Dieses Scharren in der Luft

03.05.2018  /  2 Minuten Lesezeit
Autor:
Dr. Oliver Rengelshausen

Top of the Week: Es steht zu befürchten, dass Anfang Juli mit Inkrafttreten des neuen Reiserechts eine Abmahnwelle kommt. Oliver Rengelshausen findet dazu deutliche Worte.

Hören Sie es auch? Dieses Scharren in der Luft? Das sind die Abmahnanwälte, die sich für den 1. Juli warmlaufen, wenn das neue Reiserecht in Kraft tritt.

Ja, Verbraucherschutz ist wichtig, und systematischen Betrügern und nachlässigem Handeln gehört in allen Branchen auf die Finger geschaut, auch im Reisevertrieb. Ja, ich weiß auch, dass zumindest Felix Methmann vom Verbraucherzentrale-Bundesverband keine verdeckten Testkäufe in Reisebüros plant, also niemanden in die Falle locken will. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband ist ein seriöser Verein. Auch wenn Felix Methmann eine Abmahnung mit 120 Euro Entgelt eine „sehr günstige Rechtsberatung“ nennt, was man durchaus arrogant finden kann.

Seltsame Geschäftsmodelle

Ich höre die Anwälte scharren, die aus der Abmahnerei ein Geschäftsmodell gemacht haben. Das ist schon dann ärgerlich, wenn sie es nach geltendem Recht machen. Denn sie leben von den versehentlichen oder fahrlässigen Fehlern anderer, ohne dass es sie mehr kostet als einen Brief. Dazu ist schon viel geschrieben worden, und erst im März wurde beim Deutschen Bundestag die E-Petition 77180 zur Reform des wettbewerbsrechtlichen Abmahnwesens eingereicht. Sie hat allerdings am 24. April das nötige Quorum verfehlt, was ich sehr ärgerlich finde.

Richtig ärgerlich aber wird es, wenn wir in einer Umbruchphase stecken wie jetzt gerade. Ich fürchte, dass von Juli an lauter Juristen einen sehr genauen Blick auf lauter Nicht-Juristen werfen werden, die sich in relativ kurzer Zeit in ein neues Reiserecht einarbeiten müssen. Und sie dann für ihre Fehler abkassieren. Denn natürlich werden Fehler passieren, trotz all der Schulungen, Hilfestellungen und IT-Lösungen, die Reisebüro-Kooperationen, Midoffice-Anbieter oder Amadeus/Traveltainment (mit dem Amadeus Form Wizard) bereitstellen. Wir sind alle nur Menschen. Abmahnungen haben ihre Berechtigung, wenn fahrlässig oder böswillig gehandelt wird. Reisebüros, die mit der EU-Pauschalreiserichtlinie kämpfen, haben diese Unterstellung nicht verdient. Abmahnungen an ihre Adresse sind daher genau das: fahrlässig oder sogar böswillig.

Daher sei es deutlich gesagt: Wer massenhaft Reisebüros abmahnt, denen in den ersten Wochen des neuen Reiserechts Fehler unterlaufen, der ist ein Beutelschneider, ein Wegelagerer, ein Schnapphahn. Und des umfassenden, kundenfreundlichen Services der Reisebüros nicht wert.

Über den Autor

Dr. Oliver Rengelshausen ist seit Mai 2018 Sales Director Online und für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz im Bereich Travel Channels von Amadeus zuständig. In dieser Funktion verantwortet er…
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