Drohnenland in den Köpfen der Digitalriesen

18.06.2018  /  3 Minuten Lesezeit
Autor:
Beate Zwermann

Amadeus Blog: Auf dem weltweiten Mobilfunk-Gipfeltreffen in Barcelona im Februar dieses Jahres waren sich alle einig: Die Zukunft liegt nicht mehr im Smartphone, in Zukunft tragen wir alle Brillen. Keine VR-Brillen, sondern smarte Datenbrillen, über die wir per Stimmerkennung unser Leben steuern. Offenbar haben nun alle den Zukunftskrimi Drohnenland von Tom Hillenbrand aus dem Jahr 2014 gelesen, der diese Datenbrillen Specs nennt.

Diese Zukunftsvision bedroht nicht nur die Mobilfunkhersteller, sondern auch den Suchgiganten Google, der bei immer mehr Sprachsuche & -steuerung um seine Werbeeinnahmen auf Smartphones, Tablets und PCs bangen muss. Wenn nur noch über Sprachbefehl gesucht wird, bricht Google das Schaufenster weg. Oder bedeutet das die Renaissance des Vorlesers nach dem Motto: „Siri, lies mir mal die ersten fünf Suchergebnisse aus Google vor!“ Wohl kaum. Deshalb steht zu befürchten, dass Google sehr bald den Schalter umlegt und vom Online-Schaufenster zum Anbieter wechselt. Die Reisebranche zittert davor schon lange. Argwohn ist hier die beste Strategie aber kein Schreckenszenario. Denn was passiert wohl, wenn Google Booking.com Konkurrenz macht? Erst einmal verliert Google mehrere Milliarden US-Dollar an Werbegeldern. Ziehen alle Produzenten und Anbieter mit, geht da schnell das Licht aus. Möglich? Klar doch. Niemand muss über Google verkaufen. Die meisten Anbieter haben schon heute ausreichend Direktkunden. Selbstvertrauen heißt das Zauberwort.

Doch damit nicht genug. Die jüngsten Überlegungen aus den Zentralen der Mobilfunkgiganten lassen nun weitere Parallelen zu den Zukunftsszenarien in Drohnenland aufleben: Das Internet der Dinge – quasi die totale Digitalisierung und Vernetzung aller unserer Gebrauchsgegenstände – treibt Apple & Co. um. Ziel sind gläserne Kunden für Werbung und was immer alles noch. Aktuell baut Apple aber nur Smartphones, Tablets und PCs, keine Toaster, Waschmaschinen, Zahnbürsten, Fernseher und Kühlschränke, die viel mehr über die Kunden verraten. Auch für die digitalen Handelsriesen wie Amazon und Alibaba ist an der Haustür heute noch Schluss. Kein Wunder also, dass sie davon träumen in die Elektronikproduktion einzusteigen, damit sie ihren Kunden total auf die Pelle rücken können. Wie sonst können sie uns in Zukunft die passgenaue Matratze anbieten?

Und nun raten Sie mal, wer im Roman Drohnenland die Specs Datenbrillen produziert? Südkorea. Und wer ist der größte Produzent von Fernsehern weltweit? SAMSUNG. Im elektronischen Geschäft gibt es keine Branche, in der die Südkoreaner nicht tätig sind: Haushaltsgeräte aller Art, medizinische Geräte, Spielekonsolen, Automobil-Elektronik (mit Renault) und klar Mobilfunk. Mit vielen Geräten sind sie Weltmarktführer. Warum also schauen wir so angestrengt nach Nordamerika? In Südkorea spielt die Musik. Heimlich still und leise, könnte man sagen, verschieben sich die Kräfteverhältnisse auf der Welt. Hand auf’s Herz: Was wissen wir über Südkorea? Das muss sich ändern.

An dieser Stelle gibt es noch zwei Dinge, die ich Ihnen zum Nachdenken mit auf den Weg geben möchte. Erstens: Was geschieht, wenn Tom Hillenbrands Zukunftsthesen auch auf weitere Entwicklungen zutreffen? Leben die Holländer tatsächlich schon bald auf schwimmenden Inseln über ihrem Land, das aufgrund der Klimakatastrophe kläglich abgesoffen ist?

Und außerdem, zweitens, was sagt uns die Feststellung, dass kein anderes Land auf der Welt auf den Umbau der Verkehrsinfrastruktur in Städten mit Passagierdrohnen besser vorbereitet ist als Südkorea? Dort gibt es 510 Heliports, in der europäischen Union sind es 99 und in Deutschland schlappe 25. Auf nach Südkorea!

Über den Autor

Beate Zwermann ist seit 2007 als externe Pressesprecherin für Amadeus Germany, die Amadeus IT Group Madrid und seit 2013 auch für Traveltainment unterwegs. Die gelernte Journalistin bringt es auf 25…
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