Reise – in Echtzeit unterstützen.

Beispiel Key Travel

Das Geschäftsreisebüro Key Travel hilft Unternehmen aus dem humanitären, religiösen und akademischen Bereich, ihre Mitarbeiter mit allen notwendigen Mitteln dorthin zu bringen, wo sie sein müssen. Wenn ihre Kunden reisen müssen, müssen sie oft extrem abgelegene und manchmal gefährliche Orte schnell und sicher erreichen.

Mit Lösungen wie dem Mobile Messenger von Amadeus können Travel Manager Reisende in Echtzeit verfolgen und Risikoinformationen sowie ein „Incident Management“ bereitstellen. Unabhängig davon, ob sich Reisende aufgrund einer Aschewolke, eines Erdbebens, eines Autounfalls oder einer Flugverspätung verspäten, können die Travel Manager von Key Travel an jedem Ort ihrer Reise Anweisungen an Einzelpersonen oder große Gruppen von Reisenden senden, wobei die Kommunikation in beide Richtungen per SMS, E-Mail und Push-Benachrichtigungen über die iOS- und Android-freundliche App einfach ist.

Von der Buchung bis zur Abrechnung

Damit sich Geschäftsreisende jedoch wirklich sicher fühlen können, brauchen sie nicht nur in Zeiten von Katastrophen oder Störungen Unterstützung, sondern jemanden, auf den sie sich vom Anfang bis zum Ende ihrer Reise verlassen können. Die wahre Sorgfaltspflicht beginnt mit der Buchung von Hotelzimmern und Flügen und endet mit der Abstimmung aller Reisekosten.

Die Schnecke im Ingwerbier hätte selbst die beste Reisetechnologie nicht verhindern können. Wenn May Donoghue jedoch auf einer Geschäftsreise krank geworden wäre, hätte die Stunde des Reiserisiko-Managements geschlagen, um sie sicher nach Hause zu bringen.

 

Weitere Informationen

Amadeus für Business Reisebüros

Amadeus für Unternehmen

 

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